bAV-Branche, Ein Blick über den Tellerrand

Rente: Wo steht Deutschland im OECD-Vergleich?

Eingestellt: 14. Dezember 2017 um 13:22   /   durch   /   Kommentare (0)

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hat für die Studie „Pensions at a Glance 2017“ die Situation in 34 Ländern untersucht. Für Deutschland gab es Kritik und Lob gleichermaßen…

Die Situation in den untersuchten OECD- und G20-Ländern ähnelt sich: alternde Gesellschaften, wachsende Ungleichheiten, unsichere Arbeitsmarktlage. Alle diese Faktoren erhöhen den Druck auf das jeweilige Rentensystem. Doch die Länder begegnen diesen Herausforderungen unterschiedlich.

Nach wie vor ein Problem: Benachteiligung von Frauen

Für den Ländervergleich hat die OECD die Rentenpolitik der letzten zwei Jahr untersucht. Mit einem alarmierenden Ergebnis: In keinem anderen Lang gibt es so große Unterschiede zwischen Männern und Frauen in der Höhe ihrer Altersbezüge. Der Unterschied beträgt in Deutschland 46 Prozent. Ein wichtiger Aspekt, der von der Politik aufgegriffen und mit entsprechenden Maßnahmen entschärft werden muss. Erst wenn Frauen einen gerechten Lohn erhalten, wird sich auch ihre Situation in der Rente geschlechtergerecht entwickeln.

Altersarmut ist in Deutschland nach wie vor ein Thema

Beim Thema Altersarmut spalten sich die Geister. Die Einen verweigern das Thema und tun es als bloße Panikmache ab. Die Anderen predigen seit Jahren, dass es besondere Gruppen in Deutschland gibt, die stark von Altersarmut betroffen sind und daher mit entsprechenden Maßnahmen – betriebliche Altersversorgung (bAV) oder private Altersvorsorge etwa – gegensteuern sollten. Auch die OECD bestätigt nun, dass es in Deutschland große Defizite bei der Höhe des Sicherungsniveaus gibt. Das betrifft vor allem Niedrigverdiener und Beschäftigte mit geringen Rentenbeitragszeiten. Diese Gruppen seien, so die OECD, von Altersarmut betroffen. Zwar liegen deutsche Senioren damit unter dem OECD-Durchschnitt, doch mit Blick auf Frankreich, den skandinavischen Ländern, Spanien, Polen und Italien ist noch deutlich Luft nach oben, um die Situation zu verbessern und sich ein Beispiel an den anderen OECD-Ländern zu nehmen. Auch der Umstand, dass die Grundsicherung im Alter in Deutschland nur lediglich einem Fünftel des Durchschnitteinkommens entspricht, verschärft die Situation weiter.

Kritik der OECD: In Deutschland gibt es keine Mindestrente

Die Absicherung im Alter variiert in Deutschland sehr stark und hängt vom Einkommen ab. Ein Durchschnittsverdiener kommt hier auf Renteneinkünfte, die knapp unter dem OECD-Durchschnitt liegen. Ein Geringverdiener hingegen, der etwa nur die Hälfte des Durchschnittlohns erhält, kommt lediglich auf 55 Prozent seines Arbeitslohns und liegt damit weit unter dem OECD-Durchschnitt, der bei 73 Prozent liegt. Die OECD kritisiert die starke Verknüpfung von Einkommen und Rentenansprüchen in Deutschland und damit das Fehlen einer Mindestrente.

Lohnt es sich, länger zu arbeiten?

Neben all der Kritik gab es auch Lob von der OECD. So hat Deutschland deutlich mehr ältere Menschen in den Arbeitsmarkt integriert und ist damit Spitzenreiter im OECD-Vergleich. Die Quote der 55- bis 64-jährigen Erwerbstätigen ist seit 2000 um fast 30 Prozentpunkte gestiegen. Bei den 65- bis 69-Jährigen liegt Deutschland allerdings leicht unter dem OECD-Durchschnitt. Dabei würden ältere Berufstätige die Rentenfinanzierung stabilisieren. Hier sieht die OECD dringenden Nachbesserungsbedarf. Deutschland müsse Anreize schaffen, damit auch Ältere noch arbeiten, vielleicht sogar über das gesetzliche Rentenalter hinaus. Bisher sei das noch zu wenig attraktiv. Arbeitet ein Deutscher, nachdem er bereits 45 Jahre lang Beiträge gezahlt hat, ein Jahr weiter, erhöhen sich seine Alterseinkünfte um zwei Prozent, bei drei Jahren um vier Prozent. In Portugal wird das längere Arbeiten mit 13 Prozent, in Österreich immerhin noch mit 8 Prozent Bonus honoriert.

Fazit der Studie

Die allgemeine Schlussfolgerung der OECD-Studie für alle Länder hinweg lautet, dass die Regierungen die dynamische Wirtschaftsentwicklung jetzt nutzen sollen, um ihre Rentensysteme zukunftssicher zu machen. Insgesamt seien weitere Reformen notwendig, um das Rentensystem auf die demografische Entwicklung und die Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt vorzubereiten.

 

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Bild: pixabay

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