bAV-Branche

Sozialpartnermodell – Pokerrente oder sinnvolles Instrument zur Verbreitung der bAV?

Eingestellt: 1. September 2017 um 12:44   /   durch   /   Kommentare (0)

Am Mittwoch dieser Woche trafen sich in Köln bAV-Experten zu einem „Think Tank Zielrente“, um sich über die Möglichkeiten und Ausgestaltungsoptionen der Tarifrente auszutauschen. Das Webmagazin der Initiative Deutsche Betriebsrente war als Medienpartner natürlich vor Ort.

Im Mittelpunkt der Veranstaltung standen das Sozialpartnermodell und das Zielrentensystem. Durch das vorgesehene Sozialpartnermodell wird für die betriebliche Altersversorgung (bAV) ab dem 01.01.2018 ein neues Parallelsystem zur Verfügung gestellt, welches ausschließlich über die Tarifpartner angeboten und gestaltet wird. In Zukunft können Arbeitgeber und Gewerkschaften hierüber eine bAV ohne Haftung der Arbeitgeber und damit ohne Garantie vereinbaren. Sie haben die Möglichkeit, über reine Beitragszusagen sogenannte Zielrentenmodelle anzubieten. Zielrente bedeutet, dass lediglich eine dauerhafte Rentenhöhe (Zielrente) angestrebt wird, der Arbeitnehmer aber kein garantiertes Leistungsniveau erhält. Von dieser Betriebsrente ohne Garantie verspricht sich der Gesetzgeber höhere Rentenleistungen, weil die Beiträge renditeorientierter angelegt werden können. Der Preis hierfür ist aber, dass laufende Renten ggf. gekürzt werden können.

Die Referenten stellten die Chancen und Risiken von Zielrentensystemen aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln vor. So konnten die verschiedensten Aspekte der neuen Zusageform diskutiert werden, sei es aus Sicht der Aufsicht (BaFIN), der Tarifpartner und auch der bAV-Berater und Anbieter, die für die Ausgestaltung der Tarife und die Kapitalanlage bei Zielrentenmodellen letztlich verantwortlich sein werden. Auch Vertreter des Bundesministeriums für Finanzen und des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales standen zur Klärung von strittigen Einzelfragen Rede und Antwort.

Die Diskussionen zeigten insgesamt sehr deutlich, dass es noch einigen Klärungsbedarf gibt. Dieser bezieht sich aber nicht nur auf Einzelfragen, was so kurz nach Verabschiedung des Gesetzes völlig normal wäre. Es scheint aber noch gar nicht klar zu sein, welche Rolle die Tarifparteien im Sozialpartnermodell überhaupt spielen. Hierzu gingen die Aussagen während der Veranstaltung wild durcheinander. Ein Referent äußerte, die Sozialpartner müssten ja nur die Fragen entscheiden, mit denen sich auch ein normaler Versicherungsnehmer auseinander setzen muss, wenn er sich für einen Versicherungstarif entscheidet. Nach anderer Ansicht sind die Tarifpartner die Treuhänder für das Vermögen der Arbeitnehmer. Sehr oft wurde betont, dass Arbeitgebervertreter und Gewerkschafter beachten müssen, dass sie bei der Umsetzung des Tarifpartnermodells ein sehr hohes Reputationsrisiko tragen.

Fazit

Das Tarifpartnermodell kann nur dann funktionieren und den gewünschten Erfolg bringen, wenn sich die Sozialpartner für das neue Modell engagieren. Im Moment ist noch wenig aktives Engagement zu spüren. Alle warten ab, wie sich die anderen positionieren und wollen nicht den ersten Schritt machen. Hält das Zögern bei den Verantwortlichen an, ist das neue Modell eigentlich schon gestorben, wenn es am 01.01.2018 in Kraft tritt. Die gewünschte Verbreitung der bAV, insbesondere bei den Geringverdienern, wird so auf keinen Fall erreicht. Wie sollen die Sozialpartner die Arbeitnehmer von einem Modell überzeugen, hinter dem sie selbst nicht stehen bzw. bei dem sie aus Angst vor Haftungs- und Reputationsrisiken Bedenken haben, eigene Entscheidungen zu treffen und letztlich zu vertreten?

 

Bild: Euroforum/Die Zielrente

 

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