bAV-Branche

Aktuelle Diskussion zu den geplanten bAV-Änderungen

Eingestellt: 22. November 2016 um 13:28   /   durch   /   Kommentare (0)

Der Referentenentwurf für das Betriebsrenten-Stärkungsgesetz liegt vor und wird heiß diskutiert. Selbst die Befürworter sehen noch großes Nachbesserungspotential. Doch um welche Punkte wird aktuell noch gestritten?

Die Leitidee des Entwurfes ist einfach: Möglichst viele Berufstätige sollen von einer betrieblichen Altersvorsorge (bAV) profitieren. Dies soll u. a. durch das Opting-out im Rahmen von Tarifverträgen erreicht werden, denn damit sollen so viele Arbeitnehmer wie möglich das bAV-Angebot ihres Arbeitgebers annehmen. Wer dies nicht möchte, muss aktiv werden und widersprechen. Laut Andrea Nahles bringt dies doppelt Vorteile: Die Mitarbeiter zahlen in die bAV ein und die Arbeitgeber haben durch Gruppenverträge Kostenvorteile.

Der Entwurf von Andrea Nahles soll für Arbeitgeber und Arbeitnehmer eigentlich Anreize schaffen. Verschiedene Vertreter haben sich jedoch kritisch zu Wort gemeldet, so der Verband Deutscher Versicherungs-Makler, die Arbeitsgemeinschaft für betriebliche Altersversorgung, die Beratungsunternehmen Aon Hewitt und Willis Towers Watson sowie der Bundesverband pauschaldotierte Unterstützungskassen e.V. Im Grundsatz wird der von Andrea Nahles erarbeitete Entwurf von allen begrüßt, jedoch gibt es auch viele Kritikpunkt und den großen Wunsch nach Anpassungen.

Heiß umstritten: Sozialpartnermodell

Besonderer Streitpunkt ist das Sozialpartnermodell. Die Tarifparteien werden durch dieses Modell in die Verantwortung genommen, dies stößt auf breite Kritik. Absolute Garantien auf die Betriebsrente sollen für Arbeitnehmer entfallen, dabei ist der Sicherheitsaspekt gerade für Arbeitnehmer besonders wichtig. Deutsche-Betriebsrente.de hat über den Wunsch der Arbeitnehmer „Garantie schlägt Rentenhöhe“ berichtet. Vorgesehen ist nun aber, die Arbeitgeber-Haftung für einen bestimmten Wert zu Beginn der Rente aufzugeben. So soll es in der aktuellen Niedrigzinsphase leichter werden, Renditechancen zu steigern.

Verband Deutscher Versicherungs-Makler e.V. (VDVM)

Sehr viele Vertreter wie zum Beispiel der Verband Deutscher Versicherungs-Makler e.V. (VDVM) kritisieren beim aktuellen Entwurf, dass die Chance vertan wurde, das bAV-System von der Komplexität zu befreien, dass es – sogar im Gegenteil – noch komplizierter und abschreckender wird durch die Einführung eines zusätzlichen Durchführungsweges, weil die Bundesregierung am Sozialpartnermodell festhält. „Die breite Masse der tariflich ungebundenen Arbeitgeber und Arbeitnehmer wird man daher so wohl nicht erreichen“, fasst der Verband seine Kritik zusammen.

Arbeitsgemeinschaft für betriebliche Altersversorgung e.V. (aba)

Die Arbeitsgemeinschaft für betriebliche Altersversorgung e.V. (aba) sieht den Entwurf als Chance, hat aber weitere Verbesserungsvorschläge. Die bAV wird als „Großbaustelle“ gesehen. Zwar werden die bAV-Förderung nach § 3 Nummer 63 EStG weiterentwickelt, bleibt aber weit hinter den Möglichkeiten zurück. „Doppelte Beitragslast in der Altersversorgung ist unsystematisch und unfair“, bringt es Heribert Karch, aba-Vorsitzender, auf den Punkt.

Willis Towers Watson

Auch das internationale Beratungsunternehmen Willis Towers Watson kritisiert die steigende Komplexität durch die Einführung der reinen Beitragszusage. Das Unternehmen fordert, dass Zielrentensysteme auf betrieblicher und nicht nur auf tarifvertraglicher Ebene umgesetzt werden. Die enge Abstimmungsnotwendigkeit mit den Tarifpartnern wird ebenfalls kritisch gesehen. Laut Dr. Reiner Schwinger, Head of the Northern Europe Region, ist das entscheidend Neue, dass die verschiedenen Beteiligten die jeweiligen Interessen der anderen angemessen respektierten. Der Praxistest müsse zeigen, ob das funktioniert.

Aon Hewitt GmbH

Und auch das Beratungsunternehmen Aon Hewitt GmbH stört sich an der zunehmenden Komplexität. Der Wegfall der Garantien muss den Arbeitnehmer nun als Vorteil verkauft werden. Laut Fred Marchlewski, Geschäftsführer, kann dies gelingen, da die Zahlen für das System von Frau Nahles sprechen. „Unsere Berechnungen zeigen aber, dass der Verzicht auf versicherungsähnliche Garantien fast immer höhere Renditen und damit höhere Auszahlungen bewirkt“. Trotzdem müsse Überzeugungsarbeit geleistet werden.

Bundesverband pauschaldotierte Unterstützungskassen e.V. (BV PDUK)

Der Bundesverband pauschaldotierte Unterstützungskassen e.V. (BV PDUK), um noch einen weiteren Vertreter zu nennen, kritisiert insgesamt die Zielverfehlung. Durch den Entwurf würde sich an der Gesamtsituation der Rentner nichts ändern. Laut Verband kann die Durchdringung der betrieblichen Altersvorsorge im Mittelstand nur mit mehr Anreizen für Arbeitgeber gelingen. Mit dem neuen System wird in erster Linie der Bürokratieaufwand weiter wachsen und das Handling besonders für Versicherungen oder Gewerkschaften erschwert. Deswegen fordert der BV PDUK auch die Kosten-Offenlegung bei allen bAV-Durchführungswegen. Durch den Wegfall der Garantien und festen Zusagen werden außerdem versicherungsbasierte Lösungen ins Hintertreffen geraten, befürchtet der Bundesverband.

 

Zum Weiterlesen zum Betriebsrenten-Stärkungsgesetz finden Sie im Webmagazin weitere Berichte:

Betriebsrentenstärkungsgesetz – Eine Übersicht der Inhalte

Was soll hier eigentlich gestärkt werden? Die betriebliche Altersvorsorge ist es jedenfalls nicht!

bAV aus Sicht der Arbeitnehmer: Garantie schlägt Rentenhöhe

 Bild: Marco2811 – Fotolia.com

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