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Staatlich verwaltete Altersvorsorge soll Verbraucher schützen

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Eingestellt: 1. Februar 2019 um 09:11   /   durch   /   Kommentare (0)

Schon seit einiger Zeit wird die Einführung einer Standardrente, die vom Staat angeboten und verwaltet wird, diskutiert. Jetzt setzen sich auch die Verbraucherschützer für diese Idee ein.

„Die private Vorsorge braucht einen politischen Neustart. Wir brauchen ein effizientes kostengünstiges Standardprodukt, das die private Altersvorsorge für alle Menschen erleichtert. Die Versicherungswirtschaft hat jedoch erklärt, dass sie keinen Vorschlag für ein Standardprodukt für die private Altersvorsorge machen wird. Damit ist die Bundesregierung am Zug: Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) muss jetzt Eckpunkte für ein kostengünstiges Standardprodukt vorlegen. Die Riester-Produkte sind zu oft zu teuer und zu ineffizient. Es besteht dringender Handlungsbedarf. „Die GroKo darf das Thema nicht aussitzen.“ So äußert sich Klaus Müller, Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverbands und fordert damit eine staatlich verwaltete private Altersvorsorge.

Der Gedanke ist nicht neu. Aber ist dies wirklich der richtige Weg zur Sicherung des Lebensstandards im Alter und dazu, die Rentenlücken, die sich durch die staatliche Rentenpolitik erst ergeben haben, zu schließen?

Das darf bezweifelt werden. Ein Standardprodukt wird es nie schaffen, die Bedürfnisse aller Anleger abzudecken. Außerdem birgt die Bündelung der privaten Altersvorsorgevermögen in einem vom Staat vorgegebenen Anlageprodukt ein nicht zu unterschätzende Klumpenrisiko, das sich dann realisiert, wenn sich das staatliche private Vorsorgevermögen schlechter entwickelt als die Anlageprodukte privater Anbieter.

Auch der Ansatz, dass der Staat die Vermögensverwaltung und die Administration der Anlagekonten unter Einhaltung aller Vorgaben, die für die Bank- und Versicherungswirtschaft gelten, kostengünstiger anbieten kann, als private Anbieter, ist ein Trugschluss. Zwar verfolgt der Staat mit dem Standardvorsorgeprodukt keine Gewinnabsicht. Aus der staatlichen Abwicklung ergeben sich andere Kostenpositionen. Er müsste erst einmal die Infrastruktur (Software, Personal) aufbauen und einkaufen, welche private Anbieter bereits haben. Hierbei ist ein langwieriger und damit ebenfalls kostspieliger Entscheidungsprozess zu durchlaufen.

Der Erfolg eines staatlichen Standardprodukts setzt aber nicht zuletzt auch voraus, dass die Bürger einem entsprechenden Produkt mehr vertrauen als den Anlageprodukten privater Anbieter. Vielleicht sollten die Verbraucherschützer stärker auf die Aufklärung der mündigen Bürger setzen und ihnen helfen, sich aus den privaten Anlageprodukten, die sicher nicht alle schlecht sind, das für sie richtige Produkt auszuwählen. Stattdessen fordern sie vom Staat die Erfüllung einer Aufgabe, für die er schlichtweg nicht zuständig ist. Die Trennung der Vorsorgeformen in die drei Säulen gesetzliche, betriebliche und private Vorsorge hat sich in Deutschland außerdem durchaus bewährt.

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