bAV in Unternehmen

Endress+Hauser: preisgekrönte bAV als Ausdruck der familiären Unternehmenskultur

Eingestellt: 21. Juni 2016 um 15:30   /   durch   /   Kommentare (0)

Es gibt Symbole, die scheinen aus der Mode gekommen, aber sind eigentlich in ihrer Aussagekraft kaum zu ersetzen. Zum Beispiel die Ehrennadel. Was nach Großvaters Erinnerungskiste auf dem Speicher klingt, ist in manchen Unternehmen noch immer ein lebendiges Symbol für echten Mitarbeiterstolz, der in Geld kaum aufzuwiegen ist.

“Unsere Mitarbeiter tragen mit Stolz die Jubiläumsnadeln, die wir für die Treue zum Unternehmen verleihen“, sagt Roland Kienzler, Corporate Director Human Resources der Schweizer Endress+Hauser Gruppe. „Wir sind froh über die hohe Identifikation unserer Mitarbeiter mit dem Unternehmen, die sich auch darin zeigt, dass wir eine geringe Fluktuation haben. Viele unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind seit vielen Jahren für Endress+Hauser tätig, manche sind schon seit ihrer Ausbildung bei uns“, so Kienzler.

Matthias Altendorf, CEO Endress+Hauser

Matthias Altendorf, CEO Endress+Hauser

Ein Symbol für die Politik ist der CEO des Unternehmens Matthias Altendorf. Der passionierte Segler und Motorradfahrer hat seine Karriere selbst 1986 am deutschen Standort des Unternehmens in Maulburg mit einer Mechanikerlehre begonnen. „Einen großen Teil unserer Fachkräfte bilden wir selbst aus. Über die Jahre haben wir so mehr als 1.800 jungen Menschen eine solide berufliche Grundlage verschafft. Zudem besucht jede Mitarbeiterin und jeder Mitarbeiter im Schnitt zwei Mal jährlich eine Weiterbildung“, erklärt Kienzler die Personalpolitik. Eine Politik, die nicht beim Erreichen des Rentenalters endet. So wurde Endress+Hauser 2016 beim Deutschen bAV-Preis mit dem ersten Platz in der Kategorie Mittelstand für Ihr Versorgungswerk an den deutschen Standorten ausgezeichnet. „Unser neues bAV-Modell ‚Das neue Endress+Hauser Vorsorge-Programm‘ beinhaltet die arbeitgeberfinanzierte Altersvorsorge, zusätzliche, individuelle Vorsorgebausteine, sowie die Möglichkeit, sich persönlich und lebensphasenorientiert beraten zu lassen“, erklärt Anja Kühn, Managerin für Pension und Benefits bei Endress+Hauser Deutschland, das prämierte Modell.

High-Tech dank Mitarbeiter-Know-how

Warum eine solche Investition in die Mitarbeiter notwendig ist, erklärt sich beim Blick auf die Geschäftsfelder des Unternehmens. Nichts läuft heute mehr in der zunehmend digitalisierten Industrie ohne automatisierte Messtechnik. Endress+Hauser gehört hier mit Messgeräten, Dienstleistungen und Lösungen für industrielle Prozesstechnik und Automatisierung zu den weltweit führenden Anbietern. Das Unternehmen bietet über alle Branchen hinweg komplette Lösungen zur Messung von Durchfluss, Füllstand, Druck und Temperatur, für Analyse, Datenerfassung und digitale Kommunikation . Im Fokus stehen dabei zuverlässige, sichere, wirtschaftliche und umweltfreundliche Prozesse. Weltweit arbeiten gut 13.000 Beschäftigte für die Unternehmensgruppe. „Wir produzieren jährlich gut zwei Millionen Messgeräte an allen Produktionsstandorten und die meisten davon sind Einzelanfertigungen. Eine solch komplexe Produktion erfordert Erfahrungen und Fachkenntnisse und wäre ohne unser hochqualifiziertes Personal schlicht nicht möglich“, sagt Kienzler.

Vorreiter seit mehr als sechzig Jahren

Seinen Ursprung hatte das Unternehmen im Jahr 1953, als sich der Schweizer Ingenieur Georg H. Endress, damals gerade 29 Jahre alt, und der Deutsche Ludwig Hauser, Leiter einer Genossenschaftsbank und bereits 58, zusammenfanden. Endress war zuvor aus England zurückgekehrt, im Gepäck neuartige Füllstandmessgeräte, die auf dem erst wenige Jahre zuvor entwickelten Radar aufbauten. Für die Anwender bedeuteten die Geräte eine umwälzende Veränderung, denn nun musste der Füllstand, etwa eines Silos, nicht mehr umständlich abgelesen oder gar mit einem Lot von Hand gemessen werden, sondern ließ sich einfach, zuverlässig und genau in der Leitwarte anzeigen.

Am 1. Februar nahm die L. Hauser KG ihre Tätigkeit auf, mit Hausers Wohnung als erster Betriebsstätte im süddeutschen Lörrach. Das Grundkapital des jungen Unternehmens betrug gerade einmal 2.000 D-Mark. Namensgeber war Hausers Ehefrau Luise: Der Handelsregistereintrag weist sie als Gesellschafterin aus.

Die junge Firma stieß in eine Marktlücke. Bald schon begann Georg H. Endress, eigene Messgeräte zu entwickeln. 1955 ließ er beim Eidgenössischen Amt für geistiges Eigentum sein erstes Patent registrieren. Noch heute investiert das Unternehmen jährlich bis zu 160 Millionen in die Forschung und Entwicklung neuer Technologien und konnte 2015 gut 270 Innovationen zum Patentschutz anmelden.

Seit 1957 firmiert das Unternehmen unter Endress+Hauser. Schon nach vier Jahren überschritt der Umsatz eine Million D-Mark. 1960 wurde im niederländischen Amersfoort die erste Auslandsgesellschaft gegründet. In den 70er Jahren folgte die Expansion nach Übersee und in den 90er Jahren die vollständige Globalisierung des Unternehmens.

Bei aller Dynamik hält bis heute die Familie Endress die Zügel fest in der Hand und begleitet das Unternehmen über ihren Familienrat und Sitze im Verwaltungsrat sehr eng. Heute besitzen die acht Kinder des Gründerehepaars mit ihren Familien jeweils zwölf Prozent am Unternehmen. Weitere vier Prozent wurden in die Georg H. Endres Stiftung eingebracht. Diese unterstützt unter anderem junge Menschen beim Start ins Berufsleben. Zudem engagiert sie sich für die grenzüberschreitende Zusammenarbeit in der Region Basel.

Doch was immer nach Verantwortung, Tradition und Zusammenhalt klingt, ist keineswegs eine Erfolgsgarantie. Das war auch der Eigentümerfamilie klar, die sich deshalb bereits 2006 eine so genannte Familiencharta gegeben hat. Diese wird jedem Familienmitglied im Alter von 15 Jahren übergeben und regelt das Verhältnis zum Unternehmen und den Umgang miteinander. Die Charta soll den Zusammenhalt innerhalb der Familie stärken. Zugleich führt sie die jungen Familienmitglieder an das Unternehmen heran und verhindert, dass familiäre Unstimmigkeiten sich aufs Geschäftliche übertragen. So legt die Charta zum Beispiel fest, unter welchen Bedingungen und auf welchen Positionen Familienmitglieder im Unternehmen tätig sein dürfen.

Nachhaltiger Erfolg

Und dies macht sie offenbar erfolgreich, zumal sie auch für die Mitarbeiter ein klares Signal enthält: „Die Charta bedeutet ein Bekenntnis: Endress+Hauser soll, ausgerichtet auf langfristigen, nachhaltigen Erfolg, als selbstständiges, unabhängiges Unternehmen im Besitz der Familie Endress bleiben“, so Unternehmenschef Matthias Altendorf. Die Führung des Unternehmens ist für ihn dabei auch eng mit den Werten der Familie verbunden. „Die entscheidenden Punkte sind für mich die Werte. Der Wertekanon, den die Familie Endress lebt und den ich im Unternehmen erlebt und mitgestaltet habe, deckt sich in hohem Maße mit meinem persönlichen Wertekanon. Dabei steht der Mensch im Mittelpunkt, ohne das Leistungs-Prinzip zu vernachlässigen, denn für Wohlstand und Freiheit müssen wir etwas tun. Stillstand führt zum Verlust von Errungenschaften, die wir alle schätzen.“ Altendorf, der erst der dritte CEO des Unternehmens ist und der erste, dessen Name nicht Endress lautet, setzt dabei auch bei Mitarbeitern auf Verantwortung: „Wenn man den Menschen Freiräume gibt, ihnen Verantwortung überträgt und Vertrauen schenkt, dann schöpfen sie ihre Möglichkeiten aus“, sagt der 49-jährige

Versorgung im Wandel der Zeit

Ein wesentlicher Teil der Verantwortung liegt aber weiterhin auch bei der Unternehmensführung. Vor allem, wenn es darum geht, die Leitplanken der Mitarbeiterstrategie aufzustellen. Eine wesentliche Leistung liegt hier in der Fürsorge für einen auskömmlichen Lebensabend.

Ein großer Teil der Mitarbeiter der Unternehmensgruppe arbeitet an den Standorten in Deutschland, für deren betriebliche Altersversorgung das Unternehmen nun ausgezeichnet wurde. Dabei verlief die bAV-Strategie keineswegs geradlinig. „Bis 1998 hatten wir eine Versorgung aller Mitarbeiter über Direktzusagen mit einem Leistungsversprechen von bis zu 20 Prozent des letzten Dezemberentgelts für Mitarbeiter, die mehr als 30 Jahre im Unternehmen waren“, erinnert sich Anja Kühn, verantwortlich für die Pensionsregelungen in Deutschland. Aufgrund der steigenden Kosten durch die stark wachsende Zahl an Mitarbeitern, wurde diese Versorgung Ende 1998 geschlossen und durch eine Versorgung über eine rückgedeckte Unterstützungskasse abgelöst. Nach einigen Jahren wurde hier allerdings deutlich, dass man bei der Anlage der Versorgung etwas zu vorsichtig ans Werk gegangen ist. „Wir haben nach einigen Jahren Benchmarkvergleiche durchgeführt und dabei festgestellt, dass wir zwar immer noch gut aufgestellt waren, aber auch einen gewissen Abstand zu den führenden Unternehmen hatten – vor allem hier im süddeutschen Raum, in dem Fachkräfte durchaus umkämpft sind. Da mussten wir reagieren, zumal die bestehende Versorgung auch in keinem Vergleich mehr zur alten Versorgungslösung stand“, so Kühn.

Das führte unter anderem dazu, dass das Unternehmen in Bewerbergesprächen das Thema Altersvorsorge nicht mehr offensiv einsetzen konnte. Ein Nachteil, denn auch bei Endress+Hauser fragen qualifizierte Fachkräfte immer öfter nach einer leistungsfähigen Pensionslösung.

Konzentration auf Altersvorsorge und Individualabsicherung

In der arbeitgeberfinanzierten bAV wurde das bisherige System vollständig auf das neue Modell umgestellt und der Arbeitgeberbeitrag mehr als verdoppelt. Die Verwaltung erfolgt dabei weiterhin über eine rückgedeckte Unterstützungskasse. „Dabei ist uns eine leistungs- und bedarfsgerechte Versorgung durch einen entgeltabhängigen Beitrag in zwei Beitragsstufen wichtig. In der Entgeltumwandlung bieten wir unseren Mitarbeitern attraktive Zuschüsse für eine verbesserte Altersvorsorge oder die Absicherung bei Berufsunfähigkeit“, erklärt Kühn das neue Programm. Weitere Vorsorgebausteine runden das Programm ab. Dazu gehören eine Pflegeversicherung, Hinterbliebenenabsicherung über eine Risikolebensversicherung oder auch private Zusatzversicherungen, um Krankheitsfälle abzudecken. Mitarbeiter profitieren dabei von Gruppentarifen und vereinfachten Gesundheitsprüfungen.

Die Leistungen können sich dabei sehr gut sehen lassen: Endress+Hauser zahlt einen jährlichen Beitrag von 3 % des durchschnittlichen lohnsteuerpflichtigen Jahresentgelts der letzten fünf Jahre in die Altersvorsorge ein. Für Entgeltbestandteile oberhalb der Beitragsbemessungsgrenze zahlt das Unternehmen einen zusätzlichen jährlichen Beitrag von 3 %. Der Anspruch ist vom ersten Beitrag an unverfallbar und das mit den Beitragszahlungen gebildete Kapital wird inklusive der erwirtschafteten Überschüsse ausbezahlt. In der arbeitnehmerfinanzierten Entgeltumwandlung gewährt das Unternehmen einen monatlichen Basiszuschuss zur Altersvorsorge von 20 € und zahlt zusätzlich 10 % Zuschuss auf den Eigenbeitrag in beliebiger Höhe.

Der 1. Platz beim Deutschen bAV-Preis 2016 in der Kategorie „kleine und mittlere Unternehmen“ ging an die Endress+Hauser Unternehmensgruppe Deutschland

 

Lohnende Investition von Zeit und Geld

„Zentraler Punkt unseres neuen bAV-Modells ist die Beratung und Kommunikation. So haben wir ein qualitätsgesichertes Beratungskonzept speziell für unsere Mitarbeiter entwickelt. Die lebensphasenorientierte Beratung findet während der Arbeitszeit, auf Wunsch mehrmals, statt“, sagt Kühn.

Für die Entwicklung der neuen Versorgungslösung und die Kommunikation zu den Mitarbeitern hat sich Endress+Hauser nicht nur Zeit genommen, sondern auch kräftig investiert. Immerhin mussten fünf Unternehmen, alle rechtlich selbstständig und mit eigener Personalabteilung, zufriedengestellt und für die neuen Versorgungsleistungen gewonnen werden.

Die Entwicklung der Ausschreibung und die Suche nach geeigneten Beratungsdienstleistern hat dabei ein gutes Jahr in Anspruch genommen. Das Ergebnis war, dass sich das Unternehmen nicht für einen, sondern für zwei Berater entschieden hat. Die Experten der Münchner Beratungsunternehmens febs-Consulting unterstützten das Schweizer Familienunternehmen unter anderem bei der Konzeption der Versorgungsordnung und bei dem Ausschreibungsverfahren für die Pensionsverwaltung und Versicherungslösungen. Die Berater des Fellbacher Unternehmens b-log waren für die Beratung der Mitarbeiter verantwortlich.

Verständliche Kommunikation und persönliche Beratung

Großen Wert hat Endress+Hauser auf eine neue Kommunikationsstrategie gelegt. „Wir wollten keine versicherungstypischen Informationen oder Beratung, sondern die Mitarbeiter mit einfachen Informationen und persönlicher Beratung abholen“, erläutert Kühn. So können sich Mitarbeiter in ihrer Arbeitszeit zwei oder gar dreimal Mal beraten lassen, um ihre Entscheidung auf einer soliden Wissensbasis treffen zu können.

„Zuvor haben wir Infoveranstaltungen abgehalten bei denen wir gut 3.400 der circa 4.000 betroffenen Mitarbeiter auch erreicht haben“, erinnert sich Kühn. Die Schwierigkeit dabei war, den damit hervorgerufenen Beratungsaufwand auch tatsächlich bewältigen zu können. „Wir hatten direkt nach den Veranstaltungen mehrere hundert Anmeldungen und allein in Maulburg waren fünf Berater an fünf Werktagen aktiv, um alle Anfragen zu bearbeiten“, sagt Kühn. Inzwischen hat das Unternehmen ca. 3.000 Einzelberatungen durchgeführt und auch in der arbeitnehmerfinanzierten bAV einen Durchdringungsgrad von 60 Prozent.

Employer Branding & bAV: Ein Gewinn für beide Seiten

„Endlich können wir das Thema bAV auch wieder aktiv bei Bewerbergesprächen nutzen“, sagt Kühn. Für sie ist klar, dass die erheblichen Investitionen in die bAV gut investiertes Geld sind und das Unternehmen hier auch weiter tonangebend sein möchte. Kühn: „Derzeit prüfen wir die Weiterentwicklung unserer Vorsorgeangebote beispielsweise im Bereich Unfall- oder Dread Disease-Versicherung, um unsere Stellung als wert- und mitarbeiterorientiertes Unternehmen weiter auszubauen. Auch in Zukunft wollen wir Mitarbeiter haben, die mit Stolz ihre Jubiläumsnadeln tragen – eine leistungsfähige bAV gehört hier unverzichtbar dazu.“

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