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Durch Aktien die Rente sichern

Eingestellt: 16. Dezember 2016 um 12:13   /   durch   /   Kommentare (0)

Arbeitnehmer sind verunsichert. Kaum einer geht heute davon aus, dass die gesetzliche Rente im Alter reichen wird, um den gewünschten Lebensstandard zu halten. Auf offene Ohren trifft daher das Konzept des Deutschen Aktieninstituts (DAI): Aktiensparen für die Rente. Das dbr-Webmagazin ließ sich die Idee von Dr. Christine Bortenlänger, Geschäftsführender Vorstand des Deutschen Aktieninstituts, näher erläutern.

 

Frage 1: Sie schlagen vor, mit Hilfe von Aktien für die Rente zu sparen. Warum glauben Sie, ist das notwendig?

Wir alle wissen, dass die demographische Kurve das gesetzliche Umlageverfahren in Deutschland an die Grenze seiner Leistungsfähigkeit bringen wird. Auf Dauer kann es nur durch höhere Beiträge der Versicherten und steigende Zuschüsse des Bundes finanziert werden. Trotz dieser Maßnahmen wird das Rentenniveau sinken, von aktuell fast 50 Prozent des letzten Einkommens auf gut 40 Prozent im Jahr 2060. Für den zukünftigen Rentner würde dies bedeuten, dass er – gemessen am letzten Einkommen – deutlich weniger Geld im Alter zur Verfügung haben wird. Diese Rentenlücke muss geschlossen werden.

Kostspielige Haltelinien im Umlageverfahren, die eine zusätzliche Belastung für die künftigen Beitrags- und Steuerzahler darstellen, werden das Rentenproblem nicht lösen. Stattdessen muss zumindest dieses Geld in den Aufbau einer kapitalgedeckten Altersvorsorge fließen und hier insbesondere viel stärker in die Aktienanlage investiert werden. Da Aktien bei langen Anlagezeiträumen, wie für die Altersvorsorge typisch, immer eine sehr gute Rendite erwirtschaften, gilt dies auch unabhängig von dem derzeitigen Niedrigzinsumfeld.

 

Frage 2: Warum eignen sich Ihrer Meinung nach Aktien für das Rentensparen besonders gut? Worin liegt der Vorteil – zum Beispiel gegenüber dem Eigenheim?

Bei Sparplänen mit monatlichen Raten auf den Deutschen Aktienindex (DAX) liegt bei einer Haltedauer von 30 Jahren die Rendite – nach unseren Berechnungen – bei durchschnittlich fast zehn Prozent. Dies können Sie mit festverzinslichen Wertpapieren wie Staatsanleihen nicht erreichen. Betrachtet haben wir den Zeitraum von 1967 bis 2015, in dem es durchaus auch einmal turbulent zugegangen ist. Beispiele sind die Russlandkrise von 1997, das Platzen der New-Economy-Blase um die Jahrtausendwende und die Finanzmarktkrise nach der Insolvenz von Lehman Brothers 2008. Trotzdem erreicht man selbst für den ungünstigsten Zeitraum immer noch rund sechs Prozent Rendite. Dabei brauchen sich die Deutschen auch nicht vor Verlusten bei der Aktienanlage zu fürchten. Nach rund 20 Jahren Haltedauer liegen alle DAX-Sparplanvarianten im Plus. Das alles spricht für die Aktie als einem idealen Instrument für das Altersvorsorgesparen.

Zum Eigenheim sind Aktien eine notwendige Ergänzung. Im Gegensatz zu diesem verursachen sie aber keine Instandhaltungskosten. Außerdem sollen und können sie bei der Aktienanlage die Risiken streuen, indem sie nicht nur eine Aktie, sondern Aktien von Unternehmen unterschiedlicher Branchen und Regionen kaufen. Risikodiversifizierung ist beim eigenen Haus nicht möglich. Die Wertentwicklung der Immobilie hängt weitgehend von der jeweiligen Lage ab. Hier kann man Glück, aber auch Pech haben.

 

Frage 3: Für viele Arbeitgeber ist der Umgang mit Aktien neu. Besteht nicht das Risiko, durch Unwissenheit eher Geld zu verlieren?

Diese Unwissenheit ist insbesondere in Deutschland ein wesentlicher Grund, warum viele die Aktienanlage scheuen. Dabei ist die Aktienanlage keinesfalls eine „Rocket Science“. Wichtig sind die zwei Grundprinzipien, die ich schon genannt habe: langfristig anlegen und die Risiken durch eine diversifizierte Aktienanlage – also „Nicht alle Eier in einen Korb legen“ – streuen. Am einfachsten lassen sich diese beiden Grundprinzipien mit einem Sparplan auf einen breit anlegenden Aktienfonds umsetzen, der beispielsweise in Standardwerte investiert. Wer seine Renditechancen erhöhen möchte, kann Aktien von Unternehmen aus den Schwellenländern oder aus Wachstumsbranchen wie den Informationstechnologien beimischen. Die Fondsanlage ist alles andere als schwierig. Daher schlagen wir auch vor, dieses Aktiensparen explizit als Ergänzung der bisherigen Förderwege in der betrieblichen und privaten Altersvorsorge staatlich zu fördern.

 

Frage 4: Sparen ist nicht gerade in Mode. Was kann Ihrer Meinung nach die Bundesregierung tun, um Arbeitnehmer zum Sparen, zum Beispiel auch mit Aktien, zu motivieren?

Mit einer Sparquote von fast zehn Prozent spart der „Durchschnittsdeutsche“ weiterhin fleißig. Das ist nicht das Problem. Allerdings spart er mit Blick auf die Rendite falsch, da er kaum in Aktien anlegt.

Was die Politik tun kann, haben wir in unserem Aktionsplan „Aktienorientierte Altersvorsorge“ beschrieben. Hindernisse in der staatlich geförderten Altersvorsorge, die das Aktiensparen erschweren, müssen abgebaut werden. Dazu gehören Beitragsgarantien und Mindestverzinsungen, wie sie derzeit sowohl in der betrieblichen Altersvorsorge als auch in der Riester-Rente vorgeschrieben sind. Diese Restriktionen führen dazu, dass die Anbieter von Altersvorsorgeprodukten  zur Einhaltung der Garantieversprechen einen sehr hohen Anteil der Ersparnisse in festverzinsliche Wertpapiere wie Staatsanleihen investieren müssen. Die Rendite der angelegten Beträge sinkt dadurch dramatisch. Dem Anleger entgeht so viel Geld, das ihm im Alter zur Sicherung des Lebensstandards fehlt. Er sollte deshalb die Möglichkeit haben, auf diese Garantien zu verzichten.

Mit Blick auf die betriebliche Altersvorsorge ist der Vorschlag der „reinen Beitragszusage“ im Entwurf des Betriebsrentenstärkungsgesetzes (also eine Form der betrieblichen Altersvorsorge ohne garantierte Versorgungsleistungen) bei verschiedenen Schwächen im Detail, ein erster Schritt in die richtige Richtung. Außerdem wollen wir die bereits bestehenden Förderwege wie beispielsweise Riester-Rente durch ein Förderkonzept Altersvorsorge ergänzen, das explizit den Fokus auf das Aktiensparen lenkt.

Schließlich sollte die Bundesregierung mehr dafür tun, den Deutschen die Vorteile des Aktiensparens für das Alter näherzubringen. Andere Länder wie die Niederlande, Großbritannien oder die USA haben hierfür explizit eine nationale Strategie zur finanziellen Bildung implementiert.

 

Frage 5: Welche anderen Maßnahmen sind sinnvoll, um die Sparquote der Deutschen zu erhöhen? Meinen Sie, dass zum Beispiel eine Renten-App, die eine übersichtliche Aufzählung aller Vorsorgeansprüche ermöglicht, dabei helfen kann, dass Sparen wieder Spaß macht?

Information ist wichtig. Eine solche App kann dazu beitragen, die Menschen über ihre bestehenden Ansprüche zu informieren und dahingehend Hilfestellung leisten, sich bewusst zu machen, was sie noch tun müssen. Aber das ist nicht genug. Notwendig ist es vor allem, die Deutschen darüber aufzuklären, wie sie richtig, nämlich renditeträchtig, für das Alter sparen, damit sie die drohende eigene Rentenlücke abwenden können. Mit Blick auf die Garantien ist es wesentlich, ein Problembewusstsein zu schaffen, dass diese zwar Sicherheit bringen, jedoch aber vor allem viel Rendite kosten. Den Bürgern die Scheu vor der Aktie zu nehmen, indem man sie mit den grundlegenden Anlageprinzipien, langfristig anlegen und Risiken streuen, vertraut macht, wäre ein weiterer wichtiger Schritt, damit die Deutschen wieder Spaß mit Ihrer Geldanlage hätten.

 

Frage 6: Ist Ihr Konzept, das private Aktiensparen, ein Gegenentwurf zur betrieblichen Altersvorsorge?

Keinesfalls. Unser Aktionsplan „Aktienorientierte Altersvorsorge“ bezieht sich auf die betriebliche und private Altersvorsorge. Unsere Forderung nach einer Flexibilisierung der gesetzlichen Anforderungen, etwa in Bezug auf Garantien und Mindestleistungen, räumt wesentliche Hindernisse für die Aktienanlage in der betrieblichen und der privaten Altersvorsorge aus dem Weg. Ein wichtiges Signal für das Aktiensparen ist darüber hinaus unser Förderkonzept Altersvorsorge. Dieses sieht eine Mindestaktienquote, ein Verbot von Garantien, eine Förderung des Wertpapiersparens insbesondere in Form von Aktienfondssparplänen, eine Aktienzulage und eine Befreiung von der Abgeltungssteuer nach einer 20-jährigen Haltedauer vor. Das Konzept ist offen für den Privatanleger, der damit zusätzlich für das Alter vorsorgt. Dazu können auch Selbständige gehören, die ja oftmals zu wenig für das Alter zurücklegen. Aber auch Arbeitgeber können das Konzept nutzen. Wir möchten damit auch erreichen, dass die Grenzen zwischen betrieblicher und privater Altersvorsorge verschwimmen, wie dies in vielen anderen Ländern wie in Großbritannien oder den USA bereits jetzt schon geschieht. Dies hilft hoffentlich, das Denken in Durchführungswegen zu verlassen und die Komplexität in der staatlich geförderten Altersvorsorge zu reduzieren.

 Bild: Dr. Bortenlänger/DAI

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