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Das Spiel der Lebensversicherungen

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Eingestellt: 18. April 2018 um 09:00   /   durch   /   Kommentare (0)

Es war einmal die Lebensversicherung, sie war sehr beliebt, um fürs Alter vorzusorgen, denn sie brachte bis zu sieben Prozent Verzinsung. Doch dann kam die Niedrigzinsphase und hat alles kaputt gemacht. Lebensversicherungen lohnen sich mittlerweile gar nicht mehr – weder für die Versicherten noch für die Versicherungen.

Unter den Lebensversicherungen war besonders die sogenannte Kapitallebensversicherung beliebt. Sie versprach in den neunziger Jahren eine Verzinsung von bis zu sieben Prozent. Sehr viele Deutsche sind damals dem Ruf nach Sicherheit und Rendite gefolgt und haben eine solche Lebensversicherung zur Absicherungen ihres Lebensstandards im Alter abgeschlossen. Insgesamt gibt es 85 Millionen Verträge in Deutschland für Lebensversicherungen.

Niedrigzinsphase macht die Geschäfte kaputt

Wer eine Kapitallebensversicherung abgeschlossen hat, der kennt das Spiel inzwischen. Es kommt regelmäßig Post von der Versicherung, die mitteilt, dass die Prognosen für die Auszahlungen sinken. Aktuell liegt die Verzinsung nur noch bei 2,4 Prozent. Wer seine Altersvorsorge auf der Kapitallebensversicherung aufgebaut hat, der hat nun das Nachsehen und muss neu denken, um im Alter trotzdem wie gewünscht abgesichert zu sein.

Versicherungen müssen reagieren

Die Versicherungen legen die gezahlten Beiträge der Versicherungsnehmer in sichere Anleihen an – so war mal der Plan. Aus dem Gewinn dieser Anleihen sollten später die Renten gezahlt werden. Doch die errechneten Gewinne können nun nicht wie geplant eingestrichen werden, denn die anhaltende Niedrigzinssituation an den Finanzmärkten macht allen Anlegern einen Strich durch deren Rechnungen.

Zinszusatzreserve für die Sicherung von Garantieversprechen

Seit 2011 sind Versicherungen daher verpflichtet eine Zinszusatzreserve zu bilden, um die gegebenen Versprechen auch zukünftig einhalten zu können. Die Versicherungen belastet diese Maßnahme schwer. Ihre finanziellen Mittel werden dadurch anders gebunden und stehen nicht wie gewohnt zur Verfügung. Der Rohüberschuss, also die Gelder, aus denen die Versicherungsnehmer ausgezahlt werden, ist in den letzten Jahren durch die Zinszusatzreserve stark geschrumpft. Im Jahr 2000 lag der Rohüberschuss noch bei 26,7 Milliarden Euro, 2016 hingegen waren es nur noch 10,4 Milliarden Euro.

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Rechnung zu Lasten der Versicherten?

Die Probleme der Versicherungen sollen nicht auf die Versicherten abgewälzt werden – so auch der Wunsch der Politik. Die letzte Bundesregierung hat 2014 dafür eigens das Gesetz zur Absicherung stabiler und fairer Leistungen für Lebensversicherte verabschiedet. Durch dieses Lebensversicherungsreformgesetz soll der Versicherte geschützt werden, zum Beispiel indem den Versicherungen untersagt wird, Gewinne an ihre Eigentümer auszuzahlen, falls die Leistungen der Versicherten dadurch gefährdet werden.

Versicherungen umgehen das Lebensversicherungsreformgesetz

Das Lebensversicherungsreformgesetz wird allerdings immer wieder gerne von den Versicherungen umgangen. Über Gewinnabführungsverträge werden große Summen zum Beispiel an Muttergesellschaften überwiesen. 2012 wurden dadurch 350 Millionen Euro abgezweigt, 2016 waren es bereits 1,1 Milliarden Euro. Die Versicherungen schmälern damit ihren Gesamtüberschuss und zwar sehr deutlich – 2016 lag der Gesamtüberschuss eigentlich bei 1,45 Milliarden Euro, zieht man aber die Summen aus den Gewinnabführungsverträgen ab, bleibt lediglich ein Gesamtüberschuss von 335,5 Millionen Euro.

Politik muss handeln

Um den Versicherten zu schützen, reicht das Lebensversicherungsreformgesetz also nicht aus. Die Zinssituation wird sich so schnell nicht ändern, daher müssen die Versicherungsnehmer vor weiteren Einschnitten geschützt werden. Eine Möglichkeit dabei wäre die Ausweitung des Ausschüttungsverbotes auf Gewinnabführungsverträge, zu diesem Schuss kommt zumindest ein Gutachten des Wissenschaftlichen Dienstes des Bundestags. Bleibt abzuwarten, welche Beachtung dieses Gutachten in der aktuellen Bundesregierung findet.

Bild: pixabay

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