Altersarmut, Expertentalk

Regionale Verteilung der Altersarmut in Deutschland

Eingestellt: 10. Februar 2017 um 09:41   /   durch   /   Kommentare (0)

In den Medien stehen immer wieder neue, erschreckende Zahlen über die drohende Altersarmut in Deutschland. Aber diese Zahlen sind nicht ganz korrekt, denn von Altersarmut sind einige Regionen in Deutschland stärker betroffen als andere. Bei der Prognose für Altersarmut kommt es daher auf den Wohnsitz an. Und zunächst muss auf die Einkommensverteilung und die regionalen Preise geschaut werden.

Es lässt sich nicht pauschal sagen, dass der Osten arm und der Westen Deutschlands reich ist. Die Einkommensarmut ist in Deutschland sehr unterschiedlich verteilt, hinzu kommt die Bedeutung der regionalen Preise. In der Stadt ist das Leben teurer als auf dem Land – und das gilt gleichermaßen für Ost- und Westdeutschland. In Großstädten ist das Leben für immer mehr Menschen mittlerweile kaum noch zu finanzieren.

Lebenshaltungskosten müssen berücksichtigt werden

Die Definition von Altersarmut lautet bisher: Wer weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens der Gesamtbevölkerung zur Verfügung hat, gilt als von Armut und sozialer Ausgrenzung bedroht. Das Institut der deutschen Wirtschaft Köln belegt aber, dass die Definition neu gedacht werden muss. Denn was bei der bisherigen Armuts-Definition nicht berücksichtigt wird, ist das Preisniveau der jeweiligen Region – und zwar Ost- oder Westdeutschland und Stadt oder Land. Die Lebenshaltungskosten sind nach einer Untersuchung des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) in München nämlich um 37 Prozent höher als in Tirschenreuth. Insgesamt betrachtet liegt in rein städtischen Gebieten die Einkommensarmut um 4,7 Prozentpunkte höher als in ländlichen Regionen.

Kaufkraftarmut zeichnet realistisches Bild

Werden die Lebenshaltungskosten in die Definition von Altersarmut integriert, ergibt sich ein anders Bild: Die Kaufkraftarmut stellt die Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland und zwischen Land- und Stadtleben realistischer da, weil hier die regionalen Preise berücksichtigt werden. Betrachtet man die Kaufkraftarmut, liegt sie in rein städtischen Gebieten um 7,9 Prozentpunkte höher als in ländlichen Regionen. Damit stellt dieser Unterschied sogar den Ost-/West-Unterschied in den Schatten, denn die Preise liegen im Westen im Schnitt um nur 5 Prozent höher als im Osten Deutschlands. Durch diese Preisbereinigung ergeben sich auch für wohlhabende Städte, die aber teuer in der Lebenserhaltung sind, ganz neue Prognosen. So ist das Risiko der Altersarmut in Frankfurt am Main genauso hoch wie im Ruhrgebiet.

Interaktive Grafik zeigt die Unterschiede

Auf der interaktiven Deutschlandkarte können Sie die Kaufkraftarmut und Einkommensarmut der einzelnen Regionen selbst vergleichen. Klicken Sie entweder Kaufkraftarmut oder Einkommensarmut an und fahren dann mit dem Cursor der Maus über die einzelnen Regionen, um konkrete Werte angezeigt zu bekommen. Viel Spaß beim Vergleichen!

Bild: Institut der deutschen Wirtschaft Köln (Quellen: FDZ der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder, Mikrozensus 2014; BBSR; Statistisches Bundesamt; Institut der deutschen Wirtschaft Köln) 

 

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„Altersarmut“ ist nach Januar auch im Februar das TOP-Thema im dbr-Webmagazin. Wir werden Sie hier in verschiedenen Berichten zu diesem Thema umfänglich informieren.

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Bild:  Alexander Raths – Fotolia.com

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