bAV in Unternehmen

Wie organisiert man eine bAV? Vorstellung der fünf Durchführungswege

Eingestellt: 18. November 2016 um 13:13   /   durch   /   Kommentare (0)

Teil 1 der 3-teiligen Serie: Direktzusage und ihre Vorteile

Der betrieblichen Altersvorsorge (bAV) kommt als eine der drei Säulen der Altersvorsorge eine bedeutende, eine im wörtlichen Sinn tragende Rolle zu. Ganz besonders vor dem Hintergrund der aktuellen politischen Diskussionen und der vorgezeichneten Prognosen für das Alter der heute Berufstätigen. Eine bAV kann individuell auf die Bedürfnisse der Arbeitnehmer zugeschnitten werden. Bei der Ausgestaltung der bAV gibt es viele Entscheidungen, die getroffen werden können. Bezüglich der Organisation der bAV stehen zum Beispiel fünf verschiedene Durchführungswege zur Verfügung. Diese werden in dieser Serie im Einzelnen vorgestellt.

Fünf Durchführungswege stehen zur Verfügung

Prinzipiell stehen folgende fünf Durchführungswege zur Verfügung: Direktzusage, Pensionskasse, Pensionsfonds, Direktversicherung, Unterstützungskasse. Die Durchführungswege können auch kombiniert werden. Es macht auf alle Fälle Sinn, sich bei der Auswahl eines Durchführungsweges fachlich von einem unabhängigen Berater Unterstützung zu holen. Bei der Einrichtung eines Versorgungswerks kann der Arbeitgeber aber auch auf standardisierte Out of the Box-Lösungen zurückgreifen. Welche Möglichkeiten es hier gibt, stellen wir Ihnen noch gesondert vor.

Direktzusage als Durchführungsweg für die bAV

Bei der Abwicklung der bAV über eine Direktzusage wird kein externer Versorgungsträger eingeschaltet, sondern die Abwicklung erfolgt direkt zwischen dem Arbeitgeber und dem Arbeitnehmer, also dem Versorgungsberechtigten. Dem Unternehmen ist hierbei aber freigestellt, sich Hilfe bei einem externen Dienstleistern für die Umsetzung, zum Beispiel für die Verwaltung der Versorgungsleistung, zu holen. Die Höhe der Rente richtet sich in der Regel nach der Dauer der Betriebszugehörigkeit und der Höhe des Einkommens. Es gibt zwei Möglichkeiten: Entweder kann eine Leistungszusage ausgesprochen werden, also eine an die Leistung des Arbeitnehmers gebundene Zahlung von Leistungen. Diese Festzusagen sind gehalts- und/oder dienstzeitabhängig. Oder die Direktzusage wird als beitragsorientierte Leistungszusage gestaltet. In diesem Fall wandelt der Arbeitgeber einen vorher definierten Beitrag in eine Anwartschaft um. Die Versorgungsbeiträge werden dann anhand von versicherungsmathematischen Faktoren in Rentenansprüche umgerechnet. Der Arbeitgeber steht dabei für die aus den Beiträgen resultierende Rente ein.

Finanzierung und Bilanzierung der Direktzusage

Der Arbeitgeber bildet handelsbilanziell und mit steuerlicher Wirkung für seine Verpflichtung aus den Direktzusagen gegenüber seinen Arbeitgebern Pensionsrückstellungen. In diesem Fall werden spätere Versorgungsleistungen durch das Unternehmen aus den laufenden Erträgen finanziert. Die Rentenzahlungen kann der Arbeitgeber wiederum steuerlich als Aufwendungen geltend machen. Bis zur Auszahlung der Leistungen verbleibt das Kapital für die Finanzierung der Versorgungsverpflichtungen im Unternehmen und der Arbeitgeber kann es für seinen Unternehmenserfolg einsetzen. Er hat aber auch die Möglichkeit, zur Finanzierung der bAV-Leistung ein zweckgebundenes Versorgungsvermögen, ein sogenanntes Planungsvermögen, zu bilden. Aus diesem Planungsvermögen kann dann ebenfalls später die Auszahlung erfolgen. Weit verbreitet für diese Finanzierungsart sind frei dotierbare Treuhandlösungen, die eine Rückdeckungsversicherung oder eine völlig flexible Kapitalanlage haben. Letzteres nennt man Contractual Trust Arrangements oder kurz CTA. Das Plus dabei: Die Rückstellungen in der Handelsbilanz können mit dem Planvermögen saldiert werden. Der Arbeitgeber profitiert von den Zinsen, die auf das Vermögen anfallen, wenn denn welche entstehen.

Vorteil Direktzusage: Lohnsteuer- und Sozialabgabenfreiheit

Die Gestaltung des Leistungsplanes beim Durchführungsweg Direktzusage kann frei nach den Vorstellungen des Unternehmens erfolgen. Daraus ergeben sich viele Freiräume. Ein weiterer Vorteil der Direktzusage ist, dass für die Finanzierungsbeiträge für das Unternehmen und den Arbeitnehmer keine Lohnsteuer oder Sozialabgaben anfallen und das in unbegrenzter Höhe. So können auch höhere Versorgungsleistungen, zum Beispiel für Führungskräfte, finanziert werden. Es besteht eine Obergrenze für die Entgeltumwandlung hinsichtlich der Sozialabgabenfreiheit. Später müssen jedoch die Versorgungsleistungen vom Versorgungsberechtigten versteuert und verbeitragt werden.

Was passiert im Falle einer Insolvenz

Die Direktzusage unterliegt keiner staatlichen Aufsicht oder Anlageregulierung. Trotzdem geht der Versorgungsberechtigte im Falle einer Insolvenz seines Arbeitgebers nicht leer aus. Für die Sicherung der Versorgungsleistung im Fall einer Insolvenz zahlt das Unternehmen einen jährlichen Beitrag an den Pensions-Sicherungs-Verein Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit (PSVaG). Diese Selbsthilfeeinrichtung der deutschen Wirtschaft besteht zum gesetzlichen Schutz der betrieblichen Altersversorgung bei der Insolvenz des Arbeitgebers. Der PSVaG zahlt dann in bestimmten Grenzen im Insolvenzfall die Versorgungsleistung weiter.

Lesen Sie nächste Woche hier den zweiten Teil der dreiteiligen Serie „Wie organisiert man eine bAV? Vorstellung der fünf Durchführungswege für eine bAV“ und informieren Sie sich über die Unterstützungskasse. Im letzten Teil der Serie werden die Durchführungswege Direktversicherung, Pensionskasse und Pensionsfonds vorgestellt.

 

Bild: Sergey Nivens – Fotolia.com

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