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Was passiert mit meiner Betriebsrente bei Arbeitslosigkeit?

Eingestellt: 26. Januar 2017 um 08:17   /   durch   /   Kommentare (0)

Menschen, die länger arbeitslos sind, müssen genau rechnen. Da ist es wichtig zu wissen, welches Vermögen vor dem Arbeitsamt geschützt ist oder in welcher Form es angerechnet wird. Allgemein gilt, dass zunächst die eigenen Ersparnisse herangezogen werden, bevor zum Beispiel das Arbeitslosengeld II ausbezahlt wird.

Die betriebliche Altersvorsorge (bAV) soll den Lebensstandard im Alter sichern. Doch was passiert damit bei Arbeitslosigkeit? Verliert mein seine Arbeit, bleiben die Versorgungszusagen des bisherigen Arbeitgebers erhalten – vorausgesetzt der Anspruch ist unverfallbar. Unverfallbar sind Betriebsrentenansprüche, wenn man mindestens 30 Jahre alt ist und seit wenigstens fünf Jahren vom Arbeitgeber eine Zusage für eine Betriebsrente erhalten hat. Für Verträge, die ab 2009 neu abgeschlossen wurden, gilt eine Alters-Grenze von 25 Jahren. BAV-Ansprüche, die auf einer Entgeltumwandlung beruhen, sind sofort unverfallbar.

Wenn man arbeitssuchend ist, hat man die Möglichkeit, Arbeitslosengeld zu beantragen. Bei der Entscheidung für das sogenannte Arbeitslosengeld I (ALG I) wird das Einkommen angerechnet. Der Bezug einer Betriebsrente ist kein Einkommen und wird beim ALG I daher nicht berücksichtigt. Die Dauer, des ALG I, hängt vom eigenen Alter und der Dauer der vorausgegangenen Beschäftigung ab.

Ist man nach dem Zeitraum, in dem ALG I gewährt wird, immer noch arbeitssuchend, besteht die Möglichkeit, das sogenannte Arbeitslosengeld II (ALG II), das auch als Hartz IV bezeichnet wird, zu beantragen. Hierbei ist es aber wichtig zu wissen, dass Ersparnisse angerechnet und zunächst herangezogen werden. Auch bei der Betriebsrente muss genau geschaut werden. Beim Bezug von ALG II kann das Arbeitsamt keine Verwertung betrieblicher Altersvorsorge verlangen – vorausgesetzt die Betriebsrente wird erst im Ruhestand gezahlt. Anders verhält es sich, wenn der Arbeitnehmer beim Ausscheiden vom Arbeitgeber vorzeitig Geld aus der betrieblichen Altersvorsorge erhält. Dieses Geld wird auf den Grundfreibetrag angerechnet.

Auch bei der privaten Altersvorsorge kommt es aufs „Kleingedruckte“ an. Entscheidend ist die Formulierung im Vertrag. Arbeitsuchenden, die Arbeitslosengeld II beziehen, steht für ihre private Altersvorsorge ein Grundfreibetrag in Höhe von 200 Euro pro Lebensjahr für Vermögenswerte aus Bargeld, Sparguthaben, Girokonto, Tagesgeldkonto, Aktien, Fondsvermögen und Kapitallebensversicherung zur Verfügung. Beinhaltet der Vertrag zusätzlich Paragraph 165 des Versicherungsvertragsgesetzes, stehen noch einmal 200 Euro als Altersvorsorgefreibetrag zur Verfügung. Der Paragraph wird gerne auch als „Hartz-Klausel“ betitelt und legt fest, dass Versicherungsnehmer vor dem Ruhestand nicht an ihr Erspartes kommen. Betroffen sind Kapitallebensversicherung oder private Rentenversicherung mit entsprechender Klausel im Vertrag. Die Riester-Rente bleibt komplett anrechnungsfrei, es sei denn, der Arbeitnehmer hat mehr als die Höchstförderbeträge eingezahlt.

Während der Arbeitslosigkeit kann man den Vertrag zur betrieblichen Altersvorsorge beitragsfrei stellen. Das ist bei den meisten Anbietern einfach und ohne Aufwand möglich. Findet man eine neue Anstellung, kann in vielen Fällen der bisherige Vertrag zur betrieblichen Altersvorsorge zum neuen Arbeitgeber mitgenommen werden. Ist dies nicht möglich, wird das unverfallbare Guthaben beim ehemaligen Arbeitgeber eingefroren oder weiter verzinst – je nach Vertrag. Ausgezahlt wird das Guthaben zu Beginn des Ruhestandes entweder als Rente oder Einmalzahlung, je nach dem wie es vertraglich festgehalten wurde.

Weiterführende Informationen finden Sie auch im kostenfreien Ratgeber „Rente und Hartz-4-Bezug: Leistungen im Alter“ von der Interessensgemeinschaft Sozialrecht e. V.

Bild: Dr. Klaus-Uwe Gerhardt/pixelio.de

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