Kolumne Gisbert Schadek

Betriebsrente treibt Unternehmen in die Insolvenz?

Eingestellt: 13. August 2015 um 10:45   /   durch   /   Kommentare (0)

In den letzten Tagen war den Medien eine interessante Meldung zu entnehmen: „Betriebsrenten treiben Modellbahnfirma Fleischmann in die Pleite“, schrieb die Nachrichtenagentur Reuters Deutschland. Darin hieß es: „Die nach dem massiven Stellenabbau der vergangenen Jahre verbliebenen 33 Mitarbeiter könnten die Betriebsrenten von mehr als 600 früheren Beschäftigten nicht mehr schultern, sagte ein Sprecher am Mittwoch.“

Da fragt man sich: Was Bitteschön haben die verbliebenen 33 Mitarbeiter mit den Rentenansprüchen der 600 früheren Beschäftigten zu tun?  Doch fokussieren wir uns gar nicht allein auf Fleischmann. Es gibt immer wieder Unternehmen, denen schlicht das Geschäftsmodell wegbricht und die ihre Verpflichtungen – insbesondere die Rentenzahlungen an die Betriebsrentner – nicht mehr aufbringen können.  Dass ein Unternehmen nach Wegen aus der Krise sucht,  ist die ureigenste Aufgabe des Managements und nicht der verbliebenen Belegschaft.  Auch dann nicht, wenn die Krise wesentlich durch finanzielle Altlasten aus Betriebsrenten für die frühere Belegschaft begünstigt wurde.

Diese Verpflichtungen sind nachlaufende „Kapitalkosten“ für Humankapital, für die keine periodengerechte Finanzierung erfolgt ist. Dies ist immer allein eine betriebswirtschaftliche (Fehl-) Entscheidung des Managements. Hier wird vielen Entscheidern oft zu spät bewusst, wie irreführend  der Begriff „rückstellungsfinanziert“ ist, nämlich dann, wenn schmerzhaft klar wird, dass Rückstellungen nur die Passivseite der Bilanz abbilden. Schmelzen dann die Aktivposten weg oder der Liquiditätsfluss gerät ins Stocken, ist der Tanker in Seenot. Für die Katastrophe hat hier aber nicht das Wetter gesorgt, sondern die Verantwortlichen auf der Kommandobrücke.

bAV-Alternativen sind vorhanden

Was können die Unternehmen besser machen?  Vor allem könnten sie rechtzeitig ein insolvenzsicheres Deckungskapital für ihre Rentner aufbauen z.B. über ein CTA-Modell oder einen nicht versicherungsförmigen Pensionsfonds.  Das würde heute, trotz Niedrigzinsphase, auf jeden Fall die Liquiditätsprobleme erheblich reduzieren. Nur muss das eben rechtzeitig, mitunter vor Jahrzehnten, begonnen worden sein. Ob seinerzeit diese Erkenntnis schon Allgemeingut bei Finance und HR oder in der Geschäftsführungsetage waren, darf bezweifelt werden.  Auch heute fehlt vielfach ein für Unternehmer „barrierefreier“ Zugang zu diesen Themen, der notwendig wäre, um selbst eine fundierte Entscheidungen treffen zu können.

Es reicht nicht aus, sich von einem Berater oder sonstigen Experten, die vermeintlich unverständliche Welt der bAV gefiltert darstellen zu lassen. Auch dafür sind wir mit der  Arbeitgeberinitiative Deutsche Betriebsrente an den Start gegangen, um hier unabhängige Informationen für Entscheider zu liefern.

Denn, wer sind die Leidtragenden einer solchen bAV-Katastrophe? Die früheren Mitarbeiter sind es nicht. Für die sorgt im Zweifel der Pensionssicherungsverein, wenn auch mit gewissen Einbußen, weil künftig keine Dynamik mehr geleistet wird. Die Leidtragenden sind regelmäßig die neuen Mitarbeiter, bei denen sich das Altlasten-Trauma des Arbeitgebers in fataler Weise auswirkt. Für sie, von denen der künftige Erfolg oder gar das Überleben des Unternehmens abhängt,  bietet der Arbeitgeber regelmäßig nichts mehr oder lediglich im Rahmen der gesetzlichen Pflicht ineffiziente Versicherungsprodukte an, weil er überhaupt keine Risiken mehr eingehen will.

Dabei gibt es auch hier, z.B. mit der „Digitalen Betriebsrente“*, Angebote, mit denen der Arbeitgeber seine Mitarbeiter  effizient beim Vermögensaufbau unterstützen kann, ohne all die Belastungen und Risiken,  die die klassische bAV mit sich bringt. Ich denke, viele Mitarbeiter ziehen heute solche flexiblen Angebote einer Betriebsrente vor, weil dort das Kapital ihnen gehört. Sie können es vererben und jederzeit als rentenähnliche Ratenzahlung oder als Kapital abrufen. Dafür verzichten sie bewusst auf Garantien und komplizierte steuerliche oder sozialversicherungsrechtliche Vorteile in der Sparphase, die sich in der späteren Rentenphase als Belastung erweisen können, weil dann nämlich Steuern oder gar Krankenversicherungsbeiträge auf die selbst finanzierte „Betriebsrente“ zu zahlen sind.

Wohlgemerkt, eine echte (arbeitgeberfinanzierte) Betriebsrente ist und bleibt ein enorm wichtiges personalwirtschaftliches  Instrument – für Unternehmen, die es sich leisten können und bewusst deshalb leisten wollen, weil sie damit Mitarbeiter motivieren und binden wollen. Eine mitarbeiterfinanzierte Betriebsrente dagegen, ist eigentlich ein Widerspruch in sich und bringt selten für alle Beteiligten die erhofften Vorteile. Hier gibt es deutlich modernere effizientere Lösungen.

*Mehr Infos zur „Digitalen Betriebsrente“ in Kürze hier – melden Sie sich zum Newsletter an und verpassen Sie keine Info.

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