Unternehmensportraits

bAV-Portrait Messe München: Systemwechsel geglückt

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Eingestellt: 17. August 2015 um 10:54   /   durch   /   Kommentare (0)

Deutschland ist Messeland. Von den global führenden internationalen Messen einzelner Branchen, finden laut Branchenverband AUMA mehr als zwei Drittel in Deutschland statt. So werden in Deutschland jährlich circa 150 internationale Messen durchgeführt, mit rund 180.000 Ausstellern und gut 10 Millionen Besuchern. Kein einfaches Umfeld, um sich unter den insgesamt 22 Messeplätzen in Deutschland durchzusetzen, zumal das Geschäft längst global geworden ist. Ein Großteil der Messeveranstalter versucht seit Jahren, die eigenen Erfolgsmessen zu exportieren und international erfolgreich zu machen. Insgesamt mehr als drei Milliarden Euro Umsatz erwirtschaften die deutschen Veranstalter pro Jahr. Allein in Deutschland müssen dafür Hallenkapazitäten von 2,75 Millionen m² mit Exponaten und möglichst vielen internationalen Gästen gefüllt werden.

Klaus Dittrich, Vorsitzender der Geschäftsführung des Messe Mümchen

Klaus Dittrich, Vorsitzender der Geschäftsführung der Messe München

Die Messe München kann sich hier als Nummer drei im deutschen Markt bestens behaupten – mit mehr als 40 Fachmessen für Investitionsgüter, Konsumgüter und Neue Technologien allein am Standort München und jährlich 30.000 Ausstellern und mehr als zwei Millionen Besuchern. So hat das Unternehmen unter anderem mit der bauma, der internationalen Leitmesse für Baumaschinen, die weltgrößte Messe im Portfolio. Auf 575.000 m² Ausstellungsfläche trafen sich beispielsweise im Jahr 2013 3.421 Aussteller aus 57 Ländern mit 535.065 Besucher aus über 200 Ländern und insgesamt 1.475 Journalisten und Medienvertreter.

Erfahrung und Know-how = Mitarbeiter
„Sie können eine Messe wie die bauma nicht durchführen, wenn sie nicht Mitarbeiter haben, die über jahrelange Erfahrung in der Messeorganisation und höchstes Branchen-Know-how verfügen.“, erklärt der Chef der Messe München, Klaus Dittrich. „Es genügt hier nicht, große Freiflächen und moderne Hallen zur Verfügung zu haben. Ihre Mitarbeiter müssen Tausende Unternehmen im zum Teil engen Kontakt betreuen, Trends und Entwicklungen einer Branche kennen und antizipieren und wissen, was die Verantwortlichen der Unternehmen von einer Messe erwarten“, beschreibt Unternehmenssprecher Willi Bock.

Kein Wunder, dass der Wettbewerb um Mitarbeiter und der Kampf um deren Verbleib immer schärfer werden.Für die Messe München, mit ihren mehr als 600 Mitarbeitern allein am Standort München und insgesamt circa 800 Mitarbeitern weltweit, bedeutet das Performancedruck im Personalmanagement. In Deutschland spielt hier auch die Absicherung durch eine moderne Betriebsrente eine wesentliche Rolle. „Eine attraktive Betriebsrente ist für die Messe München eine lohnende Investition in die Zukunft unserer Mitarbeiter“, sagt Klaus Dittrich. Eine Investition, die im Jahr 2014 mit einem grundlegenden Systemwechsel auf neue Füße gestellt wurde.

Das 1964 als Münchner Messe- und Ausstellungsgesellschaft (MMG) von der Stadt München, dem Freistaat Bayern, der Industrie- und Handelskammer von München und Oberbayern sowie der Handwerkskammer gegründete Unternehmen griff hier traditionell auf die Altersversorgung durch die Zusatzversorgungskasse der bayerischen Gemeinden (ZVK) zurück, über die alle Mitarbeiter versorgt wurden.

„Die Messe München ist in der letzten Dekade sehr stark gewachsen. Hier war es so, dass der Großteil der neu hinzugekommenen Mitarbeiter im traditionellen bAV-System über die ZVK nicht mehr versorgt war.“ erklärt Robert T. Heinemann, HR-Experte und Berater aus München, der das Unternehmen bei der Umstellung seiner Vergütungssysteme unterstützt hat. Das führte dazu, dass im Jahr 2013 mehr als die Hälfte der Beschäftigten keine zusätzliche arbeitgeberfinanzierte betriebliche Vorsorge – wie der Rest der Belegschaft – in Anspruch nehmen konnte. Eine Anpassung des Systems war hier notwendig, um konkurrenzfähig zu bleiben und um die zunehmenden Wünsche der neuen Belegschaft zu berücksichtigen.

Systemwechsel ja, aber mit Strategie

Robert T. Heinemann, Heinemann Management Consulting GmbH

Robert T. Heinemann,
Heinemann Management Consulting GmbH

„Wichtig war für uns in dem Projekt, dass es sich hier nicht einfach um eine Produktumstellung handelt oder um eine isolierte Maßnahme, sondern dass wir das Thema betriebliche Altersvorsorge in den Gesamtkontext eines modernen Vergütungssystems einbetten müssen, welches sich wiederum in der Personal- und Unternehmensstrategie widerspiegelt“, so Heinemann weiter.

„Unsere Mitarbeiter tragen in ganz besonderem Maße zum Erfolg unseres Unternehmens bei. Dafür erhalten sie bei uns weit mehr als eine spannende Tätigkeit und attraktive Sozialleistungen. Unsere arbeitgeberfinanzierte bAV-Lösung ist dennoch ein unverzichtbarer und wertvoller Teil unserer Verantwortungsstrategie für unsere Kollegen“, sagt Unternehmenschef Klaus Dittrich.

Für die Umsetzung einer komplexen Vergütungsneureglung, verbunden mit einem grundlegenden Systemwechsel in der bAV braucht es allerdings Spezial-Know-how. „Wir haben hier frühzeitig begonnen, externe Experten in einem Projektteam zu vereinen, die sowohl von juristischer wie auch operativer bAV-Seite die Weichenstellungen mitgemacht haben.“, so Heinemann.

Die Messe München griff hierbei auf das Wissen einer Anwaltskanzlei zurück, die mit ihrem Expertenwissen rund um Arbeitsrecht, aber auch bAV-Recht, mitgewirkt hat. Als weitere Experten waren die bAV-Berater der IWV Institut AG aus Zorneding bei München an Bord, die auf die Entwicklung betrieblicher Vorsorgesysteme spezialisiert sind.

Die Komplexität bestand darin, einen Systemwechsel sowohl innerhalb der ZVK zu bewirken als auch generell einzuleiten. Hierzu waren Verhandlungen mit der ZVK notwendig. Parallel ging es darum, eine attraktive bAV-Lösung zu entwickeln.

Ein harmonisches Ganzes
„Da wir eine Insellösung der bAV vermeiden wollten, ging es in dem Projekt von Anfang darum sicherzustellen, dass die Personalstrategie und hier vor allem die Vergütungsstrategie, die wir ebenfalls zeitgleich entwickelt haben mit dem Gegebenheiten und Wünsche und Vorstellungen im Unternehmen harmonisiert wird.“, sagt Heinemann, der in dem Projekt als zentraler Knotenpunkt für alle Abstimmungen und Projektschritte fungierte. Hintergrund hier ist, dass es auch bei der Messe München, wie auch in vielen anderen Unternehmen, meist eine Vielzahl von Einzelleistungen für Mitarbeiter gibt, von Prämien- und Bonuszahlungen bis zum Zuschuss für die Fahrkarte mit dem öffentlichen Nahverkehr. „Es macht Sinn, hier alles ganzheitlich zu betrachten und die Betriebsrente in diesem Kontext sinnvoll zu integrieren, denn nur so können sie sich als Mittelständler wirklich attraktiv im Markt positionieren.“, so Personalexperte Heinemann.

Kommunikation, Kommunikation, Kommunikation
Ein Selbstläufer war die Umstellung jedoch auch bei einem vergleichsweise überschaubaren Mittelständler, wie der Messe München, nicht. Es galt Mitarbeiter, Betriebsrat, Geschäftsführung, Aufsichtsrat und Gesellschafter nicht nur zu informieren, sondern frühzeitig einzubinden, zu überzeugen, Vorstellungen zu harmonisieren und alle Beteiligten auch mitwirken zu lassen. „Einen ganz wesentlichen Einfluss hat die interne Kommunikation auf einen solchen Prozess. Wir haben natürlich zunächst intensiv mit Gesellschaftern und Geschäftsführung gesprochen, um die grundsätzlichen Richtungsentscheidungen zu fällen. Danach galt es aber auch sehr früh, die Mitarbeiter und die Arbeitnehmervertretung ins Boot zu holen und zu berücksichtigen, dass bAV nicht der Schwerpunkt in der Arbeit dieser Gremien ist.“, schildert Heinemann.

Praktisch wurde die Kommunikation auf mehreren Ebenen betrieben. Neben einem Jour-fixe für alle Beteiligten, wurden spezielle E-Mails und E-Mailverteiler genutzt, um aktuelle Entwicklungen zeitnah offenzulegen. „Als sich eine Lösung für die neue bAV-Welt abzeichnete, haben wir darüber hinaus über Mitarbeiterversammlungen und mit einer speziellen Mitarbeiterbroschüre alle notwendigen Informationen für die Mitarbeiter bereitgestellt. Aber natürlich gab es auch die Möglichkeit weiterhin persönlich jede Frage zu stellen“, so Heinemann.

Die Lösung: preiswürdig
Ein wesentlicher Diskussionspunkt war dabei die Behandlung der Mitarbeiter, die zum Teil schon über einige Jahre im Unternehmen arbeiteten, aber nicht mehr Teil der alten Versorgungslösung geworden sind. „Hier haben wir eine attraktive Lösung über die Zahlung einer einmaligen Kompensation gefunden, die sicherstellt, dass diese Mitarbeiter einen Ausgleich für die nicht versorgten Jahre erhalten haben.“, so Heinemann.

Die Transparenzstrategie und frühzeitige Einbindung der Mitarbeiter hat sich ausgezahlt. Das neue System wurde von 99,9 Prozent der betroffenen Mitarbeiter angenommen. „Von einer solchen Erfolgsquote sind wir in der Planung gar nicht ausgegangen, freuen uns aber natürlich darüber, dass das neue bAV-System offenbar als attraktiv wahrgenommen wird“, sagt Heinemann.

Das entwickelte System unterscheidet sich von anderen Systemen dadurch, dass eine Beitragsmatrix implementiert wurde, die sich an der Betriebszugehörigkeit orientiert. Der Beitragssatz ist somit dynamisch und entwickelt sich mit den Dienstjahren und dem Gehalt, womit auch Leistung honoriert wird.
Die Umsetzung wurde von der Allianz in Form einer Unterstützungskasse realisiert. Das Unternehmen wurde nach einer von der IVW gestalteten Ausschreibung aktiv. Im Detail beginnt die Staffelung der bAV-Beiträge, bei Neueinsteigern ins Unternehmen, bei zwei Prozent des Gehaltes, gegenüber vier Prozent in der alten ZVK-bAV-Welt. Dafür können sich die Mitarbeiter über die Betriebszugehörigkeit auf bis zu sechs Prozent, bei zwanzig Jahren, verbessern.

Überzeugt hat die Umstellung und Aktualisierung auch die Juroren des Deutschen bAV-Preises 2015. Die Messe München wurde hier für ihr flexibles und leistungsgerechtes System mit dem ersten Preis in der Kategorie Mittelstand ausgezeichnet. „Das ist ein großartiger Erfolg und eine herausragende Auszeichnung für unser Unternehmen und für alle, die daran mitgewirkt haben“, kommentiert Messechef Klaus Dittrich.

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