bAV in Unternehmen

Die Verantwortung des Unternehmers

Eingestellt: 12. Dezember 2014 um 08:02   /   durch   /   Kommentare (0)

Wer sich die Schlagzeilen zur betrieblichen Altersversorgung (bAV) anschaut, gewinnt leicht den Eindruck, es ginge für Unternehmen hier hauptsächlich um ein Modell zur Einsparung von Sozialabgaben und die einzig diskutierte Optimierung wäre die Risikoverlagerung auf den Arbeitnehmer. Doch Unternehmer und Unternehmen, die so agieren, verfehlen den Kern, und damit auch die Chancen einer echten Betriebsrente. Ein Blick zurück legt die Wurzeln der Betriebsrente frei und offenbart dabei einen Lösungsansatz auch für moderne Herausforderungen.

Die betriebliche Altersvorsorge bildet im heutigen Rentensystem die sogenannte zweite Schicht zwischen der ersten (Basisversorgung inklusive zum Beispiel der gesetzlichen Rentenabsicherung) und der dritten Schicht (private Vorsorge). Doch derzeit stammen nur gut 5 Prozent der Alterseinkünfte aus der bAV und gut 85 Prozent aus der staatlichen Rentenversicherung. Leider reicht dies immer seltener, um eine auskömmliche Versorgung im Alter zu gewährleisten.

Unter Experten und Politikern ist unbestritten, dass die Bedeutung der betrieblichen Vorsorge zur Bewältigung des Altersarmutsproblems zunimmt. Doch ein Blick auf die aktuelle Diskussion rund um Betriebsrenten zeigt: Begeisterung löst diese, gerade bei mittelständischen Unternehmen, nicht aus. Auch Großkonzerne, die historisch zu den Vorreitern der betrieblichen Absicherung zählen, machen eher durch Kürzungen bei der bAV von sich reden.

Wurzeln im Mittelalter

Die Ursprünge der betrieblichen Absicherung lassen sich weit bis ins Mittelalter zurückverfolgen. Die ältesten Nachweise gehen zurück auf eine Bergbaubruderschaft im Nordharz im Jahre 1260. Die Fürsorgepflicht erstreckte sich bereits damals nicht nur auf verarmte und invalide Bergleute, sondern auch auf Hinterbliebene.

In den nachfolgenden Jahrhunderten wurde diese Form der Absicherung in einer Mischform aus Alters- und Krankenversicherung von den Knappschaften, Zünften und Gilden der Handwerker fortgeführt, die beispielsweise über einen sogenannten „Büchsenpfennig“ Gelder für Kranke und Alte zurücklegten.

Die Absicherung von Seeleuten und Bahnmitarbeitern in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts ebnete den Weg zu einer immer professionelleren Absicherung, beispielsweise über Pensionskassen für alle Angestellten, die bereits von den Reedern und Bahngesellschaften unterstützt wurden.

Herausforderungen der Moderne

Durch die zunehmende Industrialisierung und Globalisierung der Kapitalmärkte in den letzten Jahrzehnten haben sich auch die Rahmenbedingungen für die betriebliche Vorsorge rapide verändert.

Insbesondere die Wirtschafts-und Finanzkrisen der letzten Jahre haben durch sinkende Kapitalmarktzinsen die Rentabilität und Berechenbarkeit der bAV verschlechtert. Aber auch eine immer höhere Lebenserwartung hat die Betriebsrenten unter Druck gebracht.

Deshalb sind Unternehmen bestrebt, die biometrischen Risiken – wie eben Langlebigkeit – auszulagern, meist indem die Abwicklung von Betriebsrenten an Versicherungskonzerne ausgegliedert wird und die Zusagen und Zuzahlungen der Arbeitgeber reduziert werden. Ein Fehler. „Betriebsrenten sind mehr als weitergereichte teurere Versicherungspolicen“, sagt Gisbert Schadek, erster Geschäftsführer des Versorgungsverbandes deutscher Wirtschaftsorganisationen (VdW). „Besonders in der heutigen Wettbewerbssituation kann eine echte Betriebsrente ein entscheidender Vorteil im Kampf um Fachkräfte und zukünftige Talente sein“, so Schadek weiter.

Betriebsrente als Wettbewerbsfaktor

Dass die Betriebsrente mehr ist als ein Unsicherheitsfaktor, wussten Unternehmerpersönlichkeiten wie Krupp und Henschel bereits Mitte des 19. Jahrhunderts, als diese Unternehmen 1832 (Krupp) beziehungsweise 1858 (Henschel) eine betriebliche Alterssicherung ihrer Mitarbeiter eingeführt haben. Zur damaligen Zeit gab es noch keinerlei staatliche Absicherung. Diese wurde erst 1889 mit dem Invaliditäts- und Altersversicherungsgesetz eingeführt.

Für die Großindustriellen, die keineswegs im Ruf standen, Sozialromantiker zu sein, war bei nüchterner Betrachtung und Erstellung einer Kosten-Nutzen-Rechnung klar, dass die Absicherung der eigenen Mitarbeiter auch dem eigenen Unternehmen einen Vorteil bringt. Es war Bestandteil des unternehmerischen Selbstbildes, dass die Verantwortung gegenüber den Mitarbeitern nicht am Werkstor endete und ein Teil der erwirtschafteten Gewinne auch an die Mitarbeiter, zum Beispiel über eine Betriebsrente, zurückfließen sollte. Die Betriebsrente war unumstritten eine vom Arbeitgeber finanzierte Leistung.

Ein Gedanke, der sich, insbesondere seit dem gesetzlichen Anspruch auf Entgeltumwandlung seit 2002, immer mehr zu verflüchtigen scheint und die bAV immer mehr zu einer über den Betrieb abgewickelten privaten Vorsorge werden lässt.

Die Betriebsrente setzte sich im Windschatten der Sozialgesetzgebung im Deutschen Reich nach und nach bei vielen Großbetrieben durch. So führten in den 1870er-Jahren auch Siemens und BASF Betriebsrentensysteme ein, gefolgt von Hoechst im Jahre 1889.

Employerbranding und Betriebsrente

Was heutzutage neudeutsch als Employer Branding bezeichnet wird, war für die Konzerne eine Selbstverständlichkeit. Der Gedanke, Arbeitnehmer zu schützen, zu motivieren und zu gewinnen, um im Wettbewerb Vorteile zu haben, ist so aktuell wie nie zuvor – und damit auch die Idee der strategischen Nutzung einer Betriebsrente.

Besonders in einer Arbeitswelt, in der immer weniger die physische Arbeitskraft ausschlaggebend ist und Fachkräfte durch kulturellen Wandel und neue Technologien so mobil und flexibel wie nie zuvor sind, ist die Bindung von guten Arbeitskräften ein Muss für alle Unternehmen.

Deshalb sind auch moderne Unternehmen, egal welcher Größe, gut beraten, die Vorteile einer echten Betriebsrente für sich zu nutzen. „Unternehmen, die aktiv signalisieren, dass sie sich um die Absicherung ihrer Mitarbeiter kümmern und die dafür auch Verantwortung übernehmen, indem sie eine echte Betriebsrente anbieten, werden im Wettbewerb in Zukunft die Nase vorn haben“, so Betriebsrentenexperte Gisbert Schadek.

Echte Betriebsrente

Für Arbeitgeber bedeutet das Angebot einer Betriebsrente dabei keineswegs ein unbegrenztes Risiko und hohe Kosten. „Eine Betriebsrente ist immer eine individuelle Lösung für jeden Betrieb, die darauf abzielt, dass nicht nur strategische Ziele des Unternehmens erfüllt werden und die Arbeitnehmer eine nennenswerte Absicherung erhalten, sondern dass jeder die Kosten und Risiken trägt, die er auch tragen kann“, erklärt Schadek. Ein Minimax-Prinzip mit Nulltarif für Arbeitgeber bei gleichzeitiger Mitarbeiterbindung ist dabei nicht möglich. Wie bei den frühen Pionieren der Betriebsrente geht es auch heute vor allem darum, dass Arbeitgeber ihren Teil der Verantwortung übernehmen und beispielsweise Kosten für die Abwicklung tragen, die ein einzelner Arbeitnehmer nicht tragen könnte.

Die Wirkung der Betriebsrente steigt mit dem Engagement des Arbeitgebers – sowohl mit Blick auf die Rendite als auch beim Employer Branding.

Arbeitgeber, die eine effektive Strategie entwickeln möchten, die den ursprünglichen Gedanken der Betriebsrente mit Leben füllt, erfahren hier auf den Seiten der „Initiative Deutsche Betriebsrente“ durch Hintergrundberichte und Praxisbeispiele zukünftig mehr darüber. Sollten Sie Fragen oder Anregungen haben, hinterlassen Sie gern einen Kommentar, oder kontaktieren Sie uns direkt oder über unsere Kanäle in den sozialen Medien, zum Beispiel auf Twitter, Facebook oder Google+.

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