Digitalisierung, Hintergrundwissen bAV, Kolumne Gisbert Schadek

Betriebsrentenstärkungsgesetz: Digitalisierungsdruck in der bAV steigt

Eingestellt: 12. Juli 2017 um 10:03   /   durch   /   Kommentare (0)

Das Thema bAV-Digitalisierung hat vor dem Hintergrund des Betriebsrentenstärkungsgesetzes, wenn man die aktuellen Diskussionen verfolgt, in der Wahrnehmung der bAV-Verantwortlichen scheinbar an Bedeutung verloren.

Aber gerade reine Beitragszusagen- bzw. Zielrentensysteme erfordern eine digitale bAV. Digitalisierung bleibt damit das bAV-Topthema der Zukunft. Nur mit digitalen bAV-Verwaltungssystemen können die Tarifparteien und die Arbeitgeber den Mitarbeitern die neuen Regelungen überhaupt dauerhaft transparent darstellen und sie letztlich von den neuen Modellen überzeugen.

Die Verwaltung von Zielrentensystemen erfordert das Zusammenspiel mehrerer Beteiligter: Da sind zum einen die Sozialpartner als Anbieter der neuen Systeme, die Depotbanken und Assetmanager, die die Kapitalanlage abwickeln bzw. verantworten sowie Aktuare, die auch für das Asset-Liability-Management zuständig sind. Nicht zuletzt müssen die betroffenen Arbeitgeber und Arbeitnehmer mit leicht verständlichen Informationen versorgt werden. Sie müssen in die Lage versetzt werden, die Entwicklung der Versorgungsansprüche nachzuvollziehen und die Risiken für die eigene Vorsorgesituation einschätzen zu können. Diese vielen Partner einer Tarifrente können nur über workflowgestützte cloudbasierte Programme gesteuert werden. Nur hierüber wird es gelingen, die neuen Zielrentensysteme attraktiv zu gestalten und Arbeitnehmer und Arbeitgeber dauerhaft mit im Boot zu behalten.

Das ist alles auch kein Hexenwerk, weil es diese Verwaltungssysteme, wie zum Beispiel den Rentenmanager der Entgelt und Rente AG, bereits gibt. Sie werden von Arbeitgebern, die bereits vor Erfindung der Zielrente in Deutschland kapitalmarktorientierte bAV-Zusagen erteilt haben, schon lange genutzt. Neu ist nur, dass der Arbeitnehmer die Risiken aus der Kapitalanlage und veränderten Sterblichkeitswahrscheinlichkeiten trägt, bisher gingen diese zu Lasten des Arbeitgebers. Die Instrumente, die zur Gegensteuerung – wenn sich ein Risiko verwirklicht – zur Verfügung stehen, haben sich damit geändert. Konnte der Arbeitgeber in der Vergangenheit nur hoffen, dass bei ihm kein außerordentliches Risiko eintritt, das zu einer Nachfinanzierungsverpflichtung führen könnte, hat er heute die Möglichkeit, sogar laufende Rentenleistungen zu kürzen.

Die vorhandenen Verwaltungsprogramme können ohne viel Aufwand auf Zielrentensysteme angepasst werden. Es hat sich lediglich der Adressat des Risikoreportings geändert. War dies bisher in erster Linie der Arbeitgeber, so muss in Zukunft auch der Arbeitnehmer umfassend, transparent und verständlich informiert werden. Auch die vorzuschlagenden Handlungsoptionen nach der Früherkennung eines Risikos sind an die neuen Vorsorgemodelle anzupassen.

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