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Interview: Vier Fragen an Dr. Carsten Linnemann (MIT)

Eingestellt: 18. Juli 2016 um 11:48   /   durch   /   Kommentare (0)

dbr: Studien zeigen, dass Arbeitnehmer das größte Vertrauen in Fragen der Altersversorgung gegenüber ihrem Arbeitgeber haben und für Arbeitgeber ist das Engagement für eine Betriebsrente ein Zeichen ihrer sozialen Verantwortung und auch ein lohnendes, aber auch sehr individuelles personalpolitisches Instrument. Was bleibt von diesem gemeinsamen Konzept zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber in Zeiten von Entgeltumwandlung und Sozialpartnermodell noch übrig?

Dr. ​Carsten Linnemann (Bundesvorsitzender der Mittelstandsvereinigung der CDU / CSU, MIT): Leider zu wenig. Sorgen bereiten mir vor allem Vorstöße wie das Sozialpartnermodell Betriebsrente oder die Arbeitgeberverpflichtung bei der Entgeltumwandlung. Denn damit stellt die Politik die Betriebsrente auf den Kopf. Die betriebliche Altersvorsorge war nach meinem Verständnis immer Personalpolitik mit einer sozialpolitischen Komponente. Nun droht sie zur Sozialpolitik mit personalpolitischen Auswirkungen zu werden. Das ist nicht mein Ansatz.

dbr: Wer eine solide 2. Säule möchte, muss die Arbeitgeber erreichen. Wie soll das Ihrer Meinung nach geschehen?

Dr. Linnemann: Die meisten Mittelständler, die ich treffe, sind nicht auf neue Förderungen oder Erleichterungen aus. Sie wollen von der Bürokratie und der Komplexität der gesetzlichen Rahmenbedingungen befreit werden​. Mehr noch: Sie wollen, dass vom Ersparten mehr beim Arbeitnehmer ankommt, Stichwort Steuerlast, Doppelverbeitragung oder die Anrechnung auf die Grundsicherung. Politischen Handlungsbedarf sehe ich vor allem beim Abbau von steuerlichen, beitragsrechtlichen und bürokratischen Hürden sowie bei der Handlungs- und Haftungssicherheit.

dbr: Wir haben es in der Altersversorgung mit einer grundsätzlichen Resignation in breiten Teilen der Bevölkerung zu tun und scheinbar alle Säulen wackeln bzw. werfen derzeit mehr Fragen auf, als sie Antworten geben. Wie kann das verlorenen gegangene Vertrauen der Menschen zurückgewonnen werden, damit diese frühzeitig vorsorgen und auch langfristig Vertrauen in die angebotenen Systeme haben?

Dr. Linnemann: Die 2001 eingeläuteten Reformen und die damit einhergehende Stärkung der Eigenverantwortung durch kapitalgedeckte Vorsorge und längeres Arbeiten bleiben richtig. Wir ​als Mittelstandsvereinigung der Union ​haben aber Konzepte vorgelegt, wie das Drei-Säulen-Modell gestärkt werden kann. Dazu gehört auch ein Ende der Debatte über die Abschaffung der Riester-Rente. Ohne private Vorsorge wird eine auskömmliche Altersversorgung nicht funktionieren. Generell brauchen wir mehr Transparenz bei den Rentenansprüchen über alle Säulen hinweg.

dbr: In politischen Debatten wird stets von Verbreitung und Durchdringung in der 2. und 3. Säule gesprochen, also von Quantität. Was taugt diese Zielgröße, wenn wir wissen, dass ein Großteil dieser abgeschlossenen Verträge keine auskömmliche Zusatzversorgung sicherstellen wird?

Dr. Linnemann: Auch wenn Sie die Durchdringung vor allem quantitativ definieren, ist sie doch notwendige Bedingung, damit betriebliche und private Vorsorge auch qualitativ die Renten möglichst breiter Bevölkerungsteile aufbessern. Sie haben aber recht damit, dass nur die Durchdringung allein nicht ausreichen wird. Deshalb schlagen wir als MIT vor, dass der Staat endlich die „Bremsklötze“ wie etwa die Doppelverbeitragung entfernt. Darüber hinaus muss der Staat einen Teil seines Zinsvorteils an diejenigen zurückgeben, die ihn zu tragen haben. Das ist zu einem nicht unerheblichen Teil die kapitalgedeckte Vorsorge.

 

Bild: Dr. Carsten Linnemann MdB, MIT-Bundesvorsitzender; © Thorsten Schneider

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