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Selbstständige vernachlässigen Altersvorsorge

Eingestellt: 22. Februar 2017 um 10:31   /   durch   /   Kommentare (0)

Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen. Diesen Leitsatz haben sich viele Selbstständige bei ihrer täglichen Arbeit auf die Fahnen geschrieben. Dies gilt jedoch nicht uneingeschränkt für die Altersvorsorge einer speziellen Gruppe der Selbstständigen: Solo-Selbstständige hinken bei der Altersvorsorge stark hinterher. Im Alter kann dann Altersarmut drohen.

Eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaft (DIW) Berlin untersucht das Vorsorge-Verhalten der Selbstständigen. Insgesamt schließt die Studie mit einem positiven Fazit. Der überwiegende Teil der Selbstständigen sorgt gesetzlich oder privat sowie über Vermögen für das Alter vor. Die Berufsgruppe der Selbstständigen muss aber sehr heterogen betrachtet werden. Die Problemkinder dieser Berufsgruppe mit Hinblick auf Altersvorsorge heißen Solo-Selbstständige, also Personen, die eine selbstständige Tätigkeit ausüben und keine Mitarbeiter haben. Unter ihnen gibt es viele, bei denen am Monatsende nicht ausreichend Geld übrig bleibt, um es in die Altersvorsorge zu investieren. Solo-Selbstständige haben tatsächlich Grund zur Sorge, denn ihre Altersvorsorge weist Lücken auf.

Knapp 700.000 Selbstständige sorgen nicht ausreichend fürs Alter vor

Im Jahr 2013 waren unter den Selbstständigen 57 Prozent nicht obligatorisch rentenversichert. 12 Prozent haben nach den Daten der amtlichen Einkommens-und Verbrauchsstichprobe weder in die gesetzliche Rentenkasse noch in eine private Altersvorsorge eingezahlt. 21 Prozent der Selbständigen ohne gesetzliche Rente kann auch kein Vermögen in Höhe von mindestens 100.000 Euro vorweisen. Für insgesamt eine halbe Million der Selbstständigen wird daher eine Lücke in der Altersvorsorge angenommen. Setzt man die Grenze bei 250.000 Euro Vermögen fest, sind sogar 16 Prozent der Selbstständigen (670.000) und 19 Prozent aller Solo-Selbstständigen (450.000) betroffen.

Diskussion um verpflichtende Rentenversicherung für Selbstständige

Die schlechte Vorsorgesituation vieler Selbstständiger zeigt sich auch an anderer Stelle. Bei den Personen, die im Alter auf eine Grundsicherung zurückgreifen, sind gerade Selbstständige überproportional häufig vertreten. Immer wieder werden daher Forderungen laut, dass sich alle Selbstständigen an der Finanzierung der gesetzlichen Rentenversicherung beteiligen sollen. Nur dann – so die Kritiker – sei es für Selbstständige legitim, auf die steuerfinanzierte Grundsicherung zuzugreifen.

 

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Bild: Kreuznacher Zeitung/pixelio.de

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