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Die Lawine rollt – Altersarmut wirksam mit Betriebsrenten verhindern

Eingestellt: 12. Dezember 2014 um 09:58   /   durch   /   Kommentare (0)

2014 wird die gesetzliche Rentenversicherung 125 Jahre alt. Doch zufrieden sind damit nur noch die Wenigsten. Der Anteil der Menschen, die im Alter auf staatliche Unterstützung angewiesen ist, wächst und wächst. Experten sprechen von einer Lawine der Altersarmut. Deshalb braucht „die alte Dame“ gesetzliche Rente die private und betriebliche Vorsorge zur Unterstützung, damit dieses Szenario verhindert werden kann. Vor allem der Betriebsrente kommt in den nächsten Jahren eine Schlüsselrolle zu. Was Sie über Ihre Rentenlücke und die richtige Vorsorge wissen müssen.

Die Umstände für ein ausgelassenes Jubeljubiläum sehen anders aus. Pünktlich zum 125-jährigen Bestehen der gesetzlichen Rentenversicherung ballen sich erneut und zum wiederholten Male die schlechten Nachrichten. 2013 waren so viele Alte und Kranke wie nie zuvor auf die sogenannte Grundsicherung im Alter angewiesen. Für diese gut 500.000 Menschen in Deutschland ist schon heute das Wort Altersarmut keine Schlagzeile, sondern bittere Realität – und es werden immer mehr.

Der Anstieg von 7,4 Prozent bzw. 34.000 Personen gegenüber dem Vorjahr, ist laut Experten die Bestätigung eines Trends. So warnt auch die OECD, dass bereits jeder vierte Deutsche zu Niedriglöhnen arbeitet, die im Alter, alleine über die gesetzliche Rente, keine Sicherung des Lebensunterhaltes mehr zulassen werden. Auch der Datenreport 2013 des statistischen Bundesamtes zeigt, dass sich vor allem für die bisher als weniger gefährdeten 55- bis 64-Jährigen das Risiko von Altersarmut signifikant erhöht und sich dem der 18- bis 24-Jährigen angenähert hat.

Ist die Rente sicher?

Kein Wunder, dass auch Angela Merkel beim Festakt zur Feier der Rentenversicherung feststellte: „Wir sind gefordert, Altersarmut vorzubeugen und dafür geeignete Lösungen zu entwickeln.“ Wie das zu geschehen hat, legte sie auch direkt dar. Es sei notwendig, dass die private Absicherung und die Betriebsrenten gestärkt und ausgebaut werden müssten.

Schon jetzt ist allen Beteiligten klar, dass, entgegen der inzwischen fatalen Aussage „Eines ist sicher – die Rente“ des ehemaligen Arbeitsministers Norbert Blüm, die gesetzliche Rente schon längst kein Garant für einen zufriedenen Lebensabend mehr ist.

Derzeit zahlen gut 53 Millionen Bundesbürger in die gesetzliche Rentenversicherung ein und gut 25 Millionen Bürger beziehen Leistungen aus ihr. Allein 1,53 Millionen Neuanträge verzeichnet die Rentenversicherung jedes Jahr. 0,73 Millionen davon sind Altersrenten, 0,36 Millionen Erwerbsminderungsrenten und 0,45 Millionen Hinterbliebenenrenten.

Die Ausschüttungen beliefen sich im Jahr 2013 auf 258,8 Milliarden Euro und die Einnahmen betrugen 260,7 Milliarden Euro. So brachte es die gesetzliche Rentenversicherung in den letzten Jahren auf Rücklagen von gut 33 Milliarden Euro. Was nach ausgeglichener und solider Haushaltsplanung klingt, ist in Wirklichkeit kaum mehr als ein Tanz auf der Rasierklinge. Jede Veränderung in der Konjunktur kann hier schnell einen Absturz verursachen.

Was im Alter übrig bleibt

Schon jetzt bleibt einem Rentner, der auf 45 Beitragsjahre mit ununterbrochener Einzahlung zurückblicken kann, bei einem statistischen Durchschnittsgehalt (ca. 30 TSD Euro/Jahr) in diesem Zeitraum, eine Altersrente von gerade einmal 1.277 Euro – und zwar brutto. In den neuen Bundesländern sind es sogar nur 1.187 Euro, brutto. Vom aktiven und genussvollen Rentnerdasein, mit Weltreisen und einer opulenten Familienfeier zum 75. Geburtstag, braucht da die Mehrzahl der deutschen Rentner nicht zu träumen.

Nach Prognosen der Rürup-Kommission und der deutschen Rentenversicherung wird sich diese „Eckrente“ in den kommenden Jahren sukzessive verringern; auf weniger als tausend Euro im Jahr 2040. Da gleichzeitig die Lebenshaltungskosten um mindestens 1 bis 2 Prozent im Jahr steigen, wird klar, dass Altersarmut nicht die Ausnahme, sondern die Regel zu werden droht.

Bereits für das Jahr 2030 erwarten Experten, dass mehr als die Hälfte der Senioren eine Rente beziehen wird, die nicht höher als die Grundsicherung (Sozialhilfe) sein wird. Im Jahr 2013 belief sich der durchschnittliche Hartz IV Satz auf gut 700 Euro.

Ein System stößt an seine Grenzen

Der Grund für die Misere der gesetzlichen Rentenversicherung liegt in einer dramatischen Veränderung der demographischen Entwicklung in Deutschland. So haben wir, bedingt durch zu wenig Zuwanderung und eine anhaltend niedrige Geburtenrate, immer weniger junge Menschen und immer mehr Alte, die gleichzeitig, u.a. dank des medizinischen Fortschritts, immer älter werden. Da die gesetzliche Rente mit einem Umlageverfahren arbeitet, also die heute Verdienenden den heutigen Rentnern die Pension bezahlen, klafft hier eine immer größere Lücke. Diese kann nur durch einen tendenziell steigenden Beitragssatz, bei gleichzeitig sinkender Leistung, kompensiert werden. 2015 ist ein Beitragssatz von 18,7 Prozent auf den Bruttolohn geplant, eine leichte Absenkung gegenüber 18,9 Prozent im Jahr 2013.

Die Förderung der kapitalgedeckten Vorsorge ist deshalb das Gebot der Stunde. Ziel ist der Aufbau eines Sparvermögens jedes zukünftigen Rentners, aus dem dann die eigene Zusatzrente bestritten werden kann.

Private und betriebliche Vorsorge in schwierigen Gewässern

Doch die angestrebte private und betriebliche Altersvorsorge ist keineswegs ein Selbstläufer. Nicht nur, weil es immer mehr Menschen gibt, die schlicht keinerlei frei verfügbares Einkommen haben, um eine weitere Vorsorgesäule aufzubauen, sondern auch, weil komplizierte gesetzliche Regelungen, Steuerwirrwarr und miese Kapitalmarktrenditen ihre abschreckende Wirkung nicht verfehlen.

„Derzeit kommen nur zehn Prozent der Alterseinkünfte aus privaten Ersparnissen und immer noch 85 Prozent aus der staatlichen Rente. Der Anteil der betrieblichen Altersvorsorge liegt bei gerade 5 Prozent. Viel zu wenig.“, sagt Dr. Klaus Mössle, Leiter des Institutionellen Geschäftes beim Vermögensverwalter Fidelity Worldwide und Experte für betriebliche Altersvorsorge.

„Um die zukünftig zu erwartende Rentenlücke zu schließen, müsste allein der Anteil der Betriebsrenten auf 25 bis 30 Prozent steigen“, rechnet Mössle vor. Dass das möglich sei, zeige ein Blick auf die Situation in anderen europäischen Staaten, so der Experte. So stammen in Dänemark bereits 17 Prozent und in den Niederladen ein gutes Drittel der Altersbezüge aus der betrieblichen Altersvorsorge (bAV).

„Eine bAV gehört für Mitarbeiter großer Unternehmen heute zum Standard. Doch nicht in allen Branchen ist die bAV gleichermaßen gut vertreten. Auch sinkt der Anteil der Arbeitnehmer mit Betriebsrentenanspruch bei kleineren und mittleren Unternehmen. Insgesamt liegt die aktuelle Verbreitung der bAV in Deutschland bei circa 60 Prozent der sozialversicherungspflichtigen Arbeitnehmer“, so Mössle weiter.

Um diesen Anteil signifikant zu erhöhen, wurde die Initiative Deutsche Betriebsrente ins Leben gerufen, denn in der Betriebsrente steckt ein enormes Potenzial.

Wenn die Lücke zur Falle wird

„Mind the gap“ – möchte man rufen, wenn man sich die Zahlen zur Rentensituation anschaut. Die Aufforderung, die in der Londoner Undergroundbahn auf den gefährlichen Spalt zwischen Zug und Bahnsteigkante hinweist, würde auch passend vor dem Absturz im Alter warnen. So hat die Ruhr-Universität Bochum ermittelt, dass zur Erhaltung des Lebensstandards im Alter, nicht, wie oft angenommen, 70 Prozent des letzten Nettoeinkommens notwendig sind, sondern eher 87 Prozent. Die staatliche Rente deckt derzeit gerade einmal 60 Prozent ab und in der Praxis sind es oft 50 Prozent und weniger – im Jahr 2030 circa 40 Prozent.

Für einen Ausgleich durch private und betriebliche Vorsorge sind, bei einem durchschnittlichen Angestellten im Alter von 40 Jahren, schon Sparraten jenseits der 1.000 Euro im Monat notwendig, um diese Lücken zu füllen. Bei Renteneintritt müsste dieser mehrere hunderttausend Euro angespart haben. Für die meisten Menschen ist das unvorstellbar.

Unmöglich ist es jedoch nicht. Dafür müsste aber auch die Betriebsrente ihren Anteil an den Alterseinkünften verdoppeln bis verdreifachen. Grund dafür gäbe es genug, denn eine echte Betriebsrente, die mehr ist als eine vom Arbeitgeber durchgereichte Lebensversicherung, bietet enorme Kosten-und Renditevorteile, die sich in der privaten Vorsorge so nicht realisieren lassen.

Nutzen Sie Ihr Recht

Seit 2002 haben Arbeitnehmer das Recht auf eine sogenannte Entgeltumwandlung. Dabei können sie einen Teil ihres Bruttogehaltes in Form der bAV ansparen. Die Betriebsrente wird dabei immer attraktiver, je mehr sich der Arbeitgeber bei der Umsetzung und Besparung engagiert. So ist ein Großteil der Betriebsrenten in Deutschland bereits ganz- oder teilweise arbeitgeberfinanziert. Meist steuert dabei der Arbeitgeber die durch die Entgeltumwandlung gesparten Sozialabgaben hinzu. Ein weiterer wesentlicher Renditefaktor ist die Übernahme von Abwicklungskosten durch den Arbeitgeber für seine Mitarbeiter, so dass diese nicht von jedem Einzelnen getragen werden müssen. Dafür stehen dem Arbeitgeber auch moderne digitalisierte Abwicklungswege zur Verfügung. Diese sogenannten virtuellen Versorgungswerke sparen Kosten und machen die Verwaltung auch für kleine und mittlere Betriebe durch Outsourcing an Experten handhabbar.

Sprechen Sie Ihren Arbeitgeber auf die Betriebsrente an und weisen Sie ihn dabei auf die Möglichkeiten der modernen virtuellen Versorgungswerke hin. Weitere Infos dazu erhalten Sie hier auf dem Portal und bei den Verantwortlichen und Partnern der Initiative Deutsche Betriebsrente.

Zusatzinformation

125 Jahre gesetzliche Rentenversicherung

Bei allen Schwierigkeiten der gesetzlichen Rentenversicherung ist sie dennoch ein Symbol des modernen Sozialstaates und ein bemerkenswerter Erfolg, denn ihr Tod wurde ihr mehr als einmal prophezeit.

Als politische Maßnahme gegen die erstarkende Sozialdemokratie, wurde die staatlich geregelte Altersvorsorge bereits in den 1860er Jahren vom zukünftigen Reichskanzler Otto von Bismarck ersonnen, doch erst einige Jahre nach der Reichsgründung 1871, im Jahre 1889, mit dem Invaliditäts- und Altersversicherungsgesetz, ins Leben gerufen. Damit war für die Reichsregierung der letzte Schritt in einer bemerkenswerten Reihe von Reformen unternommen. Bereits 1883 wurde die gesetzliche Krankenversicherung eingeführt und 1884 die Unfallversicherung. Das Niveau der Absicherung nahm sich vergleichsweise bescheiden aus, doch auch der Beitragssatz war mit zwei Prozent des Lohnes verschwindend gering (2015 18,7 %).
Gemessen an heutigen Zahlen war die Versorgung übersichtlich und dennoch eine Revolution und ein Vorbild für viele staatliche Reformen in der ganzen Welt. Im Jahr 1911 folgte die Hinterbliebenenrente.

Nach den schweren Jahren der Hyperinflation und der Gleichschaltung der Rentenversicherung in der Nazizeit, begann nach dem Krieg der Aufstieg der Rentenversicherung zu einer echten, den Lebensstandard sichernden, Versorgung.

Doch bereits 1957 wurden erste größere Reformen notwendig, bei denen auch das heute noch gültige Umlageverfahren gestärkt wurde. 1972 wurde dann die Rente mit 63 erstmals ermöglicht und 1987 wurde, unter der Ägide des Arbeitsministers Norbert Blüm, die Anrechnung von Kindererziehungszeiten eingeführt. Nach den großen finanziellen Belastungen durch die bundesweite Vereinheitlichung der Rentenversicherung im neuen Gesamtdeutschland nach 1989, beschloss der Bundestag 1991, die Förderung der kapitalgedeckten privaten Vorsorge (Riester-Rente). Nach einer Heraufsetzung des Renteneintrittsalters auf zunächst 65 Jahre und 2008 auf 67 Jahre, wurde 2013, durch die große Koalition, eine deutliche Erweiterung der sogenannten Mütterrente beschlossen und die erneute Inanspruchnahme der abschlagsfreien Rente mit 63 Jahren verabschiedet.

Weitere Infos aus dem Netz:

Interaktiver Zeitstrahl der Deutschen Rentenversicherung: www.125jahre-gesetzliche-rentenversicherung.de

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