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Altersarmut – Gerücht oder Wirklichkeit?

Eingestellt: 3. Januar 2017 um 09:54   /   durch   /   Kommentare (0)

Altersarmut ist ein Schreckgespenst, das durch viele Köpfe geistert und von Politikern bei passendem Anlass gerne beschworen wird. Aber ist die Angst davor tatsächlich begründet? Oder handelt es sich um eine mediengemachte Verunsicherung?

Da gibt es auf der einen Seite die Fakten: Das Rentenniveau sinkt. 1990 bekam der durchschnittliche Rentner 55 Prozent des aktuellen Durchschnitteinkommens, aktuell sind es 47,8 Prozent, für 2030 sind 43 Prozent prognostiziert. Auf der anderen Seite gibt es die aktuellen politischen Bemühungen von Andrea Nahles: die Rentenreform, das Betriebsrentenstärkungsgesetz. Dazwischen gibt es die Bürger, die nicht immer alles verstehen und überwiegend verunsichert sind.

Trau keiner Statistik…

Auch falsche Berechnungen sind in der öffentlichen Wahrnehmung nicht hilfreich. Selbst nach Richtigstellung bleiben die falschen Zahlen in vielen Köpfen trotzdem haften. Im letzten Sommer hat sich der Westdeutsche Rundfunk (WDR) schlicht verrechnet, als er bekannt gab, dass fast jeder zweite Deutsche, der 2030 in Rente geht, von Altersarmut bedroht und auf eine zusätzliche Grundsicherung angewiesen sein wird. Der Fehler war: eine Null zu viel. Nicht 50 Prozent, sondern lediglich 5 Prozent der Bevölkerung haben nach aktuellen Berechnungen diese Prognose.

Grundsicherung ist auch keine Lösung

Wer weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens der Gesamtbevölkerung zur Verfügung hat, gilt als von Armut und sozialer Ausgrenzung bedroht. In diesem Fall ist man berechtigt, vom Staat einen Zuschuss in Form einer Grundsicherung zu erhalten. Anspruch auf eine Grundsicherung haben aktuell Personen, deren durchschnittliches Einkommen unter 773 Euro im Monat liegt. Laut Statistischem Bundesamt bezogen im Juni 2016 532.000 Menschen, die die Grenze zum Rentenalter erreicht oder überschritten hatten, eine sogenannte Grundsicherung im Alter. In den letzten Jahren hat die Zahl derer, die diese Leistung bezogen haben, deutlich zugenommen. 2003 waren es zum Beispiel lediglich 258.000 Menschen.

Bereits 2015 hat die Bertelsmann-Stiftung in einer Studie darauf hingewiesen, dass es außerdem eine hohe Dunkelziffer an Rentnern gibt, die zwar berechtigt wären, Grundsicherung zu beziehen, sich aber nicht melden, weil sie sich schämen oder befürchten, dass ihre Angehörigen zuerst zur Kasse gebeten werden. Die Idee der Grundsicherung ist eigentlich, zeitlich begrenzt Engpässe auszugleichen. Mittlerweile nutzen aber immer mehr Menschen die staatliche Förderung dauerhaft.

Eigeninitiative ist gefragt

Die Fachleute sind sich durchweg einig: arm ist, wer nicht zusätzlich fürs Alter vorsorgt oder vorsorgen kann. Für viele ist es besonders bitter, sie würden gerne neben der gesetzlichen Rente etwas ansparen, aber am Monatsende bleibt dafür einfach nichts mehr übrig. Geringverdiener, Alleinerziehende oder Soloselbstständige zum Beispiel sind dabei besonders betroffen. Andrea Nahles hat mit ihren Reformbemühungen verschiedene Maßnahmen auf den Weg gebracht. So sollen durch die Stärkung und Verbreitung der betrieblichen Altersvorsorge mehr Menschen die Möglichkeit bekommen, durch eine betriebliche Altersvorsorge zusätzlich für ihre Rente zu sorgen.

Der Blick in die Kristallkugel

Zusammenfassend lässt sich also sagen: Ja, es gibt bereits heute Altersarmut und es wird sie weiter geben, sie wird auch zunehmen. Es sind noch viele Fragen offen und auch die demografische Entwicklung ist alles andere als beruhigend. Die tatsächlichen Zahlen sind aber nicht so alarmierend, wie oft behauptet wird. Um die Situation in 2030 oder später tatsächlich zu benennen, fehlen zu viele Informationen. Das Entstehen von Altersarmut ist von sehr vielen unterschiedlichen Faktoren abhängig – Höhe der Löhne, mögliche Erwerbsunfähigkeit, persönliche Erwerbsbiografie, sinkendes Rentenniveau, private und/oder betriebliche Altersvorsorge, das Niedrigzinsniveau und so weiter. Verlässliche Aussagen kann aktuell niemand machen. Gesellschaft und Politik haben erkannt, dass Handlungsbedarf besteht. Nun muss geprüft werden, ob die geplanten Maßnahmen halten, was von ihnen versprochen wurde.

Unser TOP-Thema für Sie!

„Altersarmut“ ist in den Monaten Januar und Februar das TOP-Thema im dbr-Webmagazin. Wir werden Sie hier in verschiedenen Berichten zu diesem Thema umfänglich informieren. Diskutieren Sie mit und nutzen die Kommentarmöglichkeit bei den Beiträgen. Wie beurteilen Sie die prognostizierte Altersarmut? Fühlen Sie sich davon betroffen? Wir freuen uns auf Ihre Meinung und einen regen Austausch!

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 Bild: by-studio – Fotolia.com

 

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