Kolumne Wolfgang Grammatika

Welche Rolle spielt der Arbeitnehmer eigentlich im Sozialpartnermodell?

Eingestellt: 2. August 2017 um 10:00   /   durch   /   Kommentare (0)

Wolfgang Grammatika ist Key-Account-Manager der VdW Pensionsfonds AG und bAV-Experte. Er wird regelmäßig im dbr-Webmagazin aktuelle Entwicklungen kommentieren.

 

Zum 01.01.2018 wird das Betriebsrentenstärkungsgesetz in Kraft treten und den Tarifparteien die Möglichkeit bieten, im sogenannten Sozialpartnermodell neue Betriebsrentenmodelle zu erarbeiten. Dazu gibt ihnen das Gesetz mit der neuen Beitragszusage (von der Partei DIE LINKEN auch als „Pokerrente“ bezeichnet) und der Regelung zu Opt-Out-Lösungen neue Werkzeuge für die Gestaltung der Versorgungszusagen an die Hand.

 

Jetzt gilt es, diese neuen Tools in die Praxis umzusetzen. Anbieter und Berater scharren schon mit den Hufen und können es nicht erwarten, die Tarifpartner hierbei zu unterstützen. Einige Versicherer haben sich dazu sogar zusammengeschlossen und bieten mit dem „Rentenwerk“ Ihre Hilfe an.

 

Bei allem Bemühen, die neuen Regelungen mit Leben zu füllen, besteht aber die Gefahr, dass der Arbeitnehmer, der die Modelle letztendlich zum Aufbau seiner Altersvorsorge nutzen soll, aus dem Fokus gerät. In der öffentlichen Diskussion um das Betriebsrentenstärkungsgesetz wurde zwar bis zuletzt um die Frage gestritten, ob im Sozialpartnermodell Garantien möglich sein sollen oder nicht. Dabei ging es aber nicht darum, die Interessen des Arbeitnehmers zu wahren, sondern es handelte sich um reine Lobbyarbeit der Versicherungsindustrie.

 

Wenn man aber die Interessen des Arbeitnehmers betrachtet, kommt man schnell zu dem Schluss, dass er das Sozialpartnermodell, in dem er alleine das Kapitalanlagerisiko trägt und sogar laufende Renten gekürzt werden können, gar nicht haben will und auch nicht braucht. Wenn er unter Verzicht auf Sicherheit hohe Renditen erzielen will, kann er das über die private Vorsorge bereits jetzt – und kann sich dabei sogar die Kapitalanlage bzw. seinen Berater selbst aussuchen. Beim Sozialpartnermodell muss er sich auf die Tarifpartner verlassen. Diese werden es sich sicher nicht nehmen lassen, ausgefeilte Regelungen im Rahmen der Zielrentenmodelle zu schaffen, die alle Interessen berücksichtigen, dies wird aber aller Voraussicht nach zulasten der Transparenz und der Rendite für den Einzelnen gehen.

 

Diese aufwendigen Modelle sind aber gar nicht nötig, wenn einfach die bereits vorhandenen Produkte genutzt würden. Insbesondere die Beitragszusage mit Mindestleistungsgarantie, die dem Arbeitnehmer zumindest den Erhalt seiner eingezahlten Beiträge sichert, ist eine interessante Alternative zur reinen Beitragszusage; besonders dann, wenn das gewählte Produkt eine niedrige Kostenquote und interessante Kapitalanlagemöglichkeiten aufweist.

 

Mein Fazit:

Sozialpartner und Arbeitgeber sollten intensiv prüfen, ob die Möglichkeiten des Sozialpartnermodells bei einer Interessenabwägung aller Beteiligten wirklich vorteilhaft sind. Das Neue ist nicht immer das Beste.

 

Bild: Wolfgang Grammatika

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