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Alterssicherungsbericht 2016

Eingestellt: 8. November 2016 um 08:25   /   durch   /   Kommentare (2)

Der aktuelle Alterssicherungsbericht der Bundesregierung liegt vor – und sorgt für viel Unmut. Fakt ist: Die Bevölkerung wird immer älter. Daher ist die Frage der Finanzierung der Renten von entscheidender Rolle. Bereits heute ist klar: Das aktuelle Konzept kann den zukünftigen Bedarf nicht auffangen. Der Bericht warnt daher eindeutig vor Altersarmut und mahnt zur Eigeninitiative bei der Altersvorsorge.

Alle vier Jahre veranlasst die Bundesregierung einen Alterssicherungsbericht, um die aktuelle Situation der Rentner zu erfassen. Dabei handelt es sich nach eigenen Aussagen um die umfangreichste repräsentative Datenerhebung zur Einkommenssituation der Deutschen Bevölkerung im Alter. TNS Infratest Sozialforschung übernimmt dabei die Befragung von über 30.000 Bürgern. Die Aussagen werden dann auf die gesamte Bevölkerung hochgerechnet.

Eigeninitiative ist gefragt

Wer nicht heute schon vorsorgt und sich um eine zusätzliche betriebliche oder private Altersvorsorge – am besten natürlich beides – kümmert, der wird im Rentenalter das Nachsehen haben. Die gesetzliche Rente allein wird nicht ausreichen, um den Lebensstandard im Alter zu sichern. Das Versorgungsniveau der zukünftigen Rentner wird ohne zusätzliche Altersvorsorge in den kommenden Jahren deutlich zurückgehen, so stellt es der Alterssicherungsbericht fest.

Geringverdiener – die Problemkinder von heute und morgen

Besonders Geringverdiener haben schlechte Aussichten. Ihnen fehlen jetzt einfach die Mittel, um zusätzlich für später vorzusorgen. Sie werden dann im Alter das Nachsehen haben. Denn, so die 258 Seiten umfassende Regierungsanalyse, die gesetzlich Rente hat nach wie vor die größte Bedeutung für die Versorgung alter Menschen. Zu Beginn des Jahres 2015 waren 17 Millionen Menschen in Deutschland 65 Jahre oder älter. Fast drei Viertel aller gezahlten Altersleitungen an sie stammen aus der Rentenkasse.

Zusatzeinkünfte der Senioren

Aus dem Alterssicherungsbericht geht auch hervor, dass rund ein Drittel der Rentner Bezüge aus einer betrieblichen Altersvorsorge beziehen. Das sind im Schnitt 418 Euro monatlich – die Höhe entspricht auch den Zusatzeinkünften auf privater Vorsorge. Neben Rente oder Pension verfügen Rentner am häufigsten über Zinseinkünfte. So kommen im Schnitt noch einmal monatlich 282 Euro für Ehepaare oder 178 Euro für Alleinstehende an Zusatzeinkünften zusammen. Höher fallen die Einkünfte aus Vermietung oder Verpachtung an (947 Euro im Durchschnitt für Ehepaare), diese sind aber insgesamt deutlich weniger verbreitet.

Wer hat am meisten? Es gibt viele Unterschiede

Auch unter Rentnern gibt es eine Top-Liste. Männer haben zum Beispiel im Schnitt 600 Euro mehr als Frauen und kommen auf eine durchschnittliche Rente von 1.700 Euro. Und auch die Gruppe der Beamten steht besser da. Ihnen bescheinigt der Alterssicherungsbericht ein überdurchschnittliches Alterseinkommen. Deren Pensionen seien mit durchschnittlich netto 2.300 Euro höher als die Leistungen anderer Versorgungssysteme. Bei den Selbstständigen hingegen ist das Alterseinkommen sehr ungleichmäßig verteilt und stark abhängig von der Beschäftigung. Weniger als 1.000 Euro stehen fast der Hälfte von Ihnen zur Verfügung.

Alterssicherungsbericht: Impulse für die aktuelle Diskussion

Der Alterssicherungsbericht skizziert eine Zukunft, die viele nicht sehen wollen oder die viele zumindest verunsichert. Oft ist deswegen auch vom „Verunsicherungsbericht“ die Rede. Ganz klar heizt der Bericht die aktuelle Rentendiskussion an. Er gibt aber auch wertvolle Impulse. Andres Nahles zum Beispiel stützt sich auf den Bericht in Ihrem Wunsch, eine Versorgungspflicht für Selbstständige einzuführen oder bei der Suche nach einem Konzept für Geringverdiener.

 

Bild: drubig-photo – Fotolia.com

Kommentare (2)

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Kommentar
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  • 8. November 2016 um 12:03 Dieter K.

    Warum wird die betriebliche Altersvorsorge nicht weiter unterstützt oder ausgebaut?

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    • 8. November 2016 um 12:55 Martina Welters

      Auch wir stehen für die Verbreitung der betrieblichen Altersvorsorge ein. Der dbr e. V. unterstützt Arbeitgeber dabei, eine bAV für die Arbeitnehmer anzubieten. In unserem Webmagazin finden Sie viele wertvolle Informationen zu diesem Thema.

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