bAV in Unternehmen

DAX-Pensionsverpflichtungen wieder rückläufig – KMU profitieren noch nicht

Eingestellt: 1. März 2016 um 12:58   /   durch   /   Kommentare (0)

Die Pensionsverpflichtungen der DAX-Unternehmen sind 2015 um voraussichtlich fünf Prozent auf 354,2 Mrd. EUR gesunken. Für leichte Entspannung sorgte der Anstieg beim Rechnungszins. Er stieg 16 Basispunkte auf 2,31 Prozent. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Modellberechnung von Willis Towers Watson.

Die „German Pension Finance Watch“ (GPFW) stellt die Auswirkungen der Kapitalmarktentwicklungen auf deutsche Benchmark-Pensionspläne dar. Verglichen wird ein Musterplan, der zum Stichtag vollständig ausfinanziert war (100%-Plan) und laufend in Höhe der neu erdienten Ansprüche dotiert wird mit einem für ein DAX- beziehungsweise MDAX-Unternehmen typischen Pensionsplan.

„Pensionsverpflichtungen sind erst in Jahren fällig. Je stärker der Zinssatz für ihre Bewertung sinkt, desto mehr müssen Unternehmen, die nach IFRS bilanzieren, für ihre Pensionsverbindlichkeiten zurücklegen“, erklärt Dr. Thomas Jasper, Leiter Retirement Solutions bei Willis Towers Watson, die Niedrigzinsproblematik. „Steigt der Rechnungszins wieder an, schlägt sich das in der Bilanz unmittelbar als Entlastung nieder.“

Die Zinsschmelze der letzten Jahre hat deutliche Spuren hinterlassen. 2014 waren die Pensionsverpflichtungen der DAX-Unternehmen auf 372,5 Mrd. EUR geklettert. Im ersten Quartal 2015 stiegen die Verpflichtungswerte um weitere 52,4 Mrd. EUR auf 424,9 Mrd. EUR, nachdem der Rechnungszins auf 1,47 Prozent eingebrochen war. Seit April letzten Jahres sind die Parameter wieder auf Erholungskurs, zeigt die GPFW. Zum 31.12.2015 kam der 100%-Plan auf Verpflichtungen in Höhe von 348,3 Mrd. EUR, der DAX-Plan lag bei 354,2 Mrd. EUR und die Modellrechnung für den MDAX-Plan war mit 58,4 Mrd. EUR knapp fünf Prozent unter dem Vorjahresstichtag.

Leichte Erholung auch beim Ausfinanzierungsgrad. Er zeigt das Verhältnis von Pensionsverpflichtungen und den Finanzmitteln, die zu ihrer Erfüllung zurückgestellt werden. Die von Willis Towers Watson jährlich durchgeführte Auswertung der Geschäftsberichte zeigte per 31.12.2014 einen Ausfinanzierungsgrad im DAX von rund 61 Prozent. Die aktuelle GPFW kommt zu dem Schluss, dass der Deckungsgrad für den DAX-Musterplan 2015 um 4,3 Prozent auf 65,4 Prozent gestiegen ist.

Auf der Anlageseite konnten Pensionseinrichtungen mit ihrer Kapitalallokation einen leichten Zugewinn verbuchen: Insgesamt stieg das Planvermögen im 100%-Plan um 1,9 Prozent auf 278,4 Mrd. EUR, im DAX um 1,7 Prozent auf 231,7 Mrd. EUR und im MDAX sogar um 3,7 Prozent auf 30,8 Mrd. EUR. Für Auftrieb sorgten Kursgewinne am europäischen Aktienmarkt, der das insgesamt volatile Börsenjahr mit einem Plus von 9,8 Prozent abschließen konnte. Das Vermögen der hier untersuchten Benchmarkpläne ist zu 15,2 Prozent (100%-Plan und DAX) beziehungsweise 16,7 Prozent (MDAX) in europäische Aktien investiert. Kurzfristig ist für das Planvermögen eine höhere Korrelation mit Aktien zu erwarten, langfristig aber mit alternativen Assetklassen. 2015 lag der Performance-Beitrag von Immobilien bei 18,8 Prozent.

KMU profitieren noch nicht

„Die aktuelle Entwicklung ist ein positives Signal für die betriebliche Altersversorgung“, so Jasper. „Konzerne, die nach internationalen Regeln bilanzieren, profitieren bereits davon. Aber für die vielen kleinen und mittelständischen Unternehmen, die nach deutschem Handelsrecht bilanzieren, muss etwas getan werden.“ Im HGB-Abschluss wird ein Durchschnittszins ermittelt, der weiter rückläufig ist. „Ich hoffe daher, dass sich die Bundesregierung zügig auf Maßnahmen zur Stärkung der bAV verständigt.“

 

 

Foto: Dr. Thomas Jasper, Leiter Retirement Solutions bei Willis Towers Watson; © Marcus Eichhorn

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