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Interview mit Herrn Dr. Horst Schrage, Hauptgeschäftsführer der IHK Hannover

Eingestellt: 27. Oktober 2016 um 08:53   /   durch   /   Kommentare (2)

Frage: Herr Dr. Schrage, das Thema Betriebsrente ist aktuell wieder sehr stark in der Diskussion. Eine der wesentlichen Fragen dabei ist, welchen Nutzen diese für Arbeitgeber und Arbeitnehmer hat. Welchen Stellenwert hat die betriebliche Altersversorgung bei der IHK Hannover?

HS: Die betriebliche Altersversorgung ist traditionell für unsere Kammer ein wichtiges Personalbindungsinstrument und wird es auch in Zukunft bleiben. Für uns ist die Versorgung unserer Mitarbeiter ein wichtiger Ausdruck unserer unternehmerischen Verantwortung, denn wir sehen nicht nur unsere Mitgliedsunternehmen der Tradition des Ehrbaren Kaufmannes verpflichtet, sondern auch uns selbst. Zur unternehmerischen Verantwortung, oder auch neudeutsch Corporate Social Responsibility, für die wir uns seit vielen Jahren als IHK Hannover stark engagieren, gehört als Grundpfeiler die Verantwortung gegenüber dem Mitarbeiter, die aus unserer Sicht nicht mit dem Eintritt in den Ruhestand endet.

Frage: Die IHK Hannover hat bereits im Jahr 2005 ihre Versorgungsverpflichtungen auf einen Pensionsfonds übertragen. Aus welchen Gründen?

HS: Verantwortung tragen bedeutet nicht, alles selbst machen zu müssen. Wer unternehmerisch denkt, weiß, dass es auch manchmal geboten sein kann, Spezialisten in Anspruch zu nehmen. Das gilt um so mehr, wenn man, wie auch wir, sorgsam mit den Ressourcen, sprich den eingezahlten Mitgliedsbeiträgen, umgehen möchte. So gehört die Verwaltung von Pensionsverpflichtungen nicht zu den originären Aufgaben einer Kammer, ebenso wenig die Bewirtschaftung des für die Pensionsverpflichtungen vorgehaltenen Vermögens. Zudem haben wir keinen professionellen Zugang zu einem qualifizierten Kapitalanlagemanagement, wie es die langfristigen Investitionen im Vorsorgebereich notwendig machen. Deshalb haben wir hier auf die Expertise und Erfahrungen der VdW Pensionsfonds AG zurückgriffen.

Frage: Würden Sie im Nachhinein betrachtet die Entscheidung für die Auslagerung der Pensionsverpflichtungen heute wieder so treffen?

HS: In jedem Fall, da wir unsere Planbarkeit deutlich erhöhen, die Aufwände im Bereich der Versorgungszusagen stabilisieren und unsere Risiken senken konnten und das bei überschaubaren Kosten und einen und einer deutlichen administrativen Entlastung.

Frage: Sie haben für die IHK Hannover einen zukunftssicheren Weg zur Sicherung der betrieblichen Vorsorge gefunden und haben vorhin auch die Wichtigkeit dieses personalpolitischen Instrumentes gesprochen. Was antworten Sie Ihren Mitgliedsunternehmen, die sich an Sie wenden und gegebenenfalls aufgrund der kritischen Berichterstattung verunsichert sind, ob sich eine betriebliche Versorgung für das Unternehmen lohnt?

HS: Was ich für die IHK gesagt habe, gilt so auch für andere Unternehmen. Der Kampf um Fachkräfte, die großen demographischen Herausforderungen und die damit verbundene Notwendigkeit in allen drei Vorsorgesäulen Lösungen zu finden, machen das Thema Betriebsrente zu einer Pflicht – aber eine Pflicht, die aus unserer Sicht eine lohnende Investition ist.

Frage: Unterstützen Sie deshalb als Partner auch die Arbeitgeberinitiative Deutsche Betriebsrente?

HS: Ganz genau. Ich finde es wichtig, dass wir anfangen, gerade im Interesse der Unternehmen, selbst aktiv zu werden und aufzuzeigen, welche positiven Effekte eine Betriebsrente haben kann. Gleichzeitig sichtbar zu machen, dass es auch sehr viele Unternehmen gibt, die höchst zufrieden mit Ihren Versorgungslösungen sind. Die Deutsche Betriebsrente macht das sichtbar und setzt Impulse für die unternehmensnahe Weiterentwicklung dieses wichtigen Themas. Genau das brauchen wir und hier sehe ich auch unsere Pflicht als Interessenvertretung, dass wir uns als IHK hier engagieren.

 

 

Kommentare (2)

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Kommentar
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  • 17. November 2016 um 15:51 Norbert Wichmann

    Es ist unvorstellbar, wie seit 100 Jahren Politiker mit 71% Pensionsansprüchen, die nie selber auch nur einen Cent in die Sozialsysteme einzahlten, über die Renten der Arbeitnehmer weiterhin nach „Gutsherrenart“ entscheiden! Da werden locker weitere Einschränkungen, wie 43% Rentenansprüche, bis 70 arbeiten, diskutiert, 20% Kürzungen der betriebl. Altersvorsorge auch in Zukunft beibehalten, und die Gewerkschaften, wie auch die Betroffenen schweigen! Liebe Leute auch euer Ruhestand ist näher als ihr meint und wenn ihr das durchgehen lasst, lebt ihr mit gewaltigen Abstrichen im Alter.

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    • 18. November 2016 um 14:00 Martina Welters

      Sie haben völlig Recht, dass sich die Arbeitnehmer frühzeitig Gedanken über eine auskömmliche Altersvorsorge machen sollten und sich dabei nicht darauf verlassen können, dass die gesetzliche Rente schon ausreicht und die Politiker dafür schon sorgen werden. Hier ist insbesondere der Arbeitgeber gefragt, seine Mitarbeiter bei der Aufstockung des Alterseinkommens zu unterstützen. Hierfür setzt sich der Deutsche Betriebsrente Datentreuhand e. V., unterstützt durch die Industrie- und Handelskammern, ein.

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