Basiswissen

Von Spreu und Weizen – ÖKO-Test zur Entgeltumwandlung

Eingestellt: 2. September 2015 um 15:47   /   durch   /   Kommentare (0)

Die Zeitschrift ÖKO-Test bewertet in Ihrer Septemberausgabe in wie weit sich Produkte der betrieblichen Altersvorsorge in Form von Entgeltumwandlung wirklich lohnen. Das Ergebnis, in Bezug auf ein auskömmliches Einkommen im Alter ist ziemlich eindeutig ausgefallen: „Das Gros der Tarife zur Entgeltumwandlung kann diesen Anspruch nicht erfüllen“.

Der Test macht aber auch auf weitere Mankos aufmerksam: Im System bAV stecken viele Fehler, die schnell behoben werden müssten, um sie effizient, flexibel und vor allem transparent zu machen.

Die Nachrichten gleichen sich immer wieder aufs Neue: Während Arbeitsministerin Andrea Nahles die bAV über ein Tarifmodell fördern möchte und der GDV weiterhin die Opting-Out Lösung vertritt, mehren sich die Stimmen, die ernsthafte Reformen fordern. Ein Ende dieser Diskussion scheint noch nicht näher zu rücken.

Was leider immer wieder übergangen wird, und darauf macht jetzt auch ÖKO-Test aufmerksam, ist die Frage, ob sich die angebotenen Lösungen auch wirklich lohnen. Das ist nicht nur für den Arbeitnehmer relevant, der sich zurecht fragen muss, ob seine „Betriebsrente“ aus Entgeltumwandlung nicht doch ein Verlustgeschäft ist.

Und genau an dieser Stelle trennt sich besagte viele Spreu vom wenigen Weizen. Der Test ergab, dass die meisten Tarife über die Zeit immer mehr an Leistung verlieren. Bei neuen Tarifen der klassischen Direktversicherungen besteht laut Test wenig Aussicht, das eingezahlte Geld zurückzuerhalten. Rendite sei nur über kostengünstige Kollektivverträge oder über Nettotarife möglich. Letztere sind aber nicht gerade häufig am Markt zu finden.

Versprechen nicht erfüllt

Neben der Betrachtung der Leistungen wirft der Test auch Schlaglichter auf andere, nicht eben unwichtige Versprechen, die im Kontext der untersuchten Tarife gemacht werden. Im Einzelnen sind dies: Kostenvorteile, Flexibilität und Transparenz.
In allen drei Bereichen sollte man sehr genau hinsehen, was von vollmundigen Versprechungen am Ende übrig bleibt, denn viele der klassischen Tarife sind nicht günstiger als private Tarife – im Durchschnitt fielen 13,22 Prozent vom maximal möglichen Garantiekapital schon in der Ansparphase für Vertragskosten an. Auch bei Flexibilität und Transparenz fiel das Ergebnis ähnlich ernüchternd aus.

Nimmt man dann noch die Problematik immer höherer Kosten in der Auszahlungsphase hinzu – voran getrieben durch die Tatsache, dass der Ausweis der Kosten bisher nur für die Ansparphase Pflicht ist – kommt der Schock mit Eintritt in die Rentenphase. Erst hier zeigt sich, ob der Ansatz, seine eigene Rentenlücke über die Betriebsrente zu schließen, sich bewahrheitet.

Auch Arbeitgeber sollten aufmerksam sein

Auch Arbeitgeber, die nicht nur eine lästige Pflicht erfüllen wollen, sondern die Betriebsrente als Teil ihrer Vergütungsstrategie oder auch ihrer Fürsorgepflicht sehen, müssen sich fragen, in wie weit sie diese strategischen Ziele verfolgen oder in Wirklichkeit eher torpedieren, wenn sich das Versprechen an ihre Mitarbeiter, sinnvoll für das Alter vorzusorgen, als Illusion entpuppt.

Hinzu kommen – zumindest aktuell noch – Haftungsrisiken, wenn Anbieter zugesagte Leistungen nicht erfüllen können, also möglicherweise auch, wenn zu Rentenbeginn weniger als das eingezahlte Kapital als Garantiekapital zur Verfügung steht. Man bedenke: Das Unternehmen gibt seinen Mitarbeitern die Zusage auf eine Betriebsrente, nicht der Anbieter.

Es zeigt sich hier also erneut: Einfach auf den nächsten Anbieter für Direktversicherungen setzen, führt weder für Arbeitnehmer noch für Arbeitgeber zu zufriedenstellenden Lösungen in der bAV. Wer nicht nur gesetzliche Pflichten erfüllen, sondern mit der Betriebsrente echten Mehrwert für das Unternehmen und die Mitarbeiter schaffen will, muss sich inhaltlich und strategisch mit dem Thema Betriebsrente und den eigenen Möglichkeiten, auch was die (Mit-) Finanzierung durch den Arbeitgeber betrifft, auseinandersetzen.

Den vollständigen Test erhalten Sie hier

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