bAV in Unternehmen

Wie organisiert man eine bAV? Vorstellung der fünf Durchführungswege

Eingestellt: 25. November 2016 um 11:32   /   durch   /   Kommentare (0)

Teil 2 der 3-teiligen Serie: Unterstützungskasse

Die verschiedenen Durchführungswege der betrieblichen Altersvorsorge (bAV) haben viele Gemeinsamkeiten. Doch Direktzusage, Pensionskasse, Pensionsfonds, Direktversicherung und Unterstützungskasse zeichnen sich auch durch wesentliche Unterschiede auf. Ein Unternehmen kann auswählen, welcher Weg geeignet ist – je nach dem, welche Zielsetzungen und Prioritäten bezüglich bilanzieller Auswirkung oder Versorgungsbedarf im Vordergrund stehen. Die Unterschiede der einzelnen Durchführungswege ergeben sich dabei in erster Linie aus den unterschiedlichen Anforderungen und Rahmenbedingungen, die sich wiederum aus Steuer-, Arbeits- und Aufsichtsrechts ergeben. So gibt es nicht den einen richtigen Weg, sondern eine Auswahl, bei der ein unabhängiger Berater sehr hilfreich ist.

Unterstützungskasse als Durchführungsweg für die bAV

Eine Unterstützungskasse ist eine rechtlich selbstständige Versorgungseinrichtung. Sie kann von einem oder mehreren Unternehmen gegründet werden. Die Rechtsform ist die eines eingetragenen Vereins. Bei den Unterstützungskassen handelt es sich um die älteste Form der betrieblichen Altersversorgung in Deutschland. Einige der ursprünglich aus Versorgungswerken einzelner Großunternehmen oder Konzernen hervorgegangenen heutigen Unterstützungskassen schauen auf eine 170-jährige Geschichte zurück. Bei den Unterstützungskassen ist die abgaberechtliche Situation für den Versorgungsberechtigten wie bei der Direktzusage. Die Zahlungen werden vom Arbeitgeber geleistet, die sie entweder direkt oder durch Entgeltumwandlung des Arbeitnehmers finanziert. Die Versorgungsleistung erfolgt über Beiträge, die mit steuerlicher Wirkung als Betriebsausgaben angesetzt werden können.

Subsidiärhaftung schützt den Versorgungsberechtigten

Beim Durchführungsweg Unterstützungskasse wird ein externer Versorgungsträger eingeschaltet, der die Durchführung der Versorgungszusage übernimmt. Man spricht daher auch von einem mittelbaren Durchführungsweg. Der Arbeitnehmer hat gegenüber der Unterstützungskasse, die nicht der Versicherungsaufsicht durch die BaFin unterliegt, keinen formalen Rechtsanspruch. Trotzdem ist der Mitarbeiter auf Grund der Subsidiärhaftung geschützt, denn für den Fall, dass die Unterstützungskasse die zugesagten Leistungen nicht erbringen kann, springt der Arbeitgeber ein.

Gruppenlösung hält Verwaltungsaufwand klein

Die Unterstützungskasse kann als firmeneigene Unterstützungskasse gegründet werden. Arbeitgeber können sich aber auch einer überbetrieblichen Einrichtung, einer Gruppenunterstützungskasse, anschließen. Für Unternehmen kann die letzte Form den Vorteil haben, dass der Verwaltungsaufwand nicht Überhand nimmt. Die Gruppenüberstützungskassen übernehmen gegen Gebühr einen Großteil dieses Aufwandes.

Zwei Arten von Unterstützungskassen stehen zur Verfügung

Es gibt zwei unterschiedliche Arten von Unterstützungskassen, die sich hinsichtlich der Kapitalanlagen unterscheiden. Es gibt die pauschaldotierte Unterstützungskasse und die rückgedeckte Unterstützungskasse. Die pauschaldotierte Unterstützungskasse kann ihr flexibel übertragenes Vermögen frei anlegen, zum Beispiel auch als Kredit an das Unternehmen. Bei dieser Form der Unterstützungskasse kann Vermögen in der Anwartschaftsphase nur in begrenztem Ausmaß steuerlich anerkannt zugewendet werden. Bei der zweiten Form werden durch die Unterstützungskasse Rückdeckungsversicherungen zur Refinanzierung abgeschlossen. Bei der rückgedeckten Unterstützungskasse sind Zuwendungen in Höhe der Rückdeckungsversicherungsprämien steuerlich anerkannt, vorausgesetzt sie werden in gleichbleibender oder – anders als bei der Direktzusage – steigender Höhe geleistet. Bei beiden Formen der Unterstützungskasse müssen keine Rückstellungen gebildet werden, gegebenenfalls kann der Ausweis einer möglichen Unterdeckung im Bilanzanhang erforderlich werden.

Vor- und Nachteile für Arbeitnehmer und Arbeitgeber

Jeder Durchführungsweg hat seine Vor- und Nachteile. Der Durchführungsweg Unterstützungskasse ist besonders für Arbeitnehmer mit höherem Einkommen geeignet. Der größte Vorteil ist die unbegrenzte Steuerfreiheit der Aufwendungen mangels Lohnzufluss. Die Leistungen unterliegen dann in der Auszahlungsphase der Lohnsteuerpflicht. Weitere Pluspunkte sind: Sozialversicherungsfreiheit der Entgeltumwandlungsbeträge bis vier Prozent der Beitragsbemessungsgrenze. Die Versorgungsleistungen unterliegen der Kranken- und Pflegeversicherungsbeitragspflicht. Der Versorgungsberechtigte muss dabei nicht nur den Arbeitsnehmer-, sondern auch den Arbeitgeberbeitrag aufbringen. Nachteile hat der Arbeitnehmer dadurch, dass er nach dem Ausscheiden aus dem Unternehmen die bAV nicht mit eigenen Beiträgen fortführen kann. Für den Arbeitgeber hingegen ist vorteilhaft, dass die Bilanzneutralität beim Trägerunternehmen liegt. Durch die Einsparung von Sozialversicherungsbeiträgen bei Entgeltumwandlung bis vier Prozent der Beitragsbemessungsgrenze können Lohnnebenkosten gesenkt werden. Der Nachteil für Arbeitgeber liegt in der eingeschränkten Flexibilität der Finanzierung und darin, dass der Entgeltumwandlungsanspruch des Arbeitnehmers nicht mit einer Riester-Förderung umsetzbar ist. Weitere Nachteile für Arbeitgeber sind der notwendige PSV-Beitrag und dass keine Beitragszusage mit Mindestleistung möglich ist. Eine Beitragszusage mit Mindestleistung kann nur für die Durchführungswege Direktversicherung, Pensionskasse und Pensionsfonds angewendet werden. Dem Arbeitnehmer wird dabei keine feststehende Leistung zugesagt, vielmehr erhält er eine Garantie auf eine Mindestleistung. Diese Mindestleistung ergibt sich aus den insgesamt gezahlten Beiträgen abzüglich der erwirtschafteten Erträge und der Beiträge zur Absicherung vorzeitiger Risiken. Die Höhe der späteren Versorgungsleistung ist also im Vorfeld nicht abzusehen.

Was passiert im Falle einer Insolvenz

Wie bei der Direktzusage zahlt auch beim Durchführungsweg Unterstützungskasse der Pensions-Sicherungs-Verein Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit (PSVaG) im Falle einer Insolvenz des Unternehmens die Leistungen weiter. Der PSVaG ist eine Selbsthilfeeinrichtung der deutschen Wirtschaft und besteht zum gesetzlichen Schutz der betrieblichen Altersversorgung bei der Insolvenz des Arbeitgebers.

 

Lesen Sie nächste Woche hier den dritten Teil der dreiteiligen Serie „Wie organisiert man eine bAV? Vorstellung der fünf Durchführungswege für eine bAV“ und informieren Sie sich über die Durchführungswege Direktversicherung, Pensionskasse und Pensionsfonds.

Haben Sie den ersten Teil der Serie verpasst? Kein Problem, hier geht es zur Vorstellung des Durchführungsweges Direktzusage.

 

Bild: Sergey Nivens – Fotolia.com

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