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Der Zusammenhang zwischen Lebensarbeitszeit und Rentenlücke

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Eingestellt: 23. April 2018 um 09:00   /   durch   /   Kommentare (0)

Renten- oder Versorgungslücke ist für viele ein abstrakter Begriff. Liegt bei mir selbst auch eine Rentenlücke vor? Und falls ja, wie hoch ist sie? Da die Zusammenhänge oft nicht klar sind, wird das Thema schnell beiseite geschoben. Dabei gibt es ganz konkrete Angaben und Rechenbeispiele für eine Lücke. Und eine wichtige Erkenntnis…

Fidelity International hat die Ruhr-Universität Bochum beauftragt, den Zusammenhang zwischen Lebensarbeitszeit und der Größe der zu erwartenden Rentenlücke zu untersuchen und gleichzeitig mit konkreten Zahlen zu verdeutlichen.

Zahlen sind oft zu abstrakt und nicht lebensnah

Das gesetzliche Rentenniveau liegt aktuell bei 48 Prozent des Nettoeinkommens vor Steuern. Dabei geht die Politik vom Idealfall aus, also einem Arbeitgeber, der 45 Jahre lang das entsprechende Durchschnittseinkommen erhalten hat und entsprechend in die Rentenversicherung einzahlen konnte. Realistisch betrachtet, schaffen dies die Wenigsten. Eine typische Erwerbsbiografie sieht heute oft anders aus, verläuft nicht zwingend geradlinig und hat häufig Lücken. Aber auch, wer sich darin wiederfindet, muss fürs Alter vorsorgen, damit der Lebensstandard gehalten werden kann. Wie viel zusätzliche Vorsorge ist also tatsächlich notwendig?

Die Entwicklung der Lohnkurve

Um den gewohnten Lebensstandard im Alter halten zu können, sollten 85 Prozent des letzten Einkommens zur Verfügung stehen. Und hier wird es schon kompliziert, denn Männer und Frauen verdienen unterschiedlich viel und haben im Laufe des Berufslebens ganz andere Entwicklungsmöglichkeiten – auch finanzieller Art. Während Männer sich im Laufe ihres Erwerbslebens stark steigern können, können Frauen nur selten große Gehaltssprünge machen.

Beispiel 1: Eine 43-jährige Friseurin

Die Studie liefert auch ganz lebensnahe Beispiele. Nimmt man eine Friseurin, 43 Jahre alt, monatliches Einkommen 1.473 Euro und geht davon aus, dass sie bereits mit 63 Jahren, also vorzeitig, in Rente gehen möchte, dann ergibt dies eine gesetzliche Rente von 908 Euro. In diesem Fall droht eine große Versorgungslücke und die Friseurin benötigt ein Vorsorgevermögen von 88.500 Euro, um die Lücke zu schließen, für das sie ab jetzt wiederum monatlich 240 Euro (15,6 Prozent ihres Einkommens) ansparen müsste. Bei der Rechnung wird eine Realverzinsung von drei Prozent zugrunde gelegt. Plant sie mit 65 Jahren, also immer noch vorzeitig, in Rente zu gehen, müsste sie monatlich 167 Euro ansparen, um die Versorgungslücke zu schließen. Geht sie regulär mit 67 Jahren in Rente, muss sie nur noch 116 Euro monatlich ansparen. Arbeitet sie sogar länger, also über die geltenden Regelaltersgrenze hinaus, und geht zum Beispiel erst mit 70 Jahren in Rente, müsste sie ab jetzt nur noch 45 Euro ansparen, um ihren Lebensstandard halten zu können.

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Beispiel 2: Ein 43-jähriger Softwareentwickler

Auch für die Arbeitnehmer, die mehr Geld verdienen, gelten die gleichen Mechanismen. Nimmt man zum Beispiel einen Software-Entwickler, 43 Jahre alt, verheiratet mit einem monatlichen Einkommen von 4.715 Euro und lässt ihn für die Modellrechnung bereits mit 63 in Rente gehen, dann ergibt sich eine monatliche Aufwendung von 1.077 Euro, die gespart werden müssten, um eine dann klaffende Versorgungslücke von 396.000 Euro zu schließen. Geht der Software-Entwickler mit 67 Jahren in Rente, reichen monatlich 651 Euro und bei 70 Jahren 412 Euro, um der Rentenlücke entgegenzuwirken.

Fazit der Studie

Beide Beispiele zeigen sehr deutlich: Unterschiedliche Gehälter, unterschiedlicher Lebensstandard aber gleicher Mechanismus: Je früher ein Arbeitnehmer in Rente gehen möchte, um so größer ist die Rentenlücke und um so mehr muss monatlich angespart werden, um diese Versorgungslücke zu schließen. Die Studie zeigt außerdem eine sehr wichtige Erkenntnis: Wer rechtzeitig beginnt – am besten gleich mit dem Berufsstart – einer Rentenlücke vorzubeugen, der muss insgesamt prozentual weniger Geld monatlich aufwenden und kann eine Versorgungslücke leicht abwenden. Wer wartet und sich erst spät darum kümmert, der kann nur mit höherem finanziellem Einsatz eine drohende Unterversorgung im Alter abwenden.

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Bild: pixabay

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