Basiswissen

bAV verstehen – wichtige Fragen rund um die Betriebsrente

Eingestellt: 14. Juni 2017 um 09:12   /   durch   /   Kommentare (0)

Für viele Menschen ist die Betriebsrente immer noch ein Buch mit sieben Siegeln. Auch Experten geben zu, dass das Thema betriebliche Altersversorgung (bAV) komplex ist und leicht verständliche Erklärungen schwer zu finden sind. Die Redaktion des dbr-Webmagazins hat die Antworten auf die wichtigsten Fragen zusammengestellt.

Was ist eine Betriebsrente?

Die Betriebsrente oder auch betriebliche Altersversorgung, kurz bAV, ist eine Altersvorsorge, die Arbeitnehmer mit ihrem Arbeitgeber vereinbaren. Man spricht auch von der zweiten Säule der Altersvorsorge (erste Säule: gesetzliche Rente, dritte Säule: private Altersvorsorge). Dabei gibt es verschiedene Arten der Betriebsrente: arbeitgeberfinanzierte und arbeitnehmerfinanzierte Modelle. Bei Letzterem wird vom Brutto-Gehalt des Arbeitnehmers ein Teil durch Entgeltumwandlung als Beitrag für die spätere Rente gezahlt. Das hat, neben der späteren Absicherung, noch Vorteile bei der Steuer und den Sozialabgaben. Oft beteiligen sich beide Seiten an den Beträgen, das heißt, dass der Arbeitgeber auch monatlich für die spätere finanzielle Absicherung seiner Mitarbeiter zahlt.

Was soll durch das Betriebsrentenstärkungsgesetz (BRSG) geändert werden?

Durch das Betriebsrentenstärkungsgesetz soll die bAV in Deutschland gestärkt und weiter ausgebaut werden. Die Politiker möchten damit die Lücken der gesetzlichen Rente schließen. Um dieses Ziel zu erreichen, gibt es zum einen mehr Förderzuschüsse für Geringverdiener, für die sich die bAV bisher nicht gelohnt hat. Darunter fällt zum Beispiel auch eine höhere Förderung der Riester-Rente. Zum anderen hat sich der Ansatz durch die im neuen Sozialpartnermodell möglichen Zielrenten-Lösungen geändert: Der Arbeitgeber garantiert nun nicht mehr eine bestimmte Rentenhöhe, sondern ist dafür verantwortlich, dass die Sparbeiträge ordnungsmäßig zurückgelegt werden. Durch den Wegfall der Garantien und die damit einhergehende Enthaftung der Arbeitgeber sollen mehr Betriebe motiviert werden, ganz speziell die kleinen und mittleren Unternehmen, eine bAV überhaupt anzubieten. Außerdem entfällt die Anrechnung betrieblicher Versorgungsleistungen auf die Grundsicherung.

Werden nun alle bestehenden Betriebsrenten dem neuen Gesetz angepasst?

Nein, bestehende Betriebsrenten bleiben in ihrer derzeitigen Form bestehen, auch wenn sie Garantien für die Leistungshöhe beinhalten. Durch das Betriebsrentenstärkungsgesetz kommt das Sozialpartnermodell ohne Garantien als neue, tarifgebundene Möglichkeit für eine bAV ab 2018 hinzu.

Welchen Vorteil hat der Arbeitnehmer von der Zielrente?

Durch den Wegfall der Garantien kann das Vorsorgekapital durch den Arbeitgeber viel flexibler angelegt werden. Der Arbeitnehmer trägt dabei zwar das Kapitalanlagerisiko, hat aber auch die Chance auf eine höhere Rendite.

Ist das Betriebsrentenstärkungsgesetz (BRSG) bereits beschlossen und in Kraft?

Nein, das Betriebsrentenstärkungsgesetz wurde am 1. Juni vom Bundestag verabschiedet, jetzt fehlt noch die Zustimmung des Bundesrates. Experten gehen davon aus, dass es sich dabei um eine reine Formsache handelt und das Gesetz – voraussichtlich am 7. Juli – vom Bundesrat ebenfalls verabschiedet wird. In Kraft tritt das Gesetz danach am 1. Januar 2018.

Welche Folgen hat die Opt-Out-Lösung für mich?

Im Betriebsrentenstärkungsgesetz ist auch verankert, dass bei tarifvertraglich geregelten Betriebsrenten sogenannte Opt-Out-Lösungen vereinbart werden können. Hier muss der Arbeitnehmer widersprechen, wenn er keine Betriebsrente wünscht. Kommt er dem nicht innerhalb eines Monats, nachdem der Arbeitgeber ihn über die neue Regelung informiert hat, nach, zahlt der Arbeitgeber für ihn monatlich Beiträge (Entgeltumwandlung aus dem Bruttolohn) in eine bAV ein.

Erhält jetzt jeder Arbeitnehmer einen Zuschuss vom Arbeitgeber bei der Entgeltumwandlung?

Nein, nicht alle Arbeitnehmer. Zwar sieht das Betriebsrentenstärkungsgesetz einen Zuschuss seitens des Arbeitgebers vor, der bei 15 Prozent des Sparbeitrags des Arbeitnehmers zur Betriebsrente liegt, dies greift jedoch erst ab 2019 für neue und ab 2022 für bestehende Verträge. Voraussetzung ist, dass der Arbeitgeber durch die Umwandlung Sozialleistungsbeiträge einspart. Ganz ausgenommen vom Arbeitgeberzuschuss sind Arbeitnehmer, die eine bAV über Direkt- und Unterstützungskassenzusagen haben.

Ein bisschen Spaß…

Wer lieber einen humoristischen Zugang zur Altersvorsorge sucht, der findet auch in folgenden Videos auf YouTube entsprechende Antworten auf Fragen zur Betriebsrente, Rente und Altersvorsorge:

 

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Bild: pixabay.de

 

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