bAV in Unternehmen

Wie organisiert man eine bAV? Vorstellung der fünf Durchführungswege

Eingestellt: 2. Dezember 2016 um 09:17   /   durch   /   Kommentare (0)

Teil 3 der 3-teiligen Serie: Pensionskasse, Pensionsfonds, Direktversicherung

Angesichts der Entwicklung der gesetzlichen Rente ist auf Seiten der Arbeitnehmer dringend Eigeninitiative gefragt. Um auch im Alter eine auskömmliche Rente zu erhalten, muss rechtzeitig vorgesorgt werden. Die betriebliche Altersvorsorge ist dafür ein idealer Weg. Bei der Auswahl sollten die Vor- und Nachteile jedes Durchführungsweges beachtet werden, um sich für die am besten passende Möglichkeit zu entscheiden. Idealerweise holt man sich für die Auswahl einen unabhängigen Berater an seine Seite, denn das Thema bAV ist komplex. Im Rahmen unserer dreiteiligen Serie stellen wir Ihnen nun die letzten drei Durchführungswege vor.

Pensionskasse, Pensionsfonds, Direktversicherung als Durchführungswege für die bAV

Die Durchführungswege Pensionskasse, Pensionsfonds und Direktversicherung sind alle versicherungsförmige Durchführungswege. Hierbei übernehmen externe Dienstleister die gesamte Durchführung. Die drei hier vorgestellten Durchführungswege ähneln sich in vielen Punkten, doch es gibt verschiedene Vor- und Nachteile, die es abzuwägen gilt.

Durchführungsweg Direktversicherung: Der Standard

Der Durchführungsweg Direktversicherung gilt unter der betrieblichen Altersvorsorge als Standard. Sie zeichnet sich durch einen geringen Verwaltungsaufwand auf Seiten des Arbeitgebers aus und durch ein hohes Maß an Sicherheit auf Seiten des Arbeitnehmers. Bei der Direktversicherung schließt der Arbeitgeber entweder als Einzel- oder Gruppenvertrag eine Lebensversicherung für den Versorgungsberechtigten ab. Damit ist der Arbeitgeber der Versicherungsnehmer und gleichzeitig Beitragsschuldner. Der Begünstigte der Lebensversicherung ist der Arbeitnehmer. Die Aufwendungen des Arbeitgebers sind, egal ob von ihm selbst oder vom Arbeitnehmer als Entgeltumwandlung finanziert, als Betriebsausgaben voll abzugsfähig. Bei der Direktversicherung steht die Sicherheit einer kontinuierlichen Rendite im Vordergrund: Sie unterliegt der Anlageregulierung nach dem Versicherungsaufsichtsgesetz. In der klassischen Direktversicherung dürfen daher Beiträge nur bis zu 35 Prozent der Anlagemittel in Aktien investiert werden. Bei der fondsgebundenen Direktversicherung werden höhere Aktienquoten erreicht. Der Kapitalerhalt ist aber auch hierbei gesichert. Die Leistungen setzen sich aus einem garantierten Teil, der unabhängig von der Kapitalmarktlage ist, und einem überschussabhängigen Teil, der so genannten Überschussbeteiligung, zusammen.

Durchführungsweg Pensionskassen: konservative Vermögensanlage und sichere Rendite

Pensionskassen sind von Arbeitgebern getragene, rechtlich gesehen selbstständige Unternehmen, aufsichtsrechtlich Versicherungen. Sie gewähren dem Versorgungsberechtigten oder auch seinen Hinterbliebenen einen Rechtsanspruch auf die zugesagten Leistungen und zeichnen sich durch eine eher konservative Vermögensanlage mit einer kontinuierlichen und sicheren Rendite aus. Sie finanzieren sich über Zuwendungen der Trägerunternehmen und aus Vermögenserträgen. Aus Sicht des Arbeitnehmers ist die Sicherheit der Kapitalanlage ein besonderes Plus.

Durchführungsweg Pensionsfonds: Der „Neue“ für mehr Flexibilität

Der Durchführungsweg Pensionsfonds wurde erst 2002 eingeführt. Er steht für ein höheres Maß an Flexibilität sowohl für Arbeitgeber als auch für Arbeitnehmer. Direktzusagen oder Unterstützungskassenzusagen können auf Wunsch steuerneutral in Pensionszusagen umgewandelt werden. Hauptmerkmal ist, dass der Pensionsfonds gute Renditechancen bietet, da er keinen Anlagebeschränkungen unterliegt. Gleichzeitig ist das dadurch bedingte Ertragsrisiko ein Nachteil für Arbeitnehmer und durch die Nachschusspflicht auch Arbeitgeber.

Sicherheit durch BaFin-Aufsicht

Die Versorgungsberechtigten haben einen Rechtsanspruch hinsichtlich der Versorgungsleistung. Pensionskasse, Pensionsfonds und Direktversicherung unterliegen der Versicherungsaufsicht durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin). Die BaFin überprüft die dauernde Erfüllbarkeit der zugesagten Versorgungsleistungen. Damit sind die Versorgungsrisiken fast vollständig ausgelagert. Der Arbeitgeber kommt nur in den seltenen Fällen, falls ein externer Versorgungsträger die Versorgungsleistung nicht übernehmen kann, in die Situation, dass er durch die Subsidiärhaftung für die bAV-Leistungen hinzugezogen wird.

Sonderauflagen für Direktversicherung und Pensionskasse

Bei der Kapitalanlage müssen sowohl Pensionskasse als auch Direktversicherung die strengen gesetzlichen Vorgaben für Lebensversicherungsunternehmen beachten. Ausgenommen davon ist der Pensionsfonds. Er unterliegt nicht diesen Beschränkungen und ist bei der Kapitalanlage freier, was zu höheren Renditechancen aber auch verstärkten Verlustrisiken führen kann. Mögliche Risiken werden von der Nachdotierungspflicht beziehungsweise durch die Subsidiärhaftung des Arbeitgebers aufgefangen. Sollte das Pensionsfondsvermögen die Erbringung der Versorgungsleistung nicht mehr gewährleisten, ist der Versorgungsberechtigte dennoch abgesichert und erhält die zugesagten Leistungen. Aufgrund der Dotierungsmöglichkeit kann auch nur ein beschränktes Versorgungsvermögen und ein entsprechendes Leistungsniveau dargestellt werden. Eine freie Gestaltung des Leistungsplanes ist nicht möglich, sondern hängt vom Angebot des externen Versorgungsträgers ab.

Gemeinsame Vorteile der versicherungsförmigen Durchführungswege

Bei allen versicherungsförmigen Durchführungswegen profitiert der Arbeitgeber davon, dass durch die Einsparung von Sozialversicherungsbeiträgen Lohnnebenkosten bei der Entgeltumwandlung gesenkt werden können und zwar bis vier Prozent der Beitragsbemessungsgrenze. Weitere Vorteile: Bilanzneutralität und die Möglichkeit einer Beitragszusage mit Mindestleistung. Und nicht zuletzt: Der Arbeitgeber kann dem Wunsch seiner Arbeitgeber nachkommen und Entgeltumwandlung sowie Riester-Förderung anbieten. Auch für die Arbeitnehmer gibt es Vorteile, die bei allen drei versicherungsförmigen Durchführungswegen gleich sind, zum Beispiel die lebenslange garantierte Rentenleistung. Er profitiert auch von der Steuerfreiheit der Beträge bis zu vier Prozent der Beitragsbemessungsgrenze zuzüglich 1.800 Euro und der Möglichkeit einer Riester-Förderung. Weitere Vorteile sind die Beitragsfreiheit in der Sozialversicherung bei einer Entgeltumwandlung bis zu vier Prozent der Beitragsbemessungsgrenze sowie die Absicherung der Hinterbliebenen. Letztlich ist die Übertragung auf einen neuen Arbeitgeber unkompliziert möglich. So kann die betriebliche Altersvorsorge auch beim Wechsel des Arbeitgebers lückenlos weitergeführt werden. Von den Arbeitnehmern wird diese Form der Freiheit sehr geschätzt.

Was passiert im Falle einer Insolvenz

Durch die BaFin-Aufsicht ist die Erfüllung der Versorgungsleistungen für Pensionskassen und Direktversicherung abgesichert. Bei diesen Durchführungswegen muss der Arbeitgeber nicht an den Pensions-Sicherungs-Verein Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit (PSVaG) zahlen. Wird der Durchführungsweg Pensionsfonds gewählt, sichert der Arbeitgeber die gewährten Zusagen beim PSVaG ab, denn die Risiken sind durch die größere Freiheit bei der Kapitalanlage insgesamt auch größer. Die hierfür zu zahlenden Beiträge sind jedoch vergleichsweise gering und betragen nur 20 Prozent von den Beiträgen, die bei einer Direktzusage zu leisten sind.

 

Haben Sie die ersten beiden Teile der Serie „Wie organisiert man eine bAV? Vorstellung der fünf Durchführungswege für eine bAV“ verpasst? Kein Problem, hier geht es zur Vorstellung der Durchführungswege Direktzusage und Unterstützungskasse.

 

Bild: Sergey Nivens – Fotolia.com

Kommentare (0)

Schreiben Sie einen Kommentar

Kommentar
Name E-mail Website