bAV-Branche

Erste Versicherungen senken Rentenfaktor

Eingestellt: 10. Januar 2017 um 13:06   /   durch   /   Kommentare (0)

Allianz und Zurich reagieren auf die anhaltende Niedrigzinsphase und senken ihren Rentenfaktor. Für die Versicherungsnehmer bedeutet das eine niedrigere monatliche Rente.

Der Rentenfaktor bestimmt wie das angesammelte Kapital für die Altersvorsorge in eine monatliche Rente umgerechnet wird. Die Änderung des Rentenfaktors hat also keinen Einfluss auf die Ersparnisse, wohl aber auf den Rentenbetrag. Der bisher zugrunde gelegte Rechnungszins lag bei 2,75 Prozent oder 2,25 Prozent – künftig wird er nur noch bei 1,75 Prozent liegen. Bedingt durch den Niedrigzins senken die Versicherer Allianz und Zurich den Rentenfaktor für ihre fondsgebundenen Lebensversicherungen sowie andere kapitalmarktnahe Policen einer bestimmten Vertragsgeneration. Betroffen sind Hunderttausende Lebensversicherte, die nun informiert werden. Allein bei der Allianz sind 700.000 Kunden betroffen, die in den Jahren 2001 bis 2011 eine fondsgebundene Rentenversicherung oder eine Police mit höherem Aktienanteil abgeschlossen haben.

Fondsgebundene Rentenversicherung birgt Risiken

Die Finanzierung der Rente durch eine fondsgebundene Rentenversicherung ist mit mehr Risiken verbunden als zum Beispiel eine klassische Lebensversicherung – darauf werden die Versicherungsnehmer beim Abschluss hingewiesen. Gleichzeitig bieten sich höhere Renditechancen, denn bei der Kombination aus fondsgebundener Kapitalanlage und Rentenversicherung werden die Beiträge in Investmentfonds angelegt. Die Wertentwicklung und somit die spätere Rente hängen von der Entwicklung der Investmentfonds ab. Da es keine Rentengarantie gibt, sind auch Verluste möglich. Die Allianz sieht die Situation entspannt und verweist darauf, dass die Versicherungsnehmer nach Ablauf der Ansparphase die Möglichkeit haben, sich das angesparte Kapital auszahlen und nicht verrenten zu lassen. Auch sei die weitere Entwicklung des Rentenfaktors aktuell nicht vorauszusagen.

Prüfung durch Treuhänder und BaFIN

Um den Rentenfaktor überhaupt senken zu können, mussten die Versicherungen das Vorhaben von einem unabhängigen Treuhänder prüfen lassen. Dieser hat untersucht, ob die im Vertrag festgehaltenen Voraussetzungen für das Senken des Rentenfaktors gegeben sind und ob der Umfang der Anpassungen gerechtfertigt ist. Die Voraussetzung ist gegeben, denn laut Allianz steht im Vertrag, dass der Rentenfaktor angepasst werden kann, wenn sich die Lebenserwartung des Versicherungsnehmers stark ändert oder eben, wenn der Kapitalmarktzins dauerhaft niedrig sei. Auch der Umfang der Anpassung wird als gerechtfertigt angesehen. Es ist nämlich davon auszugehen, dass der Referenzzinssatz in diesem Jahr von 2,54 auf unter 2,25 Prozent fallen wird. Aus dem Referenzzinssatz leitet sich der Level der Nachreservierung für höherverzinste Policen ab. Auf dieser Grundlage hat der bestellte Treuhändler in beiden Fällen seine Zustimmung geben und wurde dann von der Finanzaufsicht BaFIN auch jeweils bestätigt.

Werden andere Versicherer nachziehen?

Experten befürchten, dass weitere Versicherungen nachziehen werden. Ganz besonders, weil die Allianz als Branchenprimus mit ihrem Vorgehen ein Zeichen gesetzt hat, so dass speziell kleinere Versicherungen folgen werden. Der Bund der Versicherten (BdV) befürchtet, dass dadurch Lücken in der betrieblichen Altersversorgung (bAV) entstehen. Die nächsten Wochen werden zeigen, ob es sich um ein Lauffeuer oder vereinzelte Aktionen handelt.

 

Bild: Rainer Sturm/pixelio.de

Kommentare (0)

Schreiben Sie einen Kommentar

Kommentar
Name E-mail Website