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Altersvorsorge: Kein Grund zur Panik – oder besser doch?

Eingestellt: 18. Juni 2015 um 13:54   /   durch   /   Kommentare (0)

Die fehlende Kommunikation zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer wird immer wieder als ein Hemmnis bei der Verbreitung der betrieblichen Altersvorsorge genannt. Wer an dieser Stelle ansetzt übersieht allerdings die Tatsache, dass die Herausforderung schon viel früher beginnt – bei der persönlichen Auseinandersetzung mit dem Thema Altersvorsorge allgemein, wie verschiedene Umfragen und Untersuchungen immer wieder belegen. Findet diese dann doch einmal statt, endet sie oftmals in einem Gefühl der Hilfslosigkeit und Panik, wie ein Selbstversuch zeigen kann.

 

Darüber spricht man nicht

Wer sich in Deutschland auf einer Party unbeliebt machen will, muss nur eines tun: Über Geldanlage reden. Kaum ein Thema gilt als langweiliger. Die Bundesbürger betrachten Finanzthemen anscheinend als notwendiges Übel, so eine aktuelle Postbank Umfrage. Doch diese Unlust kann teuer werden.

Grundlagen des Wirtschaftssystems, Vermögensaufbau und Altersvorsorge: Noch nicht einmal die Hälfte der Befragten (48 Prozent) schätzt ihr Wissen zu diesen Themen als ausreichend ein. 16 Prozent attestierten sich selbst sogar mangelhafte Kenntnisse und sieben Prozent der Deutschen geben zu, dass bei ihnen keinerlei Finanzwissen vorhanden ist.

Im schlimmsten Fall investieren schlecht informierte Anleger ihr Geld in Finanzprodukte, deren Risiken sie nicht überschauen können. „Angesichts drohender Rentenlücken wächst zudem die individuelle Verantwortung für die finanzielle Vorsorge. Wer heute nicht über ein Mindestmaß an Finanzwissen verfügt, ist diesen Herausforderungen nicht gewachsen und trifft vielleicht falsche Entscheidungen“, warnt die Postbank Expertin Helma Eckardt.

 

Planlos bei privater Altersvorsorge

Zu ähnlichen Ergebnissen kommt auch die vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) beauftragte Allensbach-Umfrage zur Altersvorsorge. Auch diese Umfrage belegt: Beim Thema Alterseinkommen und Altersvorsorge fehlt den Bundesbürgern der Überblick. Knapp zwei Drittel wissen nicht, wie viel Geld sie im Ruhestand zur Verfügung haben werden. Gerade einmal 29 Prozent können hingegen ihr Alterseinkommen beziffern.

Weil viele Menschen ihr voraussichtliches Einkommen im Alter nicht kennen, wissen sie auch nicht, wie groß ihre Versorgungslücke ist und wie viel Geld sie daher zusätzlich privat ansparen müssten. Für knapp 60 Prozent ist die Frage nach der erforderlichen monatlichen Sparsumme unmöglich zu beantworten.

Hinzu kommt, dass die Bürger in der Tendenz weniger ansparen, als nach eigener Einschätzung notwendig wäre. So legen beispielsweise 14 Prozent der Befragten monatlich weniger als 100 Euro zurück, obwohl nur drei Prozent glauben, dass diese Summe ausreichend ist. 15 Prozent können zumindest derzeit nicht finanziell für ihr Alter vorsorgen.

 

Lücke größer als geschätzt

Schon 2013 ergab eine Untersuchung der Ruhr-Universität Bochum, dass entgegen der bisherigen Schätzungen bei Eintritt in den Ruhestand nicht rund 70 Prozent des letzten Nettoeinkommens erreicht werden sollten, sondern vielmehr 87 Prozent. Die gesetzliche Rente ersetzte zuletzt lediglich knapp 60 Prozent.

In der Realität ist die Situation aufgrund brüchiger Erwerbsbiografien, Teilzeitphasen und Auszeiten meist noch viel dramatischer. So ergab sich 2013 auf der Basis der untersuchten Daten nur ein Nettorentenniveau von rund 55 Prozent. Damit beträgt die Versorgungslücke statt der angenommenen 10 Prozentpunkte ganze 32 Prozentpunkte, bei lückenhafter Erwerbsbiografie sogar 40 Prozentpunkte.

In absoluten Zahlen: Dem Standardrentner fehlen künftig jeden Monat 650 Euro netto in der Tasche – 350 Euro mehr als bis dahin geschätzt.

 

Wenig hilfreiche Kommunikation

Angesichts solch konkreter Zahlen, müssen dringend Konzepte entwickelt werden, die die persönliche Information und Transparenz der Bürger erhöhen und lebensnah transportieren.

Stattdessen dreht sich die politische Debatte immer wieder um für den Normalbürger nicht zu durchschauende Altersvorsorgekonstrukte, deren Auswirkungen selbst in Fachkreisen sehr widersprüchlich beurteilt werden. Generell ist die Diskussion geprägt von für Laien unverständlichem Fachdiskurs und interessensgeleiteter Lobby-Kommunikation.

Ohne klare und verständliche Kommunikation wird sich an der Gesamtsituation nicht viel ändern. Dass und wie beispielsweise betriebliche Altersvorsorge helfen kann, die Probleme in den Griff zu bekommen, kommt so bei denen, die es wirklich benötigen, nicht an.

 

Wie geht es Ihnen?

Versuchen Sie einmal sich ihre eigenen Bedürfnisse im Alter zu veranschaulichen. Malen Sie hierzu einen Zeitstrahl auf, der ihr gesamtes Leben symbolisieren soll. Markieren Sie den Einstieg in die Erwerbstätigkeit und wann diese voraussichtlich endet.

Wo auf dem Zeitstrahl befinden Sie sich gerade? Wieviel Geld benötigen Sie aktuell im Monat?

Wie viel wird dies im Rentenalter sein? Bedenken Sie Einflussgrößen wie Inflation und dass Ihre Ansprüche vielleicht noch steigen werden. Wissen Sie, wie viel Ihnen nach jetzigem Stand schon zur Verfügung stehen wird? Berücksichtigen Sie, die Rentenquoten eher rückläufig sein werden.

Wenn Sie jetzt ein leichtes Unbehagen befällt und sich Ihnen die eine oder andere Frage mehr stellt als zuvor, dann geht es Ihnen wie den meisten Menschen.

Vielleicht ist es ja gar keine schlechte Idee, die Kommunikation doch aktiv aufzunehmen, sich ein besseres Bild der eigenen Situation und der noch nicht ausgeschöpften Möglichkeiten zu machen.

 

Foto: Quelle: Postbank

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