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Betriebsrente: „Die Einstellung hat sich gewandelt“

Eingestellt: 24. März 2016 um 10:22   /   durch   /   Kommentare (0)

Interview mit Karlheinz Brömer, Generalbevollmächtigter der Brömer & Sohn GmbH zur Bedeutung der betrieblichen Altersversorgung in mittelständischen Bauunternehmen.

Die Brömer & Sohn GmbH mit Sitz in Wiesbaden ist das größte mittelständische Bauunternehmen der Wiesbadener Region. Gegründet im Jahre 1933 und seit vier Generationen in Familienhand, feierte das Unternehmen 2013 sein 80-jähriges Bestehen. Am Standort in Wiesbaden-Schierstein beschäftigt die Brömer & Sohn GmbH fast 100 Mitarbeiter. Geschäftsführer der Brömer & Sohn GmbH ist Jörg Brömer, Urenkel des Gründers. Generalbevollmächtigter des Unternehmens ist Karlheinz Brömer, der als Enkel des Gründers die Geschäfte von 1977 bis 2008 führte.

dbr: Herr Brömer, beschreiben Sie bitte Ihr Unternehmensverständnis, ihre Unternehmenskultur. Was sind die ausschlaggebenden Punkte, die Ihr Unternehmen charakterisieren?

Karlheinz Brömer

Karlheinz Brömer

KB: Nach außen stehen wir für Solidität und Qualität und absolute Zuverlässigkeit. Nach innen wollen wir unseren Mitarbeitern vermitteln, dass sie einen sicheren Arbeitsplatz haben, dass sie mit Sorgen, Nöten oder sonstigen Problemen auch bei uns Rückhalt erhalten und im Ernstfall auch Hilfe bekommen und zwar nicht nur versprochen, sondern auch getan.

dbr: Was tun Sie hier genau?

KB: Wir bilden unsere Mitarbeiter permanent fort. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass dies sehr gut investiertes Geld ist, weil Nachlässigkeit durch Halbwissen oder gar Unwissen sehr teuer ist. Wir bewegen ja relativ große Summen, wenn wir ein Objekt machen und wenn da auch nur ein minimaler Fehler passiert, kann das extreme Kosten verursachen.

Wir versuchen Menschen, die ganz jung von der Schule kommen, für unsere Bauberufe zu begeistern, Wir bieten z.B. kleine Workshops an, damit sie Erfolgserlebnisse haben. Im Regelfall ermöglichen wir – auch finanziell – unseren Lehrlingen die Meisterprüfung. Das hält die Leute auch im Unternehmen, immerhin über die Hälfte unserer Poliere hat bei uns gelernt. Die Leute sehen, wenn sie sich bemühen, kommen sie bei uns weiter.

Und außerdem ist es besonders wichtig zu reagieren, wenn jemand Hilfe braucht, wenn z.B. finanzielle Engpässe bestehen. Egal ob es um Wohnungen geht, Kredite oder sonstige Sachen, wir helfen.

dbr: Als verantwortungsvoller Unternehmer ist das Thema Betriebsrente ein wichtiger Baustein?

KB: Auf jeden Fall. Wir können uns drehen und wenden, wie wir wollen, der normale Arbeitnehmer – bzw. die Arbeitnehmerin – wird in 20, 30 Jahren nur vernünftig seinen Ruhestand verbringen können, wenn die Absicherung auf drei Säulen steht. Es gibt die gesetzliche Rente, die betriebliche Rente und dann muss man auch privat noch etwas tun. Mit einer gesetzlichen Rente, die 45 oder sogar nur 43 Prozent des letzten Bruttoeinkommens beträgt, kann man nur mit erheblichen Einschränkungen überleben.

Die Durchschnittsrenten sind momentan so um die 1.000 Euro. Es gibt Leute, die sagen, im Alter habe man geringere Ansprüche. Das mag bei dem einen oder anderen zutreffen, aber beruhigend ist es nicht.

dbr: In den 50er Jahren führten Ihr Vater gemeinsam mit Ihrem Großvater das Bauunternehmen während des Wiederaufbaus. Wie stand es damals um das Thema betriebliche Altersversorgung?

KB: Bereits 1953 haben mein Vater und mein Großvater einen Unterstützungsverein gegründet, der aus Erträgen der Firma gespeist wurde. Das Geld wurde extern mündelsicher angelegt und aus den Zinsen wurden dann, wenn auch bescheidene, Betriebsrenten bezahlt.

Auch Anfang der 50er Jahre wurden Bauarbeiter, im Regelfall, je nach Witterung, im Winter entlassen und im Frühjahr wiedereingestellt. Damit fehlten dem klassischen Bauarbeiter jedes Jahr mindestens zwei bis drei Monate an Beiträgen für die Altersversorgung. So kam es, dass ein durchschnittlicher Bauarbeiter in seiner Altersrente immer etwas weniger bekam, als der Durchschnittsarbeiter, über alle Branchen hinweg gesehen. Aus diesem Grund hatten damals mein Vater und mein Großvater einen solchen Verein eingerichtet, der circa 50 DM monatliche Rente bezahlte.

dbr: Wie lange musste man im Unternehmen sein?

KB: Das waren damals meine ich 15 Jahre. Mittlerweile sind es 12 Jahre, weil dies auch gesetzlich geregelt ist. Aber Damals gab es noch keine speziellen Regelungen. Wir haben das dann in der Satzung des Vereins festgelegt.

Damals lag die Mitarbeiterzahl zwischen 60 und 80. Die Vereinsmitglieder waren kraft Satzung die Gesellschafter der Firma und der Betriebsrat. Das hat sich ganz gut bewährt und wurde auch sehr gut angenommen.

dbr: Was wurde aus dieser Idee?

KB: Ende der 50er Jahre hat sich diese Erkenntnis auch branchenweit durchgesetzt und so wurden die Sozialkassen der Bauwirtschaft gegründet. Es gibt zwei Kassen: einmal die Zusatzversorgungskasse der Bauwirtschaft und die Urlaubs- und Lohnausgleichskasse der Bauwirtschaft. Die entsprechenden Verfahren wurden im Regelfall durch Tarifverträge geregelt, die dann anschließend für allgemein verbindlich erklärt worden sind.

Die Rentenhöhen waren mehr oder weniger bedingt durch die Jahre der Mitgliedschaft in der Kasse, man könnte auch sagen in der Branche. Diese Renten lagen ursprünglich maximal um die 150 DM, die erreicht wurden, wenn man besonders lang dabei war. Später wurde noch eine Steigerungsmöglichkeit eingeführt, wobei die Betriebstreue ebenfalls einen positiven Einfluss hatte.

Diese „Rente alt“ gilt nur für die alten Bundesländer, so dass in den neuen Bundesländern bis vor kurzem noch keinerlei Rentenansprüche vorhanden waren. Man hat sich nun in langen Verhandlungen darauf verständigt, dass man in Zukunft die Rente auf neue Beine stellen möchte. Ähnlich wie bei der gesetzlichen Rentenversicherung wird für jeden Mitarbeiter der Bauwirtschaft quasi ein Beitragskonto geführt. Das bedeutet auch, dass es in Zukunft unterschiedliche Rentenhöhen geben wird. Derjenige, der viel verdient und viel Beiträge zahlt, bekommt auch einen höheren Rentenbetrag. Im Prinzip parallel der gesetzlichen Rentenversicherung. Das Ganze ist vor gut zwei Monaten in Kraft getreten.

dbr: Wo steht das Unternehmen heute?

KB: Wir sind heute aufgeteilt in mehrere Unternehmen und haben knapp hundert eigene Beschäftigte, arbeiten aber branchenbedingt mit mehreren hundert Beschäftigten durch den Einsatz von Nachunternehmern. Nur mit eigenen Leuten kann man in unserer Branche keinen Auftrag für einen Neubau einer gewissen Größenordnung mehr bekommen und kostendeckend umsetzen.

Viele unserer Mitbewerber, gerade die ganz großen, verfügen kaum mehr über gewerbliches Personal. Wir haben noch gewerbliches Personal, auch wenn das mitunter mit deutlichen Mehrkosten verbunden ist, aber das ist es uns wert. Wir wollen ganz einfach die Fähigkeit selbst zu bauen nicht verlieren.

dbr: Sind das eher Mitarbeiter mit Führungsfunktionen?

KB: Ja, so ist es. Wir haben in den letzten 15 bis 20 Jahren unsere Führungsmannschaft hauptsächlich aus Auszubildenden rekrutiert, deshalb haben wir, im Vergleich zu unserer Betriebsgröße, eine große Anzahl an Polieren, Vorarbeitern, Bauingenieuren bzw. Bauleitern. Über die Hälfte der gesamten Belegschaft ist praktisch Führungspersonal. Wir behalten das auch bei, um nicht erpressbar zu werden, um nicht in Abhängigkeit zu geraten, wenn irgendein Nachunternehmer einmal verrücktspielen sollte.

dbr: Gerade im Mittelstand kommt die Betriebsrente nicht richtig voran. Auch, weil sich viele Unternehmer nicht in der Pflicht sehen.

KB: Das ist leider Gottes der Fall. Wenn man ehrlich ist, das kostet natürlich auch Geld. Dieser Beitrag, also diese Soka-Rente, wird ja mehr oder weniger durch die Betriebe finanziert.

dbr: Ein Investment das sich aber bezahlt macht?

KB: Keine Frage. Etwas flapsig formuliert waren Bauarbeiter früher Wandervögel. Wenn jemand ein paar Pfennige mehr Stundenlohn geboten hat, waren sie weg. Aber das hat sich mittlerweile, wenigstens bei uns, gelegt. Unsere Mitarbeiter wechseln nicht häufiger als Arbeiter in anderen Branchen.

Die Einstellung hat sich in den letzten Jahren gewandelt. Früher haben Mitarbeiter, die 40 Jahre oder jünger waren, gesagt: Was interessiert mich meine Rente, bis dahin fließt noch so viel Wasser den Rhein runter. Das hat sich total gewandelt. Heute denken selbst junge Leute schon an die Rente, wahrscheinlich auch aufgrund der vielen Veröffentlichungen in den Medien. Es gibt ja auch viele Beispiele, bei denen es im Alter nicht reicht, das ist das wahrlich nicht zum Totlachen.

Viele Menschen sind heute ein kleines bisschen cleverer als früher, die denken nicht nur von heute bis morgen, sondern tatsächlich auch an den späteren Ruhestand. Wenn man nicht rechtzeitig daran denkt, ist es zu spät. Das lässt sich nicht mehr korrigieren.

Ich selbst habe auch eine eigene Zusatzrente über Jahrzehnte aufgebaut, in Form von Lebensversicherungen. Aber das, was ich viele Jahre erwartet habe und das, was ich nachher bekommen habe, das sind echt zwei Paar Schuhe.

dbr: Was halten Sie vom Vorschlag von Ministerin Nahles, der Tarifrente?

KB: Das halte ich persönlich für nicht sehr gut. Man sollte dies lieber branchenindividuell durch Tarifverträge regeln und nicht wieder etwas Neues ins Leben rufen, wo sich die Politik bedienen wird, wenn sie es braucht.

Bei uns gibt es eine paritätische Besetzung der Kontroll- und Führungsgremien, da würde man sich zu wehren wissen, wenn wir das Vermögen der Rentner oder der zukünftigen Rentner für was auch immer ausgeben würden. Da ist einfach die Eigenverantwortung viel größer und damit auch sicherlich das ganze System effektiver.

dbr: Kommunizieren Sie das Thema Betriebsrente an Bewerber bzw. wie kommunizieren Sie hierzu mit Ihren Mitarbeitern?

KB: Ja, es wird angesprochen. Aber Sie haben leider recht. Vieles wird vertraglich geregelt. Aber trotzdem es geregelt ist, ist das Thema Betriebsrente und was wir hier tun bei einem nicht zu vernachlässigenden Prozentsatz der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter noch nicht Allgemeinwissen.

Da wird man noch immer mit großen Augen angesehen, wenn man erklärt, was alles bei uns bezahlt wird. Das ist so noch nicht richtig durchgedrungen. Da besteht also noch Nachholbedarf, damit es alle Mitarbeiter als Leistung wahrnehmen und unser Engagement wertschätzen können.

dbr: Herr Brömer, vielen Dank für das Gespräch.

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