bAV in Unternehmen

bAV: Von den Niederländern lernen?

Eingestellt: 28. Juli 2017 um 09:29   /   durch   /   Kommentare (0)

Ein Gastbeitrag von Hans-Peter Bauder, Head of Business Development Pensions bei der KAS BANK N.V. German Branch

Geht es um betriebliche Altersversorgung (bAV) haben die Niederlande in Europa ganz klar die Nase vorn: ca. 90 Prozent aller Erwerbstätigen haben hier eine bAV. Fast alle Unternehmen in den Niederlanden bieten diese Altersversorgung standardmäßig an. Von solchen Zahlen ist Deutschland noch weit entfernt.

Zwar ist die Altersvorsorge in den Niederlanden grundsätzlich wie in Deutschland auf drei Säulen aufgebaut. Zum einen die gesetzliche Rentenversicherung (in den Niederlanden: AOW), die betriebliche Altersversorgung und die individuelle Privatvorsorge. Die Gewichtungen der einzelnen Säulen für die Absicherung im Alter insgesamt sind jedoch deutlich verschieden zu Deutschland. Der umlagefinanzierten gesetzlichen Rente kommt ein weitaus geringerer Stellenwert zu, liefert sie in den Niederlanden doch nur eine einheitliche Basisabsicherung auf Höhe des Existenzminimums, in Form einer Grundrente nach dem Anwesenheitsprinzip (ca. EUR 1.040 für Einzelpersonen und ca. EUR 1.300 bis 1.400 für Paare). Folgerichtig sind weitere Vorsorgemaßnahmen für die spätere Absicherung notwendig. Der bAV kommt hierbei die größte Bedeutung zu, die Privatrente, obwohl steuerlich gefördert, erreicht nicht einmal 10 Prozent des gesamten Rentenaufkommens.

Mitarbeiterbindung durch bAV

Fragt man deutsche Arbeitgeber, was sie davor abschreckt, eine bAV anzubieten, lauten die Antworten: kein Interesse seitens der Mitarbeiter, hohe Kosten, hoher Aufwand. Gerade die erste Antwort verwundert und widerspricht einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts forsa im Auftrag der KAS BANK. Demnach ist eine betriebliche Altersvorsorge für 72 Prozent der deutschen Arbeitnehmer wichtig oder gar sehr wichtig für die Wahl des Arbeitgebers. Damit lag die bAV auf Rang zwei hinter dem Arbeitsentgelt und ganz deutlich vor anderen ökonomischen Komponenten wie vermögenswirksamen Leistungen oder einem Dienstwagen. Gerade für Mittelständler dürfte diese Aussage im Wettbewerb mit Großunternehmen um qualifizierte Arbeitskräfte von nicht geringem Interesse sein.

Konsolidierungswelle bei kleinen und mittleren Pensionsfonds

Auch für die Niederlande gilt: Kosten, Aufwand und die Kombination aus steigender Lebenserwartung, niedrigen Zinsen und einem fortwährenden Mangel an renditestarken Anlagemöglichkeiten mit vertretbarem Risikoprofil sind die bestimmenden Themen. Entsprechend hat bei kleinen und mittleren Pensionsfonds in den Niederlanden, die in der Regel von ebensolchen Unternehmen initiiert worden sind, eine deutliche Konsolidierungswelle stattgefunden. Ihre Zahl ist in den vergangenen Jahren drastisch zurückgegangen. Gab es 2005 in den Niederlanden noch rund 800 Pensionsfonds, so ist ihre Zahl bis 2017 auf 261 gefallen.

Wechsel in APFs senkt Kosten

Die zunehmende Konzentration bei niederländischen Pensionsfonds geht einher mit einer Kostenquote, die deutlich niedriger ist als in Deutschland (mehr als 20 Prozent). Neue Vehikel wie die vor der Einführung befindlichen APFs (Algemeen Pensioenfonds) ermöglichen es kleinen Unternehmenspensionsfonds, ihre Vermögen und Verpflichtungen in größeren und kosteneffizienteren Einheiten zu bündeln, ohne dabei ihre Identität und Tradition aufzugeben. Die Ersparnis bei den Verwaltungsaufwendungen durch den Wechsel in APFs veranschlagen Experten für kleinere und mittlere Pensionsfonds auf 30 bis 40 Prozent.

Trend: (C-)DC-basierte bAV-Lösungen

Noch entscheidender als das Thema Kostenentlastung ist jedoch der Paradigmenwandel, der mit APFs oder den seit 2011 am Markt befindlichen PPIs (Premium Pension Institutions) einhergeht. Während in Deutschland die bAV immer noch hauptsächlich auf einem Defined-Benefit-(DB-)Modell oder einer sogenannten beitragsorientierten Leistungszusage aufgebaut ist, haben die Niederlande mit PPIs und APFs ihr Umsetzungsspektrum um reine (Collective-) Defined-Contribution-Modelle(CDC-) erweitert und folgen damit einem Trend vor allem im angelsächsischen Raum. (C-)DC-Modelle zeichnen sich dadurch aus, dass sie auf jedwede Garantien verzichten. Die Basis des Modells bilden lediglich die festgelegten und eingezahlten Beiträge, die dann von einem Asset-Manager bestmöglich verwaltet und angelegt werden. Erst zum Beginn der Rentenphase des bAV-Mitglieds wird das bis dahin angesammelte Kapital unter Einbeziehung eines Versicherers in eine regelmäßige Rentenzahlung überführt. Der stürmische Zulauf, den (C-)DC-basierte bAV-Lösungen in den Niederlanden finden, zeigt, dass sie den Nerv der Unternehmen treffen und Lösungen bezüglich der demographischen Entwicklung und des Zins- und Renditeumfelds vorhalten.

Fazit

Die Unterschiede zwischen Deutschland und den Niederlanden bezüglich bAV sind groß, ich könnte noch weitere Beispiele anfügen. Zusammenfassend lässt sich aber sagen, dass die unterschiedliche Verbreitung der bAV vor allem in den systemisch-strukturellen und auch mentalitätsmäßigen Unterschieden zwischen beiden Staaten zu suchen ist. Die bezieht sich vor allem auf die tendenziell höhere Risikotoleranz, verbunden mit einem geringeren Sicherheits- bzw. Garantiebedürfnis der niederländischen Versorgungsberechtigten bei Kapitalanlagen.

 

VdW Info-Tag

Sie wollen mehr hören? Bauder referiert beim VdW Info-Tag am 7.September in Köln über das Zielrentensystem, wie es bereits in den Niederlanden praktiziert wird. Wer sich mit Hans-Peter Bauder beim VdW Info-Tag austauschen möchte, hat die Möglichkeit sich für die Veranstaltung anzumelden. Der Info-Tag richtet sich an Personalverantwortliche und Geschäftsführer von Unternehmen, IHKs, HWKs und Verbänden sowie Selbstständige. Das Anmeldeverfahren hat gerade begonnen, die Teilnahme an der Veranstaltung ist kostenfrei.

 

Bild: Hans-Peter Bauder

 

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