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Zukunftsmarkt AltersVorsorge 2018

Eingestellt: 22. Februar 2018 um 10:59   /   durch   /   Kommentare (0)

Bringt das Betriebsrentenstärkungsgesetz wirklich die erhofften Impulse zur Erhöhung des Versorgungsgrads der Geringverdiener oder gibt es noch Anpassungsbedarf?

Am Dienstag und Mittwoch dieser Woche trafen sich Vorsorgeexperten zu ihrer jährlichen Fachtagung in Berlin. Der Zukunftsmarkt AltersVorsorge 2018 wurde erneut durch die Management Center of Competence (MCC) veranstaltet. Die Referate und Diskussionsrunden deckten dabei wie gewohnt alle Facetten ab, d. h. beleuchteten die drei Säulen gesetzliche, betriebliche und private Vorsorge – aus Sicht der Anbieter von Vorsorgeprodukten, der Parteien, der Gewerkschaften und der Arbeitgeber. Dabei stand das zum 01.01.2018 in Kraft getretenen Betriebsrentenstärkungsgesetz im Mittelpunkt.

Im Fokus: Betriebsrentenstärkungsgesetz

Und obwohl sich seit dem letzten Jahr nichts geändert hat, insbesondere noch von keinem Tarifpartner konkrete Pläne zur Einführung eines Zielrentensystems im Sozialpartnermodell vorgestellt wurden, regt sich vorsichtiger Optimismus in allen Lagern.

Man ist sich einig, dass das Gesetz gute Ansätze bietet, aber auch noch Verbesserungspotenzial besteht. Der Hoffnungsträger ist dabei nicht die reine Beitragszusage, die sogenannte Pay an forget-Lösung, bei denen der Arbeitgeber lediglich die reine Beitragszahlung, nicht aber eine bestimmte Leistung schuldet. Der neue Star am bAV-Himmel ist das Opting-Out-Modell. Hier nehmen die Mitarbeiter automatisch an einer Entgeltumwandlung teil, es sei denn, sie widersprechen dieser. Der Arbeitnehmer muss sich also nicht aktiv für eine Entgeltumwandlung entscheiden, sondern muss nur tätig werden und sich näher mit dem Thema beschäftigen, wenn er keine Altersvorsorge betreiben möchte. Entsprechende Modelle können nach dem Betriebsrentenstärkungsgesetz von den Tarifpartnern eingeführt werden, passende Lösungen auf betrieblicher Ebene wurden durch das Gesetz jedoch erschwert. Hier besteht noch Regelungsbedarf, da die Opting- Out-Lösung nicht nur tarifgebundenen Unternehmen zur Verfügung stehen sollte.

In diesem Zusammenhang stellt sich aber auch die Frage, ob eine Entgeltumwandlung für den Mitarbeiter gegenüber der privaten Vorsorge überhaupt vorteilhafter ist. Dies ist derzeit nämlich nicht für alle Einkommens- und Steuerklassen der Fall. Dies ändert sich aber mit der Einführung des obligatorischen Arbeitgeberzuschuss zur Entgeltumwandlung. Der Anspruch hierauf besteht für  Neuzusagen ab 01.01.2019 und für bestehende Zusagen ab 01.10.2022.

Wunsch nach digitalem Rentenkonto

Ein weiteres Thema, das sich durch beide Tagungstage zog, ist die im Koalitionsvertrag vorgesehene Einführung eines säulenübergreifenden Rentenkontos, über das die Bürger einen Überblick über ihre Gesamtversorgungssituation erhalten und mögliche Rentenlücken erkennen und schließen könnten. Hier werden selbstverständlich Vorteile für die Bürger gesehen, es wurde aber auch deutlich, dass insbesondere Produktanbieter sich aus dieser Transparenz neue Möglichkeiten bei der Vorsorgeberatung erhoffen.

Deutscher bAV-Preis 2018

Auch in diesem Jahr war die Vergabe des Deutschen bAV-Preises ein Highlight. Gewürdigt wurden Anbieter, die trotz des anhaltenden Niedrigzinsumfeldes für ihre Mitarbeiter eine attraktive betriebliche Altersversorgung gestalten konnte. Die Gewinner waren unter anderem die Koenig & Bauer AG, die Isabellenhütte Heusler GmbH & Co. KG sowie die Deutsche Lufthansa AG. Letztere erhielt eine Sonderauszeichnung. Besonders wichtig sei Arbeitnehmern, so Dr. Thomas Jasper, Leiter Retirement Westeuropa bei Willis Towers Watson, dass sich die Altersvorsorge an die Lebenssituation anpasst und sie über die Auszahlungsart entscheiden können. Das Fazit der Preisverleihung: die bAV der Zukunft ist flexibel und individuell.

 

Bild: MCC

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